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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

25 Jahre FSJ bei den ijgd in Bonn



Ein Rückblick

Von Agnes Post und Jürgen Wittmer

Am 01.08.2008 feiert das FSJ bei den ijgd seinen 25. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Seine Geburtsstunde beging es 1978 noch beim PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Landesverband NRW mit 5 Helfern- und HelferInnen, wie sie damals noch genannt wurden.

1983 hatte sich das FSJ beim Paritätischen dank des engagierten Einsatzes, liebevoller Fürsorge, Förderung und Begleitung in Form von 7 Seminarwochen zunächst durch Agnes Post und dann mit tatkräftiger Unterstützung von Ulrike Werthmanns Reppekus ( jetzt Geschäftsführerin des Paritätischen Jugendwerkes NRW) schon prächtig entwickelt und war auf eine Zahl um die 100 Teilnehmenden in entsprechend zahlreichen Einsatzstellen gewachsen.

Im selben Jahr haben dann die ijgd auf Initiative von Hans Peter Hager (damaliger ijgd-Geschäftsführer in NRW) das „Geburtstagskind“ vom PARITÄTISCHEN „adoptiert“.

Anfänglich wurde es innerhalb der ijgd eher misstrauisch beäugt. Es galt als altmodisch und konventionell. Man glaubte, ein FSJ machten überwiegend junge Frauen, die in Krankenhäusern arbeiteten. Wie sollte das zu den Grundsätzen der ijgd passen? Zur kritischen Begutachtung des FSJ erfolgte eine Einladung der Bildungsreferentin zur ijgd-Jahresplanungstagung. Zum Glück konnte Agnes Post sehr gut trommeln. Das machte irgendwie Eindruck. Dann konnte das FSJ doch nicht so schlecht sein.
Hans Peter Hager hoffte auch darauf, viele GruppenleiterInnen für die workcamps gewinnen zu können. Diese Rechnung ist leider nicht aufgegangen.

Aber die Akzeptanz, die das FSJ gesellschaftlich längst hatte, nahm auch bei den ijgd allmählich zu. Das FSJ boomte, das Einsatzstellenspektrum erweiterte sich, das FSJ wurde vielseitiger und interessanter.
In der Zwischenzeit wird es von fast allen ijgd-Geschäftsstellen in ihren jeweiligen Bundesländern angeboten. 1993 kam das Freiwillige Ökologische Jahr dazu. Im selben Jahr wurden die Bildungstage vom Gesetzgeber auf 25 Tage festgeschrieben und auch ein Einsatz im Europäischen Ausland ermöglicht.

Die Internationalität im Langzeitfreiwilligendienst bei den ijgd begann zunächst damit, dass wir junge Leute aus dem Ausland zu uns einluden. Auch hier kann sich Agnes Post noch gut an den Beginn erinnern.
15 Freiwillige aus der Ukraine, von ihr persönlich im Heimatland besucht, um auch die letzten Ängste der Eltern auszuräumen, sollten in Deutschland ihr FSJ starten, 10 davon in Köln und 5 in Düsseldorf eingesetzt werden. Hierzu bedurfte es der Zustimmung durch den jeweiligen Regierungspräsidenten. Das Gesetz wurde unterschiedlich ausgelegt. Die Kölner durften kommen, die Düsseldorfer blieben leider auf ihren gepackten Koffern sitzen.

Damals wie heute gab es immer Situationen, die das FSJ geärgert hat.
Es gab jede Menge Vereinnahmungstendenzen, gegen die es sich wehren musste. Da war Pflegenotstand und die Gefahr als billige Arbeitskraft missbraucht zu werden. Es gab Entwicklungen, das FSJ als reines Instrumentarium gegen Jugendarbeitslosigkeit zu missbrauchen. Es gab Bestrebungen, das FSJ in eine allgemeine Dienstpflicht zu überführen.
Und die neueste Belastung hat uns das Bundesministerium für Finanzen 2008 eingebrockt. Es definiert das FSJ als umsatzsteuerpflichtig, wenn der Träger in der bisherigen „Arbeitgeber“-Funktion bleibt. Nur wenn der Träger diese Funktion an die Einsatzstelle abgibt, kommt es zu einer weitgehenden Umsatzsteuerbefreiung. Allerdings wird damit die Rolle der Träger geschwächt.

Aber das FSJ war kämpferisch und hat lautstark immer wieder auf die Hauptmerkmale seines Wesens aufmerksam gemacht. Das FSJ ist ein soziales Bildungsjahr, in dem das praktisch Tun und Erleben in den Einrichtungen pädagogisch begleitet wird. Es gibt den jungen Menschen, die sich freiwillig für das FSJ entscheiden, persönliche und berufliche Orientierung. Inzwischen ist es auch völlig legitim geworden, einen persönlichen Nutzen aus dem FSJ zu ziehen, wurde doch Uneigennutz zu Beginn ganz groß geschrieben.

Das FSJ entwickelt sich ständig weiter und verändert sich auch in seinen Zielgruppen. Agnes Post ist es dabei nie langweilig geworden. Vor 6 Jahren gab es gesetzliche Veränderungen, die es nun jungen Männern ermöglichen, das FSJ - auch im Ausland - anstelle des Zivildienstes zu leisten. Außerdem wurden die Einsatzmöglichkeiten erweitert um die Bereiche Sport, Kultur und Denkmalpflege. Im letztgenannten Bereich sind die ijgd in Zusammenarbeit mir der Deutschen Stiftung Denkmalschutz deutschlandweit alleiniger Anbieter.

Leider reichen die finanziellen Mittel nicht aus, um die Nachfrage seitens der jungen Menschen und der Einsatzstellen voll zu befriedigen. Und für spezielle Zielgruppen wären eine intensivere Begleitung und damit ebenfalls höhere Mittel erforderlich.

In den 25 Jahren ist das FSJ bei den ijgd in NRW mit derzeit 450 Freiwilligen und 17 Seminargruppen pro Jahr richtig groß geworden. Viele Kolleginnen und Kollegen, Honorarkräfte, TeamerInnen, Fachpersonal in den Einsatzstellen und natürlich viele Tausend Freiwillige haben dem FSJ ein Profil gegeben.

Wir sind sicher, dass das FSJ bei den ijgd auch in Zukunft für viele junge Menschen attraktiv und wertvoll ist, wenn weiter die Qualität des Programms an oberster Stelle unserer aller Bemühungen steht.

Wir wünschen dem Geburtstagskind FSJ alles Gute! Möge es noch weitere 25 Jahre wachsen, dabei jugendlich sein und stets offen für innovative Ideen.

 

Agnes Post (Bildungsreferentin)
Jürgen Wittmer (Geschäftsführer)