Workcamp in Deutschland - Ingelheim 2011

- 16 Freiwillige aus 9 verschiedenen Nationen

- "Her mit den Zäunen!"

- Ergebnis der "Safaritour" durch den Supermarkt

- Für wen war die Hüpfburg noch mal gedacht?!

- Auch so kann eine interkulturelle Begegnung aussehen
Zwischen „cutting fences“ und „Good weekend”
von Anna Heidenreich
Es waren einmal 16 Freiwillige inklusive zwei mutigen Teamern, die sich auf den Weg in den tiefen, tiefen Wald irgendwo im Niemandsland machten, um sich dort drei Wochen abgeschnitten von der Außenwelt auf das Abenteuer Wald einzulassen. Der Wald, gelegen in Rheinland-Pfalz im wunderschönen Hunsrück, war in Wirklichkeit zwar groß und mit Sicherheit auch an manchen Stellen tief und finster, aber es war eine tolle Erfahrung ringsherum Natur zu haben. Und mit unserem Kleinbus war auch die Zivilisation schnell zu erreichen.
Mhm, mit 16 Leuten aus 9 verschiedenen Nationen
(Malta, Italien, Russland, Spanien, Türkei, China, Südkorea, Georgien, Deutschland – wie man sieht höchst international)drei Wochen lang im Wald arbeiten und ein Waldfest vorbereiten. Wie kann man sich das vorstellen ??? Ganz einfach. Zum einen hatten wir eine wirklich moderne Luxusherberge, mit geräumigen Zimmern, einem großen Aufenthaltsraum und inklusive leckerem Frühstück und Mittagessen (und das sowohl vegetarisch, als auch vegan), das für uns von der Köchin vom Haus zubereitet wurde. Das große Außengelände bot unserem Bewegungsdrang genügend Möglichkeiten und die große Nestschaukel ließ uns für viele Momente wieder Kind sein. Aus dem Steinofen (übrigens auch ein Projekt von Workcampern) konnten wir die original mit viel Liebe hergestellte italienische Pizza genießen.
Das „Abenteuer Kochen“
hat uns auch so manches Erlebnis beschert. Allein das Einkaufen war ein Ereignis für sich. Ausgiebige „Safaritouren“ durch den Supermarkt, drei Einkaufswagen und ein in voller Kofferraum. Von versalzener sizilianischer Pasta, von südkoreanischen und chinesischen Gerichten, die dann doch lieber mit Öl statt mit Spülmittel zubereitet wurden und Borschsuppe ohne Fleisch, hatten wir so ziemlich alles im Programm. Ich sage nur „surrvival cooking.“ Satt geworden sind wir immer. Schließlich brauchten wir auch genug Energie zum Arbeiten. Angeleitet wurden wir dabei u.a von unserem Lieblingsförster. Zu den beliebtesten Tätigkeiten gehörte das „cutting fences“ auf deutsch: Zäune schneiden. Dazu mussten wir mit Drahtscheren bewaffnet Schutzzäune um Bäume herum abschneiden und abtransportieren. Nach einiger Zeit entwickelten wir dabei einen regelrechten sportlichen Ehrgeiz und so manch ein Kratzer wird wohl den einen oder anderen noch länger daran erinnern.
"Her mit den Zäunen!"
In kleinere Gruppen aufgeteilt verrichteten wir die unterschiedlichsten Aufgaben von Holz aufladen und wegfahren, Blumen pflanzen, Äste absägen oder Wege freihacken. Bei der Arbeit, die gut zu schaffen war, blieb immer noch genügend Zeit für Schnappschüsse jeglicher Art oder das ausgiebige Betrachten und Bestaunen von Nacktschnecken. Diese „oh wonderful snales“ wurden dann auch gleich mit Namen bedacht . Mit viel Glück bekamen wir aber auch ein wunderschönes Exemplar von einem Feuersalamander zu Gesicht. Für mich kann ich nur sagen, dass mir das körperliche Arbeiten sehr gut getan hat und wer umsonst „Muckies“ haben will, ist hier genau richtig. Insgesamt arbeiteten wir morgens von neun bis zwölf, anschließend Mittagessen (das man dann auch gut gebrauchen kann) und dann wieder von eins bis vier. So dass am Nachmittag neben einem kleinen Entspannungsschläfchen noch genug Zeit für anderes blieb.
Neben den Arbeiten im Wald gehörte es auch zu unseren Aufgaben, ein Waldfest vorzubereiten und uns Aktivitäten für die Kinder auszudenken. 16 Leute mit lauer kreativen Ideen , die natürlich alle selbst ausprobiert werden müssen. Von Tanz bis Theater und vielen, vielen Spielen reichten unsere Einfälle. Auch wenn wir nicht alles umgesetzt haben, war das Waldfest doch alleine schon wegen unserer selbstentworfenen Wald-T-shirts ein Erlebnis. Und meine begnadeten Mitschauspieler und ich hatten allein bei den Vorbereitungen für unser kleines Theaterstück eine Menge zu lachen. Und wann kommt man schon mal dazu, ein internationales Hüpfburghüpfen zu veranstalten?
„ Good weekend!!!“ Nationen power. Wo ist die Tanzfläche ???
Natürlich wollten wir bei so viel Wald auch mal in die Zivilisation. Eines der Erlebnisse, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird, ist der Ausflug zum legendären Dorffestival in die benachbarte Gemeinde. Der Schlachtruf „Good weekend“ wird den Dorfbewohnern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Wenn 9 Nationen aufeinander treffen und eine kleine unscheinbare Bühne stürmen, dann steppt einfach der Bär. Von Makarena bis zu unserer Workcamphymne „waka waka“ wurde getanzt was das Zeug hält. So bunt und lebendig kann ein Workcamp sein.
Auch die big cities standen natürlich auf dem Programm.
So haben wir in Mainz außer leckerem Eis auch den Rheinblick genossen, und in Frankfurt gings hochhinaus .Auf dem Maintower hatten wir einen einmaligen Blick auf die Stadt und das Umland. Im Wildpark mit englischer Führung und heftigst „dialektgefärbter“ Adlervorführung machte wohl jeder so seine ganz eigenen Begegnungen. Aber auch die Abende in unserer Unterkunft haben wir genossen. Gut das Campleiter viele tolle Spiele kennen,
vor allem das legendäre Werwolfspiel.
Dieses war mein zweites Workcamp und ich kann wieder nur sagen , dass es ein einmalige Erlebnis ist. Die vielen Begegnungen, das Zusammenleben in einer solch internationalen Gruppe mit Leuten unterschiedlichsten Alters, die vielen intensiven Gespräche ,das gemeinsame Arbeiten, das Kennenlernen neuer Kulturen, all das
bereichert dich ungemein. Das Erproben der Selbstorganisation gehört zum Campalltag ebenso dazu wie auch das Aushalten von Meinungsverschiedenheiten und das nicht immer alles gerade aus läuft . Freundschaften entstehen und werden, das hoffe ich, halten. Ich denke jeder aus unserer Gruppe hat seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht, die ihm mit Sicherheit lange in Erinnerung bleiben werden. Einfach mal ausbrechen aus dem Alltag und etwas Neues wagen, auch wenn Mütter manchmal die Angewohnheit haben, ziemlich oft anzurufen.
Also lasst euch ein auf das Abenteuer Workcamp und wenn es euch eines Tages in die Emmerichshütte in den schönen Stadtwald von Ingelheim verschlägt (übrigens mit original Rheinland-Pfälzischen Dialekt) dann geniest die Zeit.