Workcamp in Deutschland
Mein Workcamp im Stadtwald von Ingelheim
von Sophie Sparrenberg
Vor ungefähr einer Woche ging mein erstes Workcamp im Stadtwald von Ingelheim zu Ende. Ich möchte euch gerne von meinen 3 Wochen mit tollen Menschen aus der ganzen Welt erzählen. Am ersten Wochenende sind nacheinander alle Teilnehmer eingetrudelt, die dann vom Förster Florian vom Bahnhof abgeholt werden mussten. Als ich um 13:00 Uhr etwas aufgeregt aus dem Zug stieg musste ich noch eine Stunde warten bis der Kleinbus kam, die Ankömmlinge abzuholen. Doch lange blieb ich nicht allein denn schon bald kam ein etwas orientierungslos in der Gegend herumblickendes Mädchen (Elena) mit viel Gepäck auf mich zu, welches dann auch wirklich zu dem Camp gehörte. Wir fingen an ein bisschen holprig auf Englisch zu reden, sie mit ihrem exotischen spanischen Akzent, als sich auch schon eine Chinesin (Vivian), die schon vorher an mir vorbeigegangen war, zu uns gesellte und wir uns über ihre Anreise unterhielten. Als wir endlich abgeholt wurden und ein ganzes Stück über kurvig steile Straßen durch den Wald gefahren waren kamen wir an unserem Palast aus Holz an. Die moderne Jugendherberge stand ausschließlich uns zur Verfügung und aufgrund der Abgelegenheit kamen nur ab und zu Wanderer vorbei, die in das Restaurant um die Ecke ein einkehrten. Zum Haus gehörten noch ein Sportplatz, ein Pizzaofen, ein kleiner Spielplatz eine Grillhütte und eine tolle Aussicht.
Nach der Zimmereinteilung wurden sofort die Karten ausgepackt und wir haben mit den schon Anwesenden UNO gespielt… später kam Florian noch mal vorbei und wir haben in der Grillhütte Feuer gemacht und Würstchen und verschiedenste Salate, wir hatten 5 Vegetarier und eine Veganerin, gegessen. Als ich am Abend ins Bett ging war die Anspannung von mir abgefallen und löste sich mit Vorfreude auf die nächsten Wochen ab.
Und tatsächlich wurde die Zeit ereignisreicher und spaßiger als ich es hätte mir träumen lassen. Aber zuerst zu unser Arbeit, wir befanden uns schließlich auf einem Workcamp? Unsere Aufgabe war es die Förster im Wald zu unterstützen und die Unterhaltung für die Kinder auf dem Waldfest vorzubereiten. Unsere Arbeit im Freien bestand aus Gras rächen, junge Bäume schneiden, die Werkstatt anstreichen, Gräben reinigen, Äste schneiden, Holz schleppen und unsere unleidigste und häufigste Arbeit, Bäume, mit Zangen, von eingewachsenen Zäunen zu befreien. Zu diesem „cutting fences“ entwickelten wir dann eine Hassliebe und jeden Morgen von neuem mussten sich Freiwillige finden, die sich abermals in den jungen, engen Wald trauten. Obwohl der Wald für mich etwas sehr vertrautes ist, musste ich erleben wie es einige gab, die total fasziniert von unserem grünen Dschungel sogar den Nacktschnecken liebevoll Namen gaben und staunend ein rot verfärbtes Ahornblatt in den Händen hielten. Ich habe ihnen dann versprochen, im Gegenzug für maltesische Euros im Herbst eine ganze Auswahl von farbenprächtigen, gepressten Blättern zu schicken.
Die Vorbereitung auf das Waldfest bestand darin, die ganzen Spielvorschläge aus den verschiedenen Ländern selbst auszuprobieren, die dann, zu unserer Freude, als Arbeitsstunden gezählt wurden. Aufgrund der vielen Gruppenspiele entwickelte sich sehr schnell eine Gemeinschaft und ich hatte es leicht zu allen Kontakte zu knüpfen.
Unser Tagesablauf
Das Frühstück gab es meistens um 8:00 Uhr. Gearbeitet wurde von 9-12 und von 13-16 Uhr. Das Essen in der Mittagspause wurde vor der Hausinhaberin vorbereitet und hat mit sehr gut geschmeckt. In unsere Freien Zeit hatten wir immer viel zu tun und manchmal war sie sogar anstrengender als der Vormittag. Wir haben stundenlang Karten gespielt, Feuer gemacht, in der Korbschaukel Spaß gehabt, Einkäufe erledigt, was immer lustig war, der Küchengruppe beim Abendessen geholfen und, was ich besonders mochte, Tischtennis gespielt. Ich hatte sehr schnell meine beiden Spielpartner gefunden…Paolo und Kaan, bei denen ich mich zwar manchmal gefragt habe, warum ich überhaupt die ganze Zeit mit ihnen zusammen bin, da sie sich ununterbrochen geneckt und geärgert haben, doch sie waren so lustig und ich habe sie furchtbar gern…. In unserem Gemeinschaftsraum lief übrigens eigentlich die ganze Zeit Musik, sodass wir abends oft getanzt haben :D. War man dann doch mal zu müde war es kein Problem sich in sein Zimmer zurückzuziehen oder auf dem Sofa im großzügigen Flur zu schlafen.
An unserem ersten Wochenende haben wir das Dorffest der anliegenden Ortschaft besucht. Ich muss sagen, dass ich von den Deutschen etwas enttäuscht war. Diese standen sittlich redend um die Biertheke und die Tanzbühne war wie leergefegt. Die Jugend ließ sich erst gar nicht blicken, was uns aber nicht sonderlich störte, denn wir waren bester Laune, was wir auch lauthals kundgetan haben mit unserem Slogan „Good Weekend!“. Nach Ein paar Würstchen und Bier haben wir dann schließlich, trotz deutscher Schlager Musik, als einzige getanzt und es genossen verrückt sein zu dürfen. Wir wurden sogar prompt von einem Mädchen zu ihrer Geburstagsparty eingeladen. Als es später wurde hat uns Florian dann, wie nach jedem Ausflug wieder zum Haus gefahren.
Die ersten 1 ½ Wochen verflogen wie nichts und schon hatten wir unser Halbzeitmeeting für ein erstes Feedback. Da unsere größte Kritik dem Zäune Schneiden vorenthalten war fingen die ersten an von unserer Gruppe als Familie zu sprechen… dieses starke Gruppengefühl und die Zugehörigkeit hat mich total gestärkt und jeden Tag sind wir näher zusammen gewachsen. Das Glücklich Sein ist mir sehr leicht gefallen und ich glaube ich hatte noch nie in meinem Leben so lange so viel Spaß. Dass ich die Jüngste war hat mich kaum gestört, da die anderen mich unvoreingenommen meines Alters so behandelt haben wie ich mich verhalten hab. Am 2. Wochenende war es dann so weit und unser Waldfest stand an. Alles deutete auf einen ausnehmend schönen Tag hin, verglichen mit den Wochen zuvor, es hatte in den 3 Wochen bestimmt soviel geregnet wie bei den Südländern in einem Jahr, doch leider blieben die Kinder aus.
Trotz der vielen vorbereiteten Spiele und Aktivitäten hatten wir aber sehr viel Spaß. Die wenigen Kinder die schließlich doch da waren durften Masken ausmalen und Unmengen von Süßigkeiten essen. Außerdem war auch eine Hüpfburg aufgebaut worden, auf der wir unsere Kindheit selbst noch einmal aufblühen lassen konnten. Um 5 war das Fest vorbei und wir haben uns schon irgendwie gefreut, denn nun waren wir frei für unsere letzte Woche. Wir haben einige Sehenswürdigkeiten besichtigt, haben ein tolles Geschenk für Florian gekauft, wir waren ihm wirklich sehr dankbar, und haben jeden Abend getanzt! Am vorletzten Tag hatten wir unsere Abschiedsparty, weil 2 Asiatinnen uns am nächsten Tag schon verlassen mussten, und wir haben uns gegenseitig Briefe geschrieben. An diesem Abend liefen die ersten Tränen und man kann sich vielleicht vorstellen wie schmerzhaft es dann erst am folgenden Tag wurde. Als ich meine neue Familie das letzte Mal in den Arm nehmen konnte hätte ich verrückt werden können von diesem starken Gefühl des Verlustes. Als ich dann in Aachen aus dem Zug stieg und meine Eltern mich freudig empfingen und mich fragten wie es mir gehe, konnte ich einfach nicht an mich halten und musste schon wieder anfangen zu weinen. Als wäre die Zugfahrt, auf der ich die Abschiedsbriefe der anderen noch mal gelesen habe, nicht schlimm genug gewesen, doch wie sich herausstellte sollten die folgenden Tage und sogar Wochen nicht leichter werden…
Jetzt einige Zeit später bin ich einfach nur stolz und dankbar dafür, dass ich eine solch tolle Zeit erleben durfte. Diese jungen Menschen aus der ganzen Welt bedeuten mir sehr viel, denn sie haben mein Leben ungemein bereichert. Ich konnte viele Erfahrungen machen und ich habe interessante Dinge über die anderen Kulturen gelernt. Aber nicht nur das, auch Deutschland haben sie mich mit ganz neuen Augen sehen lassen, sodass ich weiß, dass das Wetter hier wirklich schlecht ist und die Menschen gerne mal etwas missmutig und unfreundlich durch die Straßen gehen….
Ich möchte auf jeden Fall jedem ein solches Workcamp empfehlen, da man es sich nicht entgehen lassen sollte mit einer weltoffenen, fröhlichen Gruppe zusammen gelebt zu haben! Wir alle haben eine andere Geschichte und individuelle Charakteren, doch irgendwie haben wir uns nahtlos zusammengefügt und konnten uns bereichern und unterstützen.
Ich für mich weiß, dass ich mein Leben mit einem weiteren Camp bereichern werde und wenn die Zeit gekommen ist möchte ich vielleicht sogar selber eines leiten.
Ich danke meiner neuen großartigen Familie und IJGD, dass ich so glücklich sein durfte!



