Workcamp in Deutschland 2009
Freising 2009
von Johann Pimpi
Treu dem Gruppenmotto „We love nature“ machten sich am Montag, den 17.08.2009, 13 Jugendliche aus den Nationen USA, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Russland, Ukraine, England, Australien und der Slowakei auf den Weg zur Kampenwandhütte der Sektion München um dort fünf Tage zu verbringen.
Der Aufenthalt auf dieser höchstgelegenen Selbstversorgerhütte der Sektion war Teil eines 4-wöchigen Workcamps, in welchem sich junge Menschen aus verschiedensten Ländern treffen um Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln und sich dabei für ein sinnvolles Projekt einzusetzen. Dafür erhielten die von den IJGD (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste e.V.) vermittelten Teilnehmer zwar keinen Arbeitslohn, jedoch freie Unterkunft.
Um sich untereinander zu verständigen, wurde englisch gesprochen und für das leibliche Wohl sorgten die Breakfast- und Cookingteams, die jeden Morgen auf Neue gebildet wurden. Doch trotz planmäßiger Organisation ging dennoch das eine oder andere schief. So sieht zwar die bayerische Weißwurst den Nürnberger Bratwürstchen ähnlich. Sie ist aber nicht für die Zubereitung in der Bratpfanne geeignet. Und die Nürnberger Bratwurst schmeckt nach Erhitzung im Wasserbad nicht wirklich gut.
Kaum einer der Wanderer, die sich nach dem Aufstieg ein Päuschen am Gipfelkreuz genehmigten, hätte ahnen können, was nur ein paar Meter unterhalb ihres Rastplatzes vor sich ging: Ein Teil der Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren, begleitet von ihren Leitern, Svantje Schüttenhelm (19 J.) und Maros Demovic (21 J.) machte es sich nämlich zur Aufgabe, eine Grabenüberquerung zu befestigen. Sie dient dem Zugang zur Quellfassung der Kampenwandhütte und hat dringend eine Sanierung nötig. Bei dieser Arbeit wurden die Jugendlichen vor eine Reihe von Problemen gestellt. Für die Beschaffung der benötigten Baumaterialien war Kreativität und Einfallsreichtum gefragt! Also wurden abgestorbene Baumstämme zersägt, alte Bretter wieder verwendet und große Steine aus der Umgebung angeschleppt. Die Steine versanken allerdings während der Arbeit oftmals im schlammigen und morastigen Untergrund. So wurde die Wasserfestigkeit des Schuhwerks auf eine harte Probe gestellt. „Disgusting!“, hörte man den einen oder anderen manchmal rufen. Doch auch wenn manch Einer den sumpfigen Matsch, der sich seinen Weg durch die Ritzen der Schuhe bahnte und auch vor den Socken keinen Halt machte, ein bisschen widerlich fand, so hatten doch alle Spaß daran, diese Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und damit ihre Teamfähigkeit zu beweisen.
Teamfähigkeit bewies auch ein anderer Teil der Gruppe, der auf die Zusammenarbeit mit dem Bewirtschafter der nahe gelegenen Möslarnalm, angewiesen war. Er transportierte den Kies zur Ausbesserung der Wege auf dem Grundstück um die Kampenwandhütte mit seinem museumsreifen Unimog an den Ort, wo er verwendet werden sollte. Das erleichterte die Arbeit ungemein. Bevor der Kies jedoch per Schubkarre verteilt und mittels Schaufel und Harke gleichmäßig glatt geklopft wurde, mussten einige Kuhfladen und das Unkraut sowie andere Gewächse, die mittlerweile die Wege zugewuchert hatten, mühsam beseitigt werden. Bei der Hitze von bis zu 35°C war das kein Zuckerschlecken. Doch das Ausbessern dieser Wege erfüllt einen weitreichenden Nutzen, wie uns unser Hüttenwart erläuterte. Denn bei gleichmäßig, ebener Beschaffenheit der Wege, bilden sich im Falle eines Regenschauers nicht so viele matschige Pfützen. Somit tragen die Besucher der Hütte weniger Schmutz ins Haus. Der Boden bleibt sauberer und die Besucher haben so weniger Arbeit mit dem Putzen beim Verlassen der Hütte.
Es wurden aber nicht nur Brücken gebaut und Wege ausgebessert, sondern es galt auch Heizmaterial in Form von zwei verschiedenen Arten Briketts von der Steinlingalm auf die Hütte zu transportieren. Eine Sorte Briketts bestand aus gepressten Holzspänen, die andere aus gepressten Rindenstückchen. Die Briketts dürfen bei einem Gewitterschauer nicht nass werden. Sie wurden von einem großen LKW daher „just in time“ auf die Steinlingalm geliefert, wo sie auf der Almwiese zwischengelagert wurden. Der alte Reitweg von der Steinlingalm zur Hütte ist etwa einen Kilometer weit. Um 40 Zentner Briketts im Rucksack zur Hütte zu tragen, hätte ein Träger wohl drei Wochen gebraucht. Darüber hinaus mussten die Briketts ja auch sorgfältig in den dafür vorgesehenen Lagerschuppen in besondere Behälter verstaut werden. Um diese schwere Arbeit zu erleichtern, ließen sich die Jugendlichen von der Tochter des Hüttenwarts, Johanna Pimpi in den sachgemäßen Gebrauch einer „Raupe“, eines motorisierten Transportgeräts einweihen und machten sich mit ihrer Begleitung - und zur Attraktion vieler Wanderer - auf den halbstündigen Weg zur Steinlingalm, um dort jeweils sieben Zentner der insgesamt 40 Zentner Brikettlieferung aufzuladen. Die wertvolle Ladung wurde stets sorgfältig mit Spanngurten befestigt und mit lautem Knattern bzw. „musikalischer Untermalung“, wie es ein vorbeigehender Wanderer formulierte, den Weg hinauf zur Kampenwandhütte befördert.
Trotz der anspruchsvollen Aufgaben kam der Spaß nicht zu kurz. So gibt es im Garten der Hütte einen großen Wasserbehälter mit kühlem Nass, der nicht nur zum Schuhe putzen genutzt wurde, sondern auch für auch für die eine oder andere Wasserschlacht. Doch jede Wasserschlacht hatte auch einmal ein Ende. So machte sich ein Großteil der Gruppe auf die ausgedehnte Tour zum Geigelstein über die Rossalpe. Dorthin wurden die Jugendlichen von Erwin Adelhart, einem langjährigen Mitglied der Hochtouristengruppe der Sektion München und erfahrenen Bergsteiger, begleitet und geführt.
Nicht nur den Geigelstein bestieg die Gruppe, sondern auch die Kampenwand und wunderte sich über die Zutraulichkeit der Dohlen, die sich ihnen dort oft bis auf wenige Zentimeter näherten. Einige ergänzten das Programm mit der Besteigung des Staffelstein, um dort die wunderschöne Aussicht auf den Chiemsee und die Scheibenwand zu genießen. Besonders angetan waren alle von der Schönheit des Sonnenuntergangs auf der Kampenhöhe. Spät abends konnte man einige Sternschnuppen beobachten und sich dabei wünschen, dass diese schöne Zeit auf der Kampenwandhütte nicht allzu schnell vergehen möge.





