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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Estland - Tapa

10. bis 29. Juli 2006

von Mario Roser

Am 10. Juli ging's los. Ausgerüstet mit Rucksack, Isomatte, Schlafsack und jeder Menge Reisefieber mache ich mich auf den Weg zu meinem ersten Workcamp in Estland! Nach 2 Stunden Flug landet der Flieger in Tallinn, Estlands Hauptstadt. Von dort weiter zum Treffpunkt des Workcamps in der Lastekodu Str. 46.

Das ist der Busbahhof von Tallinn (Tallina Busijaam oder so ähnlich) und liegt nur 20 Minuten Fußweg vom Flughafen entfernt. Dort angekommen war ich bereits eine Stunde zu spät (toll!!), denn ich hatte die 1 Stunde Zeitverschiebung von Süddeutschland nach Estland nicht bedacht - also unterwegs immer schön daran denken die Uhr nachzustellen! Zum Glück ist das kein Problem, da eine Mitarbeiterin von ESTYes alle Nachzügler einsammelt und mich in den Bus nach Tapa verfrachtet, dem Ort in dem unser Camp stattfinden sollte. Am Bahnhof in Tapa holen mich Ave & Ine freundlicherweise ab (die beiden Leiterinnen des örtlichen Jugendclubs) und bringen mich zu unserer Unterkunft.

Das ist eine neue Holzhütte, zwar etwas außerhalb der Stadt, dafür aber mit schöner Umgebung! :-) Erste Begegnung mit den anderen Teilnehmern (ich war schon etwas aufgeregt...): Paul und Jean-Charles aus Frankreich, Heyjin aus Südkorea und Martin aus Berlin sind bereits da. Da sich keiner kennt sind die ersten Schritte schnell gemacht und schon nach kurzer Zeit breitet sich eine freundschaftliche Atmosphäre in der Holzhütte aus. Am nächsten Tag stoßen Teresa aus Tschechien, Natalie und Christine aus der Ukraine und Moritz aus Kiel zu unserem Camp dazu und wir sind komplett. Die ersten 2 Tage haben wir zum gegenseitigen kennenlernen sogar frei ! Tagsüber wird die Gegend & Stadt erkundet ? abends grillen wir an der selber gebauten Feuerstelle vor der Holzhütte bis spät in die Nacht... (sehr gemütlich)... Alle verstehen sich richtig gut miteinander, von Langeweile keine Spur, rundherum Gelächter und eine Mischung aus Englisch mit allen anderen unserer Sprachen.

Mittwoch ist der erste Arbeitstag. Früh Morgens holt uns der Förster Avo mit dem Bus ab und wir fahren in ein Waldgebiet. Unsere Aufgabe ist es mit einer Sense oft mannshohes Gestrüp um junge Fichten herum zu entfernen, damit jene wieder Sonnenlich bekommen. Das ist ganz schön anstrengend und Myriaden von Mosquitos versüßen uns die Arbeit. Welcome to the Jungle! :-) Zum Glück bin ich ja nicht alleine hier drinnen ? alle anderen sind stets in Ruf- und Blickweite-durch das ständige gegenseitige Geblödel mit meinen neuen Freunden vergehen die 5 Stunden im Dschungel ziemlich schnell.

Mittags ersteinmal ausruhen, der Rest des Tages ist frei ? also schnell zum Supermarkt (15 Minuten laufen) und für die nächste Party am Abend einkaufen (Empfehlung: Saku, das blaue ? tolles Bier!). Donnerstag und Freitag laufen dann so in etwa ähnlich ab ? lasst euch davon nicht irritieren! Es waren richtig coole Tage, jeder speziell auf seine Weise.

Jetzt ziehen wir erst einmal um. Die Hütte liegt doch etwas außerhalb der Stadt und von jetzt an wohnen wir im Jugendclub mitten im Ort. Da haben viel mehr Platz und einen riesigen Garten :-) Das erste Wochenende naht: Vorstellen beim Bürgermeister. Das ist aber völlig nutzlos, da sein Englisch einfach fürchterlich ist. Anschließend der erste größere Ausflug in den Lahemaa Nationalpark an der Nordküste Estlands: Sonne, Strand, warmes Meer ? genial! Mehr mag ich erstmal nicht verraten!

Überraschung am Abend: 20km weiter ist ein weiteres Camp in Jäneda. So kommen fünf Belgier (Tom, Wouter, Shana, Lieselot, Matthias), 2 Holländerinnen (Sabrina, Marloes) und 2 Estinnen (zweimal Siiri) zu unserer abendlichen Grillparty im Garten. Alle Ausflüge machen wir von jetzt an zusammen ? mehr ist immer besser und zusammen mit Ave & Ine sind wir jetzt eine Gruppe von 20 Jungs & Mädels.

Am Sonntag fahren wir unter Moritz Führung (er ist bereits seit einem Jahr in Estland und macht dort seinen EuropeanVolunteerService) nach Tallinn ? kurze Stadtbesichtigung, da wir später hierher zurückkommen, Tallinn hat eine sehr große und schöne Altstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten ! Inzwischen ist es Mittag und über 30 Grad heiß, also ab zum Strand! Der Tag geht mit ausgiebigem Baden, Sonnen und Volleyball spielen zu Ende... fast wie auf Mallorca... Gegen 10 Uhr abends geht's nach Jäneda, das zweite Camp einsammeln und weiter zur Disko der Region. Bis um 4 Uhr geht das ganze :-) ? da geht im Sommer die Sonne schon wieder auf...

Am Montagmorgen wird die Gruppe geteilt, Natalie und ich helfen im Kindergarten bei Renovierungsarbeiten während die Anderen im Wald arbeiten. So geht's in wechselnden Gruppen erstmal weiter bis zum Mittwoch. Unerfreulich: Mittwoch bis Freitag müssen wir eine inoffizielle Müllkippe in der Landschaft aufräumen. Na ja das gehört auch dazu ? wir alle genießen unser Camp sehr und so wird auch das ohne jegliche Klagen unsererseits erledigt.

Der erste Ausflug am Wochenende führt uns nach Rakvere, der nächsten großen Stadt bei Tapa, wo wir den Tag als auch den Abend verbringen. Samstag Morgen eines der großen Highlights ? wir brechen auf nach Finnland ? ein Wochenende in Helsinki! Dazu wie immer erstmal mit dem Zug nach Tallinn und dort die Fähre nach Helsinki ? gegen Mittag kommen wir im Hafen von Finnlands Haupstadt bei schönstem Wetter an. Der Tag geht mit der Stadtbesichtigung zu Ende ? Helsinki ist eine geniale Stadt! Auf zur Übernachtung in den Mannschaftsquartieren des Olympiastadions von 1952. Sonntags nehmen wir ein Boot auf eine Inselgruppe vor Helsinki. Diese hat im 18. Jahrhundert als Seebefestigung in den Kriegen Schweden gegen Russland gedient. Vor allem wegen der super schönen Natur lohnt es sich auf jeden Fall hier heraus zu fahren! Doch das Wochenende geht noch nicht zu Ende ? im Jugendclub von Tapa sind inzwischen Jugendliche aus Russland zu Besuch. Montag & Dienstag gehen wir zusammen mit den Kids im Nationalpark zelten ? cool, das hatten wir nach der Müllkippe auch verdient.

Am Mittwoch und Donnerstag ist Stadtreinigung angesagt: also Papierchen & Co aus den Parks einsammeln. Der Abschied naht ? die Zeit geht wahnsinnig schnell vorbei, alle wünschen sich 3 weitere Wochen! Am Donnerstagabend wird mit dem 2. Camp in Jäneda groß Abschied gefeiert und eifrig Adressen ausgetauscht. Schade ? viele neue Freunde wird man wohl für eine lange Zeit nicht sehen! :-( Man glaubt kaum in wie kurzer Zeit ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entstehen kann.

Am Freitag Abend feiern wir mit Ave & Ine im Aramis, das ist ein Club in Tapa am Bahnhof, gebührend Abschied.

Nach 3 perfekten Wochen packe ich am Samstag meinen Rucksack ? am Flughafen werden Umarmungen, Adressen und Pläne für gegenseitige Besuche ausgetauscht ? und zurück nach Deutschland. In 2 Wochen fahre ich nach Holland zu Marloes aus dem Jäneda Camp :-) Und nächsten Sommer?! ? Ab zum nächsten Camp!

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Viele Grüße
Mario