MTV in Ecuador 2010
Name: Chiara S.
Partnerorganisation: Fundación Proyecto Chiriboga
Einsatzstellen: 5 Monate (Jun.-Okt.) Street Children Project in Quito, 1 Monat (Nov.) The Rescue Center in Tena
"Wer sich in einer fremden Sprache, einer fremden Kultur, in fremden Denkgewohnheiten bewegt, verändert den Blick auf sich selbst." Dies war unter anderem mein Ziel, mich selbst neu kennenzulernen, ein Land mit seiner Kultur und Sprache zu erfahren, dieses aber auch durch eine freiwillige Projektarbeit zu unterstützen.
Lateinamerika an sich hat mich schon immer gereizt, nicht zuletzt durch den Wunsch, spanisch zu lernen. Da ich kein komplettes Jahr weg wollte, habe ich durch ijgd mit dem MTV die ideale Zwischenlösung gefunden, auch weil ich relativ frei in der Projektwahl, und -länge war. Da über ijgd nur die Länder Peru und Ecuador in Südamerika angeboten werden, fiel meine Wahl nach kurzen Recherchen ziemlich schnell auf Ecuador, ein Land das mich durch seine extreme Vielfalt sehr beeindruckt hat und dessen Wahl ich nie bereuen werde.
Ich entschied mich also zunächst für ein 6-monatiges MTV in Ecuador. Da ich mich für mehrere Projekte interessierte und verschiedene Bereiche ausprobieren wollte, kam ich zu dem Entschluss, zunächst 5 Monate in einem Projekt mit Straßenkindern in Quito zu arbeiten und danach einen Monat lang in eine Auffangsstation für Tiere im Oriente zu gehen.
Doch zunächst einmal zu meinem ersten Projekt und meiner Unterbringung:
Als ich an meinem Ankunftstag in der Fundacion in Quito ankam, holte mich direkt meine Gastmutter mit meinem kleinsten Gastbruder ab und ich sollte mein neues Zuhause für die nächsten 5 Monate kennenlernen. In einem süßen, kleinen Haus mit eigenem Zimmer und Bad und ganz in der Nähe der Fundacion, lernte ich dann meine anderen beiden Gastbrüder kennen. Alle waren sehr nett und ich fühlte mich willkommen und den ganzen Aufenthalt über auch gut aufgehoben und wohl.
Am nächsten Tag begleitete mich Virginia, eine der beiden Frauen, die die Fundacion leiten, zu meinem Projekt - jedoch nur um mir den Weg zu zeigen (eine ca 1/2-stündige Busfahrt durch Quito). Im Projekt war niemand wirklich darauf vorbereitet, dass ich komme, von daher musste ich gleich etwas Eigeninitiative zeigen und mich etwas selbst zurecht finden, was sich auch die ganze Projektzeit über eigentlich nicht groß geändert hat. Dadurch, dass das Projekt auf mich ab und zu einen etwas unorganisierten Eindruck machte, war es zwar nicht ganz einfach, seinen Platz zu finden, doch darauf waren wir im Vorbereitungsseminar der ijgd ja schon hingewiesen worden.
Mein Projektort lag relativ im Zentrum Quitos und war eine Art Heim für Straßenkinder, allerdings nur für Jungen, was ich aber auch erst vor Ort erfuhr. Das Heim sollte jedoch keine Dauerlösung für die Kinder sein, sondern die Aufgabe der Sozialarbeiter dort bestand unter anderem darin, die Kinder wieder in ihre Familien, falls vorhanden, zurück zu integrieren. Ich arbeitete von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Abends/nachts konnte ich freiwillig noch ab und zu unter der Woche an den sogenannten "Recorridos nocturnos" teilnehmen, wo man durch die Stadt fährt und nach Kindern Ausschau hält oder ihre Familien besucht, was der interessanteste und erfahrungsreichste, aber auch härteste Teil der Arbeit war.
Wenn ich morgens um 9 Uhr zur Arbeit kam, hatten wir zunächst mit den Kindern eine "Asamblea", eine Art Versammlung, wo wir über aktuelle Dinge und Probleme geredet haben, was wichtig und gut war, da die Kinder sehr oft wechselten und oft über Nacht neue kamen und jedes Kind auch eine neue Aufgabe darstellte. Danach machten wir 2h eine Art "Unterricht", in dem wir verschiedene schulische Übungen mit den Kindern machten, was sich oft als schwierig herausstellte, v.a. auch durch das sehr unterschiedliche Niveau an Wissen der Kinder. Gegen 12 Uhr liefen wir, ich mit wechselnden anderen Freiwilligen aus der ganzen Welt, und den Kindern zu einer nahe gelegenen Schule um dort Mittag zu essen. Danach zurück in der "Caleta", so hieß das Projekthaus, kamen dann auch andere Kinder, auch Mädchen, um zusammen mit uns ihre Hausaufgaben zu machen. Dies ging bis ca 15 Uhr und danach hatten sie noch etwas Freizeit, bis um 16 Uhr der Tag zu Ende ging.
Das war, jedoch auch mit vielen Ausnahmen wie zum Beispiel das großartige 5-tägige Dschungelcamp im August mit rund 70 Kindern als Ferienprogramm, mein grober Tagesablauf im Projekt.
Generell hat mir das Projekt gut gefallen und ich konnte sehr viele Erfahrungen sammeln. Auch wenn es am Anfang schwer war, das Spanisch der Kinder zu verstehen, zu lernen mit ihren Problemen, die für sie alltäglich sind und die in Deutschland vielleicht kaum ein Kind haben würde, umzugehen. Ich musste lernen, anders auf die Kinder einzugehen als wie ich das bisher aus Deutschland kannte. Auch fängt man an, die Bildung, die die Kinder in Deutschland bekommen, schätzen zu lernen, wenn man sieht, dass manche Kinder dort über Heft und Bleistift froh sind. Auch gefiel mir an der Arbeit, dass man durch andere ecuadorianische Freiwillige Kontakt mit Einheimischen bekam und dadurch die ein oder andere Freundschaft entstand.
Nach den fünf Monaten in Quito und einer wunderschönen Woche Urlaub auf den Galápagos-Inseln ging es für mich weiter nach Tena in den Oriente in mein nächstes Projekt, was sich natürlich als totaler Gegensatz zu meiner vorherigen Arbeit herausstellte und genau das gefiel mir.
"The Rescue Center" sollte eine Art Auffangsstation für misshandelte Tiere sein, stellte sich jedoch gegen meine Erwartungen und Vorstellungen mehr als eine Art Zoo heraus, was eher für Touristen ausgelegt war. Ich arbeitete von 6 bis17 Uhr, Montag bis Freitag. Morgens um 6 Uhr mussten Jenny und ich, eine andere deutsche Freiwillige, die mit mir arbeitete und mit der ich zusammen in einem Freiwilligenhaus wohnte, aufstehen, und es ging los zum ca. 1-stündigen Fütterungsrundgang. Das hat ziemlich Spaß gemacht, war aber auch etwas hart wegen der frühen Uhrzeit. Um 8 Uhr gab es Frühstück, danach wurden von der Chefin Rosio die Aufgaben für den Tag eingeteilt und danach ging es an die Arbeit bis ca. 17 Uhr. Neben Jenny und mir arbeiteten nur noch Ecuadorianer mit uns, insgesamt waren wir circa 10 Freiwillige, 4 Mädchen und der Rest Jungs, alle ungefähr in unserem Alter. Da die Arbeit ab und zu sehr hart und schwer sein konnte, wurde dies von der Chefin meist den Jungs zugeteilt und wir Mädchen erledigten "leichtere" Arbeiten. Generell war es aber jeden Tag sehr anstrengend und man konnte auch körperlich mal an seine Grenzen kommen. Doch da die Arbeit täglich variierte und der enge Kontakt zu den Tieren sehr erlebnisreich sein konnte, wurde dies entschädigt und die Arbeit machte mir generell Spaß. Ich lernte Vieles und sammelte einige neue Erfahrungen, wie z. B. das Auseinandernehmen von Pferdefleisch (als Vegetarierin^^), das Einfangen von verschiedenen Tieren, die aus ihren Käfigen ausbrachen, oder auch einfach nur mit Werkzeug umgehen zu können und am Ende des Projektes mit einer Machete 5 Bananen in vielleicht 10 Sekunden zu schälen und schneiden zu können:D. Ich war froh, mich noch für dieses Projekt am Ende meines Aufenthaltes entschieden zu haben, da ich wirklich nochmals neue Einblicke bekam und Einiges dazu lernte.
Rückblickend und im Allgemeinen zu meinem Aufenthalt in Ecuador kann ich sagen, dass ich am Anfang dachte "Oh Gott, wo bin ich hier nur gelandet" und nur noch nach Hause wollte. Der anfängliche Kulturschock war hart. Doch hat man ihn nach 2-3 Wochen überwunden, geht es wirklich bergauf. Ich habe deutlich gemerkt, wie es mir besser ging, ich mich nach und nach in Ecuador verliebte und jetzt zurückschauend sagen kann, diese Zeit wirklich sehr glücklich gewesen zu sein. Es ist spannend, ein Land Stück für Stück für sich zu entdecken, die Leute, die wirklich sehr herzlich und offen sind und ihre Kultur zu erfahren und die wunderschöne, zutiefst beeindruckende Vielfältigkeit der Natur und Landschaft zu spüren.
Ich wollte gar nicht mehr zurück nach Deutschland und der Abschied ist mir sehr sehr schwer gefallen. Es ist krass, was man sich innerhalb eines halben Jahres an Leben aufbauen kann und dann doch einfach wieder gehen zu müssen.
Man kommt nicht unbedingt als andere Person zurück, doch das Denken über viele Bereiche hat sich zum Teil verändert. Man sieht auch das eigene Land in einem anderen Licht, ob positiver oder negativer, jedenfalls mit einem schärferen Blick.
Ich jedenfalls bereue keinen Moment hier gewesen zu sein, mich für das entschieden zu haben was ich gemacht habe und alles, Positives wie auch Negatives, erlebt haben zu dürfen.
Jeder, der sich für das Land Ecuador entscheidet, trifft meiner Meinung nach mit Sicherheit die richtige Wahl.





