Ein Achtel Rot und etwas LFD
Von Martin Bettermann
Die Welt ist Rhythmus und jeder Körper schwingt. Es lässt sich auch eine halb gefüllte Propangasflasche prima als Trommel. Doch wenn diese Trommel nicht gestimmt ist, dann sollte man nicht versuchen, das in geschlossenen Räumen zu tun. Das geht nämlich nur über das Auslassventil. Und dann kann es passieren, dass danach an der Umgebung manches nicht mehr stimmt.
Das Thema der verballhornten Redewendungen hatten wir ja schon einmal, aber es ist ein sich ständig erneuerndes. Im einfachen Falle handelt es sich um die neue, meist unbedachte Kombination vorhandener Formeln. Wenn wir hier immer wieder Beispiele vorstellen, dann ist es uns wichtig, tatsächlich aus dem Leben, aus dem Sprachgebrauch unserer Mitmenschen zu schöpfen und uns nicht am Schreibtisch mögliche Entgleisungen auszudenken. Denn die Versprecher, die uns "einfach so" passieren, gestatten es uns in Freudscher Manier einmal über deren Sinn zu simulieren. Eine von mir sehr geschätzte Kollegin sprach schon mehrmals davon, dass ihr bei manchen Verhandlungen zuwenig "Spielmasse" zur Verfügung stünde. Na klar, Einstein hat den Zusammenhang von Masse und Energie nachgewiesen. Warum sollte es keinen solchen zwischen Raum und Masse geben. Zumindest wissen wir, dass Raum ohne Masse keinen Sinn macht, also tut es auch Spielraum ohne Spielmasse nicht. Oder sie hat Verhandlung mit Spiel verwechselt. Das ist auch nicht ohne Sinn.
Die gleiche Kollegin warnte mich nach einer meiner Entgleisungen: "Pass auf, dass dir das die anderen nicht unters Brot schmieren!" Aber sicher! Die anderen, die werden das mir zu Liebe nicht unter den Teppich kehren und sie sind auch viel zu hinterlistig, um mir das oben auf das Brot zu schmieren. Das wäre ja viel zu offensichtlich.
Ein habilitierter Pädagoge erwähnte neulich in einem Vortrag über den Technik-Unterricht an unseren Schulen die Grundklagen der Informatik. Soll das ein Zufall gewesen sein? Es gibt von der Informatik nicht nur Erfreuliches zu berichten. Und erfreuliche Informationen gibt es ohnehin nicht viel.
Uwe Beck meinte, dass Schumacher sich auf dem Nürburgring seine ersten Spuren verdient hätte. Er hat Recht, was braucht der Michael auch Sporen in seinem Boliden! Ist doch kein Pilz, der Schumacher.
Am Ende eines größeren, aber wenig erfreulichen Familientreffens hieß es dann noch vor dem Abschied: "Wir kommen natürlich noch mit raus, wir wollen Euch doch noch Spagat stehen!" Kann man sich mehr verrenken?
Na gut, ich will mal nicht das Pferd vom Schwanz aufschäumen.
Norbert Blüm hat sich in einem Rundfunk-Interview über die Äußerungen Ratzingers betreffs der Reformierten in einer Redewendung verhakt und nicht wieder herausgefunden: "Wenn Einem das Wasser bis zum Hals steht, dann … kann man nicht fragen, ob … der Ofen aus ist." Doch, Norbert! Wenn das Wasser bis zum Hals steht, kann man noch alle möglichen Fragen stellen. Und im kalten Wasser ist die Frage nach dem wärmenden Ofen sogar eine sehr verständliche. Es ist aber wahrscheinlich nicht das, was du sagen wolltest. Genau wie damals. Brennt dir das heute immer noch genau so auf der Leber?
Besser noch war Torsten Schramm, der über ein gelungenes Projekt berichtete: "Dieser Frosch ist an der Angel und wird täglich fetter." Warum, lieber Torsten, fängst du Frösche mit der Angel? Hast du sowenig am Hut mit den kleinen Grünen? Und was macht den verflixten Lurch an der Angel täglich fetter? Ach so, vielleicht hängt er gar nicht am Haken. Aber warum hängt er da dann so lange?
Gut. An diesem Punkt beißt sich die Katze in den Sack. Ich sollte aufhören.
Wenn das mit der Online-Überwachung dann mal kommt, müssen wir mit unserer ijgd-Seite aufpassen, dass wir nicht unter Terrorverdacht geraten. Bei uns ist doch so häufig vom LFD die Rede. Im angloamerikanischen Raum ist das nämlich die gängige Abkürzung für die "geringste Dosis mit ernsten Folgen": Least Fatal Dose.
Siehe auch unter www.abkuerzungen.de.
Dort gibt es auch eine lange Liste von Emoticons. So heißt zum Beispiel R-) "meine Sonnenbrille ist kaputt".