Workcamp: Environnement Santé Village
Julia Boedecker
Name der Partnerorganisation: POYA international
Name und Ort des Projektes: Environnement Santé Village
Inhaltliche Ausrichtung: Umweltschutz
Zeitpunkt: 19.08.08-11.09.08
Dauer: 3,5 Wochen
Erfahrungsbericht Elfenbeinküste
„Die Frauen tragen hier ja wirklich Sachen auf dem Kopf!“ Einer meiner ersten Gedanken, die mir auf der Taxifahrt vom Flughafen zu meiner Unterkunft in Abidjan durch den Kopf schossen. Es war meine erste Reise zum afrikanischen Kontinent, wofür schon seit einiger Zeit eine Faszination besteht. Für die Elfenbeinküste habe ich mich aufgrund der französischen Sprache und der Lage des Projektes, nämlich sowohl Großstadt als auch Meernähe, entschieden. „Scheiße, nicht so schnell!!“ Ein weiterer Gedanke, der sich in den ivoirischen Taxis noch oft wiederholen sollte.
Es hat einige Tage gedauert bis ich mal wieder einen weißen Menschen zu Gesicht bekam, den ich dann fast schon mit der gleichen Neugier anschaute, wie ich es vorher erfahren hatte. Da das Land aufgrund des Krieges seit ca. 7 Jahren kaum mehr Touristen gewöhnt ist, war die Reaktionen der Leute auf mich natürlich umso spannender. Außerdem bekam ich so einen viel echteren Eindruck von dieser eingespielten, ganz anderen Welt, in der ich mir zunächst wie ein Fremdkörper vorkam. Hinzu kam noch, dass von den anderen europäischen Projektteilnehmern, von denen mir erzählt wurde, keine Spur war, womit ich auch die einzige Nichteinheimische in dem Projekt war. Letztendlich stellt sich dies aber als positiv heraus, da ich mich so vielmehr auf die einheimischen Leute einlassen konnte.
Gewohnt habe ich zusammen mit dem Organisationsleiter in einem Haus, in das immer mal wieder Freiwillige aus Europa kommen. Zum Essen ging ich abends in eine Art Gastfamilie. Wie eine übliche Familie dort, war auch diese riesengroß, so dass ich bis zum Schluss nicht wirklich einen Überblick darüber hatte wer dort gewohnt hat oder wer nur zu Besuch war. In jedem Fall hab ich mich dort wohl gefühlt, weil sich alle sehr um mich bemüht haben und ich eine andere Art des Zusammenseins kennengelernt habe, das so ungezwungen war und sich sehr natürlich angefühlt hat.
So, nun mal zu meiner Arbeit! Zunächst einmal handelt es sich um ein Umweltschutzprojekt, das in mehrere Phasen unterteilt ist. Die erste Phase ist die Sensibilisierung der Bewohner eines kleinen Dorfes an der Lagune für einen umweltfreundlicheren Umgang mit ihrem Hausmüll. Das eigentlich so idyllische, paradiesisch aussehende Dorf ist nämlich leider ganz schön zugemüllt, da es dort noch kein System für die Müllentsorgung gibt, geschweige denn Mülleimer. Dadurch verbreiten sich viele Krankheiten, wie Gelbfieber, Cholera und die Schlafkrankheit, von denen ein großer Teil der Dorfbewohner betroffen ist. Die Aufgabe von mir und meinen mal 4 mal 5 Kollegen bestand darin, von Familie zu Familie zu ziehen und die Leute über dieses Problem aufzuklären, ihnen Vorschläge zu machen und sie auch selbst nach Vorschlägen zur Verbesserung der Situation zu fragen. Diese Aufgabe fand ich sehr interessant, da ich mit vielen Leuten ins Gespräch kam und auch mitbekam wie die Familien dort so leben. Glücklicherweise war die Resonanz überwiegend positiv, ich hatte das Gefühl, dass die Leute das Problem verstanden und auch froh waren, dass sich mal jemand darum kümmert. Bei der nächsten Phase des Projektes, die in Reinigungsmaßnahmen und der Beschaffung von Mülleimern besteht, bin ich leider nicht mehr dabei gewesen.
Mittags wenn die Sonne echt brutal vom Himmel knallte hörten wir auf und ruhten uns im Schatten aus. Danach zeigten mir die Jungs die Gegend an der Lagune und auch Teile von der Stadt, was ich sehr cool fand. Die Wochenenden waren für Ausflüge reserviert. Hier stellte sich das Problem, dass mich immer eine vertrauenswürdige Person begleiten musste, sich als Europäer allein frei zu bewegen wird als nicht ganz unproblematisch eingeschätzt. Das meiste unternahm ich mit einem Verwandten meines Betreuers. Ich war ein paar Mal am Strand, im Regenwald, in einer anderen Stadt und auf einer Insel. Wirklich viel gesehen habe ich von der Elfenbeinküste leider nicht, was schon schade ist. Vor allem weil das was ich von der Natur gesehen habe wirklich wunderschön ist.
Was meinen Aufenthalt vor allem gegen Ende hin etwas getrübt hat war das kühle Verhalten meines Betreuers mir gegenüber, sowie seine mangelnde Organisiertheit. Umso froher war ich über das gute Verhältnis zu den Jungs bei der Arbeit. Die haben sich echt Mühe gegeben, viel mit mir unternommen und wie große Brüder auf mich aufgepasst. Aufgeheitert haben mich auf immer die Kinder in meiner Straße, die teilweise schon von Weitem auf mich zugestürmt kamen, um mich zu umarmen.
Wenn ich gefragt werde wie es in Afrika war, fallen spontan die Begriffe ‚anders’ oder, interessant’. Natürlich ist dies insofern positiv als das das Eintauchen in eine andere Welt den Horizont erweitert und so weiter. Andererseits bedeutet es auch ständige Anpassung, Missverständnisse und Einschränkungen, was anstrengend sein kann. Was mir an der Elfenbeinküste besonders gefallen hat ist Gelassenheit, Offenheit und Herzlichkeit der Leute. Da die Blicke anfangs oft skeptisch sind, war ich manchmal echt überrascht, wie viel Freundlichkeit sich dahinter verbergen kann, wenn man einfach selbst die Initiative ergreift und mit den Leuten ins Gespräch kommt. Ich hatte nie Zeitdruck, Stress scheint den Leuten dort so viel ferner zu liegen als hier. In jedem Fall haben die Leute einen anderen Umgang mit der Uhrzeit, wodurch ich manchmal echt an meine Geduldsgrenzen gestoßen bin. Was auch weniger schön war, war das ich mich aus Sicherheitsgründen nicht wirklich frei alleine bewegen konnte.
Mein Fazit: Wenn ihr interessiert und offen seid, macht es einfach! Ich hatte am Anfang echt kaum eine Ahnung was mich erwartet und bin jetzt froh, dass ich es gemacht habe!


