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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV Elfenbeinküste

Isabel G.

POYA International

Soziales Projekt in einem Kindergarten in Yopougon, Abidjan

Oktober 2009 bis Januar 2010 (drei Monate)

 Riesige Straßen, stickige Luft, eine wunderschöne Lagune und chaotische Autofahrer- das waren meine ersten Eindrücke im nächtlichen Abidjan nach acht Stunden Flugzeit. Aha, das ist also Afrika! Glauben, dass ich tatsächlich dort war, konnte ich aber noch nicht.

Ein Mitarbeiter von POYA International hatte mich am Flughafen abgeholt, alles klappte reibungslos und wir fuhren über eine Stunde durch die riesige Stadt nach Yopougon, wo ich die nächsten drei Monate leben und arbeiten sollte. Wir schauten zuerst in dem Appartement von dem Leiter der Organisation vorbei, wo ich auch schon zwei weitere deutsche „weltwärts“-Freiwillige kennenlernte, gingen dann aber gleich alle zusammen weiter in meine Gastfamilie, die mich schon sehnsüchtig erwartete. Dort wurden wir alle total herzlich mit einem recht europäisch anmutenden Abendessen empfangen und alle möglichen Leute schauten vorbei, um die neue „Weiße“ zu begrüßen. Das einstöckige Haus liegt in einer relativ ruhigen Gegend von Yopougon, hat mehrere Zimmer, eine Toilette mit Klospülung (!) und eine Dusche, die besser funktionierte, als so manche in Italien ^^. Eigentlich hatte ich mich auf weitaus „afrikanischere“ Umstände vorbereitet und war freudig überrascht über diese kleinen Annehmlichkeiten, wie auch über das trinkbare Leitungswasser und den Luxus des Internets in meinem Zimmer (eigentlich eine Seltenheit im ganzen Viertel, bis auf die zahlreichen und seeehr günstigen „Cyber Cafés“).

Zu meiner Familie gehörten Gastmutter und –Vater, zwei Gastbrüder, 18 und 26 und die Nichte meiner Gastmutter, sechs Jahre alt. Grundsätzlich zählt in Afrika zur Familie die zig Cousins, Tanten und Onkel- eine nie enden wollende Verwandtschaft, sodass man tatsächlich jeden Tag neue Bekanntschaften schließen kann.

In den ersten Wochen beschäftigten wir drei Deutschen und bis dato einzigen Freiwilligen mit Erledigungen in Ministerien und der Botschaft, Krank- und Gesundwerden (Nahrungsumstellung, Klima, etc) und grundsätzlich mit Eingewöhnen. Dass wir alle einen Katzensprung voneinander entfernt wohnten, war natürlich super und auch in den nächsten Monaten dazukommende französische Freiwillige wohnten in unmittelbarer Nähe. Wir unternahmen viel zusammen mit den Jungs der Organisation, aber auch mit anderen Einheimischen mit denen von Anfang an der Kontakt richtig herzlich, offen und freundschaftlich war.

Anfangs war es für uns noch etwas schwierig das ivorische französische Kauderwelsch zu verstehen und sich mit den Leuten zu verständigen und auch Fragen von ihrer Seite wie „sprecht ihr überhaupt französisch??“ (was natürlich eigentlich der Fall bei uns allen war) waren keine Seltenheit- *peinlich*. Doch keine Angst, selbst die härtesten Fälle in afrikanischem Französisch konnte man nach einigen Wochen einigermaßen verstehen.

Nun aber zu dem eigentlichen Grund meines Aufenthalts, dem MTV- Projekt: Leider kam mein Waisenhausprojekt, auf das ich mich beworben hatte, nicht zustande und so habe ich zunächst mit den anderen Volontären in deren Projekt, der AIDS-Prävention gearbeitet. Das sah praktisch so aus, dass wir uns zunächst in sämtlichen Schulen des Stadtviertels vorstellen mussten, um ihnen mitzuteilen wer wir sind und was wir vorhaben- nämlich in so viele Klassen wie möglich zu gehen, um mit den Schülern über die Krankheit, ihre Gefahren und Risiken und vor allem über Schutzmöglichkeiten zu sprechen. Die Resonanz war durchweg positiv und so machten wir uns daran eine möglichst umfassende Präsentation vorzubereiten. Doch bevor wir richtig loslegen konnten, hatte mir ein Bekannter eine Stelle in einem Kindergarten, einer sog. Maternelle, besorgt und ich konnte sofort anfangen dort zu arbeiten. Von 7.30 bis 17h, mit zwei Stunden Mittagspause half ich nun meiner einen Kollegin 20 Kinder zu bändigen und sie unter eher fragwürdigen pädagogischen Methoden zu „unterrichten“, wie es dort üblich ist. Dass ich dann eher dafür da war die Weihnachtsdekoration und –Geschenke herzustellen, war eigentlich gar nicht so übel, denn in meinem Volontariat dreijährigen Kindern mit Stock und Schimpfe vergeblich Disziplin beizubringen, war dann wirklich nicht mein Ansinnen! Denn wenn wir das auch auf dem Vorbereitungsseminar angesprochen haben, dass Kinder dort in der Schule geschlagen werden, ist in der Realität einfach noch einmal schlimmer zu ertragen. So dickköpfig und frech die Kleinen doch manchmal waren, ich habe sie doch sehr geliebt und wie auch sie mit mir, die Zeit mit ihnen sehr genossen!

Nach einer wunderschönen abschließenden Weihnachtsfeier in der Schule, so ganz untypisch <//span>unter der heißen Sonne Afrikas, begannen die Weihnachtsferien, meine letzten zwei Wochen in der Côte d’Ivoire und ich wollte unbedingt noch ein wenig vom Land und wenn möglich vom Nachbarland Ghana sehen, wozu ich bis dahin noch gar keine Zeit hatte. Und tatsächlich bot sich mir die Gelegenheit mit zwei französischen Volontärinnen nach Daloa, der vielleicht drittgrößten Stadt der Côte d’Ivoire und nach Yamoussoukro, der Hauptstadt des Landes zu fahren, wo wir unter anderem die „Basilique de Notre Dame de la Paix“, das „größte Kirchengebäude der Christenheit“, bewundern konnten! Nach den Weihnachtstagen konnte ich auch noch einige Tage mit einer Freundin in Cape Coast, Ghana verbringen und so war ich überglücklich, dass ich wenigstens zum Schluss hin meiner Reiselust noch etwas nachkommen konnte :D

Alles in allem bin ich erfüllt von wunderschönen neuen Erfahrungen, Begegnungen, die so herzlich waren, wie man sie hier nur selten in dieser Fülle findet und Eindrücken, die nachwirkend sind. Seien es Eindrücke wie Schmutz und Elend, strahlende Straßenverkäufer, tanzende Kinder, Prunk und Protz an falscher Stelle oder einfach nur eine liebe Familie und jede Menge neuer Freunde, alle sind wertvoll und ich bin froh all das gesehen und erlebt haben zu dürfen. Denn es ändert ein wenig die eigene Sichtweise- ab wann ist man wirklich glücklich oder traurig, wann hat man wirklich ein Problem oder wann verlässt einen nur die Motivation, ist Reichtum und Karriere ein wirklicher Sinn des Lebens, etc. Ganz besonders aber lernt man Dinge nicht mehr zu ernst zu nehmen, sich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen, bzw. sich selbst und seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse besser kennen zu lernen, jedenfalls erging es mir so. Man kann es tatsächlich eine eigene Horizonterweiterung nennen!Auch gibt es einem eine neue Leichtigkeit, die einem gerade in dem manchmal doch sehr stressigen europäischem Alltag helfen kann, sich nicht überrollen zu lassen, ja einfach bei sich selbst zu bleiben. Ich denke, die Menschen und das Leben dort haben mich viel gelehrt und ich bin sicher, dass auch ich, mit meiner Art und dem was ich erzählen und zeigen konnte, meiner dortigen Familie und Freunden neue Denk- und Sichtweisen geben konnte und hoffentlich und vielleicht eine kleine Bereicherung war, so wie auch sie dort alle es für mich waren!

Somit meine Empfehlung an alle die es sich überlegen ein bisschen fremde Luft zu schnuppern, wagt es mit einem MTV-Projekt oder gar einem „Weltwärts“-Jahr, Ihr werdet es bestimmt nicht bereuen!