MTV Elfenbeinküste 2009
Name: Tanja S
Partnerorganisation: POYA International
Projekt: Soziale Projekte in einer Grundschule
Ort: Abidjan, Côte d’ Ivoire
Zeitraum: Juli bis Oktober 2009 (14 Wochen)
In den letzten Monaten vor meinem Abitur- Dauerstress und stundenlanges Bücherwälzen, nichts von der Welt gesehen außer der Staatsbibliothek und meinem
Schreibtisch- wollte ich einfach nur noch weg, mehr von der Welt sehen, reisen, Abenteuer erleben und am besten gleich noch meine Sprachkenntnisse verbessern. Nach zwei leidigen Jahren im Französisch LK war es naheliegend in ein französischsprachiges Land zu gehen. Im Internet fand ich ijgd, die für meine Wünsche passende Projekte in Togo und in der Côte d’ Ivoire anboten und ich entschloss mich schließlich für die Côte d’ Ivoire, wo ich in einem Waisenhaus arbeiten wollte. Auf meinem Vorbereitungsseminar wurden wir wirklich auf fast alle erdenklichen Situationen vorbereitet, bekamen sehr nützliche Informationen über Krankheiten und lernten vor allem gleich andere Freiwillige kennen. Leider waren noch keine Rückkehrer aus der Côte d’ Ivoire dabei, da aufgrund der politischen Lage erst seit kurzem wieder Freiwillige in das Land reisen konnten und von denen noch keiner zurück war. So war ich also mehr als gespannt, was mich die nächsten drei Monate erwarten sollte. Der Abschied von Deutschland fiel mir wider Erwarten nicht sehr schwer, ich freute mich einfach auf meine große Reise.
In Abidjan angekommen war ich mehr als überwältigt von dieser riesigen Stadt. Momentan wird die Einwohnerzahl auf 5 bis 6 Mio. geschätzt! Und ich dachte immer ich käme aus einer „großen“ Stadt- tja München ist wohl doch nur ein DorfJ
Überraschenderweise war ich auch nicht die einzige Voluntärin, sondern wir wurden schließlich zwei Deutsche und drei Belgier. Sehr praktisch, wenn man Leute dabei hat, die dieses anfänglich wirklich kaum verständliche afrikanisch- französisch in schönstes europäisch-französisch übersetzen.
Die ersten Tage wohnten wir im Apartment unserer Organisation und zogen dann, als alle angekommen waren, zu unserer Gastfamilie um. Wir hatten wirklich großes Glück mit der Familie, die aus dem Vater, seinen zwei FrauenJ, der Großmutter und mehreren Kindern, die etwa in unserem Alter waren, bestand. Die Mutter bekochte uns sehr gut und nahm sich schließlich zum Ziel mich soweit zu mästen, bis ich ihre schönen afrikanischen Rundungen erreicht hätte- was sie zum Glück nicht geschafft hat. Afrikanisch essen war anfangs schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Wenn man außer Haus isst bekommt man meistens einen oder mehrere große Teller zusammen. Gleich mitgeliefert wird ein Eimer Wasser in dem man sich die Hände mit Waschpulver wäscht und dann isst man mit den Händen. Vorsicht vor Piment!
In Afrika wird nicht an Schärfe gespart, also lieber erst mal bescheiden zugreifen.
Dadurch dass wir in einer Gastfamilie untergebracht waren lernten wir wirklich das afrikanische Leben kennen. Die Mutter nahm uns manchmal zum Markt mit, wo sie versuchte mir beizubringen ihren Einkaufskorb auf dem Kopf zu tragen, was zu allgemeiner Belustigung im ganzen Dorf führte, wir kochten zusammen, meine Gastschwester flocht uns Zöpfe und nähte mir, da sie Schneiderin war, afrikanische Kleidung ...
Leider konnte ich nicht in dem Waisenhaus arbeiten, wie geplant, sondern nahm stattdessen an dem Projekt der anderen Voluntäre teil, das in der Grundschule unseres Viertels stattfand. Vormittags arbeiteten wir zusammen mit den Kindern auf dem Schulhof, wo wir später Bäume pflanzten und nachmittags machten wir zusammen Spiele. An einigen Tagen gingen wir zusammen mit ivorischen Freiwilligen durch unser Dorf und sprachen mit den Bewohnern über Hygiene und Krankheiten. Die Côte d’ Ivoire hat leider ein riesiges Müllproblem, es gibt beispielsweise keine Müllabfuhr, die Abfälle werden meist einfach auf die Straße geschmissen und später irgendwann verbrannt.
Durch öftere Projektpausen hatte ich auch noch Zeit zu reisen. Die Côte d’ Ivoire ist was das angeht wirklich nicht schlecht gelegen. So besichtigten wir Yamoussoukro, die Hauptstadt, fuhren einige Male ans Meer und kamen sogar noch nach Ghana und Mali. Die afrikanische Art zu reisen, meistens total eingequetsch zwischen zwei afrikanischen Bigmamas in einem dieser berüchtigten Minibusse- wenn ich versuche ihren Namen auszusprechen, fangen immer noch alle Afrikaner an zu lachen- ist mehr als unbequem. Für empfindliche Mägen empfiehlt sich nicht allzu viel vor der Fahrt zu essen.
Nachdem die ersten Workcampler abgefahren waren kamen auch schon die nächsten, aus Deutschland und Frankreich. Auch an deren Projekt, Unterrichten in der Grundschule, nahm ich teil. Ich gab anfangs nur Englischkurse, bekam später aber meine eigene Klasse. Afrikanische Schule ist wirklich nicht mit der deutschen zu vergleichen, es kam häufiger vor, dass die Kinder meiner 5. Klasse noch nicht einmal lesen und schreiben konnten. Bücher hatte auch nur etwa jeder sechste und die Klassengrößen waren teilweise bei über 50 Schülern. Ja, es klingt nicht nur anstrengend es ist auch anstrengend! Englischkurse auf Französisch zu geben kann schon sehr verwirrend sein. An manchen Nachmittags spielten wir mit den Kindern, was allen viel Spaß machte.
Meine letzten 1,5 Monate waren wirklich noch mal eine ganz andere Erfahrung. Ich war die einzige Voluntärin, es war also nichts mehr mit deutsch reden, und bekam dadurch noch einen viel tieferen Einblick in das afrikanische Leben.
Ich erlebte meinen ersten Ramadan mit, da die Familie muslimisch war, versuchte mich im Beten und ging am letzten Tag des Ramadans fein muslimisch gekleidet mit ihnen in die Moschee. Sie brachten mir sogar noch ein bisschen die Sprache ihrer Ethnie bei.
Ich fing an mich mit den Jugendlichen von dort anzufreunden und auch mein Gastbruder nahm mich überall hin mit und stellte mich seinen Freunden vor. In Afrika ist es sehr einfach Anschluss zu kriegen, alle sind total freundlich und interessiert und jeder will mit einem reden. Abends traf man sich immer mit seinen Freunden, die praktischerweise alle gleich um die Ecke wohnten, ging zusammen etwas trinken- Spezialität: Milch trinken gehen! oder traf sich einfach nur so zum kwatschen oder spazieren gehen.
Leider lies die Betreuung meiner Organisation ziemlich nach und so kümmerte ich mich schließlich selbst um ein Projekt. Ich half einem Lehrer in der Schule beim Unterrichten, was aber teilweise wirklich hart war. Er lies mich öfter mal allein mit 70 Schülern, mit denen ich allein einfach nicht fertig wurde. Was in Afrika leider auch häufig vorkommt ist, dass die Kinder in der Schule geschlagen werden. Darauf wurde ich zwar auf meinem Seminar vorbereitet, doch daran gewöhnen werde ich mich nie.
Der Abschied von der Côte d’ Ivoire, meinen neu gewonnenen Freunden und der Familie, die wirklich wie meine echte Familie geworden ist, fiel mir sehr schwer. Dieses Land, in dem alle so glücklich und gastfreundlich sind, verändert einen auch selbst positiv. Ich habe in dieser Zeit so viel erlebt, gesehen, gelernt und unglaubliche Leute kennen gelernt. Auch für meine Sprachkenntnisse hat mir der Aufenthalt sehr geholfen, ich spreche zwar jetzt teilweise afrikanischen Slang, aber auf jeden Fall auch besser französisch. Deshalb möchte ich nach meinem Studium unbedingt etwas mit französisch im Bereich Journalismus machen.
Ich kann nur jedem empfehlen diese Erfahrungen selbst zu machen, ihr werdet es nicht bereuen!





