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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV Elfenbeinküste 2009

Name: Magdalena E

Partnerorganisation: Poya International

Projekt: Pouponnière (Kinderkrippe) in Elfenbeinküste, Abidjan

Zeitraum: Dezember 2008 bis Mai 2009(6 Monate)

Während meines letzten Schuljahres stand für mich fest, dass ich nach dem Abitur ins Ausland will, „anders“ lernen, andere Kultur, andere Mentalität, andere Menschen kennenlernen, Lebenserfahrung sammeln und vor allem: Französisch sprechen. Nicht nach Frankreich, wo ich schon mehrmals gewesen bin, sondern außerhalb Europas. Nach Durchforsten des Internets kam ich schließlich auf IJGD, die Projekte in der Elfenbeinküste anbieten. Da aber das Vorbereitungsseminar im Juni schon voll war, musste ich auf das im November und kümmerte  ich mich nun selbst um alles, wie Flug, Impfungen, welche Auslandskrankenversicherung, Visum, und hatte noch Zeit, um mir das nötige Kleingeld für das MTV zu verdienen, und am 1. Dezember geht’s auch schon los.

In Abidjan angekommen holte mich Monsieur Parfait Sea, der Leiter der Organisation am Flughafen ab, den ich Gott sei Dank unter den ganzen anderen Schwarzen an seinem Schild mit „Poya International“ erkannte. Ich wohnte in dem Appartement für Freiwillige, in dem auch Monsieur Sea lebte, in Abidjan, im Quartier Yopougon, in dem aber keine anderen Freiwilligen wie angekündigt derzeit wohnten. Damit ich noch einen Einblick in eine afrikanische Familie bekomme, da ich ja nicht direkt bei einer Gastfamilie untergebracht wurde, ordnete der Leiter der Organisation an, dass ich abends immer bei der Familie seiner Freundin in der Nachbarschaft essen sollte, was ein tolles Erlebnis für mich war, ich liebte es mit dem kleinen Sohn zu spielen und freundete mich mit dem Hausmädchen an.

In Yopougon war auch meine Arbeit, wobei ich aber jeden Morgen ein Sammeltaxi nahm, weil Yopougon das größte Quartier mit 3 Mio. Einwohner Abidjans ist. Meine Arbeit bestand daraus, in einer öffentlichen Kinderkrippe in den verschiedenen Bereichen mitzuarbeiten. Angefangen habe ich in der Küche für die Babynahrung, dann in das Zimmer mit 14 Babys und in das Zimmer der Behinderten gewechselt,  weiter in die Kinderbetreuung, so in etwa wie ein Kindergarten und danach das Krankenzimmer und schließlich in die hauseigene Küche. Die Kinderkrippe fasst 83 Kinder, die ausgesetzt in Mülleimern, auf der Straße oder am Bahnhof von der Polizei gefunden und in die Krippe gebracht werden. Wenn man die Eltern des Kindes nicht mehr ausfindig machen kann, bleibt es in der Krippe und wohnt dort wie in einem Internat. Die Kinder, die mental und körperlich normal sind, gehen jeden Tag auch zur Schule oder in den nebenanliegenden Kindergarten, die anderen werden in der Krippe betreut.

In der Krippe gab es in dem Zeitraum, in dem ich dort war nur noch eine weitere europäische MTV-lerin, eine Französin für zwei Monate. Die ersten zwei Monate war ich also die einzige „Weiße“ in Yopougon, was eine ganz andere Erfahrung für mich war, einmal nicht die Mehrheit zu sein und ständig auf dem Präsentierteller zu stehen. Doch es sind auch immer sehr viele ivorische junge Praktikanten in der Krippe, mit denen man sehr gut reden und Kontakt aufnehmen kann. Insgesamt ist das ganze Personal sehr nett, zuvorkommend und nimmt „die Weißen“ sehr herzlich auf. So hatte ich während meines MTVs immer direkten Kontakt mit der Bevölkerung, wovon ich sehr profitiert habe und so die Menschen mit ihren Sitten, Bräuchen, ihrer Kultur und ihrer anderen Mentalität besser kennenlernen konnte.

Arbeit hat für mich in der Elfenbeinküste eine ganz andere Definition angenommen. Während in Deutschland ein sehr hohes Arbeitspensum in kürzester Zeit erwartet wird, ist in Afrika Arbeit auch mal herumsitzen, sich unterhalten, …doch ich war trotzdem ziemlich beschäftigt, weil es mir sehr viel Spaß bereitete mit den Kindern zu sein. In der Küche der Babynahrung half ich den Frauen die Fläschchen mit Pulvermilch für die Kleinsten zubereiten, im Kinderzimmer half ich den Frauen die von 0 bis 2 Jahre alten Kleinkinder zu wickeln, zu waschen, zu füttern und mit ihnen zu spielen. In der Kinderbetreuung zeigte ich den Vorschullehrern viele ihnen noch unbekannte Spiele und Lernmethoden und wir brachten diese in ihren Unterricht ein. Im Krankenzimmer half ich dem einzigen Arzt den kranken und behinderten Kindern jeden Tag Medikamente zu verabreichen und auch den Babys die Flasche zu geben. Und schließlich in der Küche lernte ich afrikanisch zu kochen, was meistens Reis mit einer Soße war, aber auch das Ivorische Nationalgericht: Foutou. In den Schulferien, da die Vorschullehrer auch frei hatten, übernahm ich die Kinderbetreuung. Das fiel mir am Anfang nicht sehr leicht, weil ich mir erst den nötigen Respekt verschaffen musste…ivorische Kinder sind sehr viel quirliger und frecher als deutscheJIch begann meine Arbeit immer morgens um 9 Uhr, und mittags um 16 Uhr endete sie . Die Betreuung von Seiten der Kinderkrippe fand ich sehr gut, ich habe die verschiedenen Bereiche immer im zwei-Wochen-Takt durchgemacht, so wurde mir nie langweilig, ich habe mich sehr wohlgefühlt und bin sehr gerne zur Arbeit gegangen.

Da in der Elfenbeinküste 60 verschiedene Ethnien wohnen und es auch 60 verschiedene Landessprachen gibt, können sich die Menschen untereinander in der großen Wirtschaftsmetropole Abidjan, wo alle Ethnien durchmischt sind nur auf der Amtssprache Französisch unterhalten. Das war mein Glück: ich habe mich gut mit allen nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten verständigen können, und auch mein Französisch deutlich verbessert.

Ich fühlte mich nach dem Vorbreitungsseminar eigentlich gut vorbereitet auf das MTV, doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die afrikanische Realität einfach nichtnach Deutschland geholt werden kann, und so bleibt es schließlich Typabhängig, wie gut man sich einlebt, sich zurechtfindet und Kontakt zur Bevölkerung aufnimmt. Vor allem sollte man dabei immer sehr offen sein, und einfach reden, auch wenn man unzählige sprachliche Fehler am Anfang macht, nur Mut!

Die Betreuung während meines MTVs habe ich mir von Seiten meiner Partnerorganisation etwas anders gewünscht. Doch dies ist auch auf politische Unruhen in der Elfenbeinküste(1999- 2007) zurückzuführen während derer Poya International nicht arbeiten konnte, und so war ich die erste Freiwillige von IJGD, die „wieder“ in die Elfenbeinküste ging (vor 1999 hatte IJGD schon mehrmals Freiwillige bei Poya International). Daraus folgt eben, dass einiges noch nicht abgeklärt und geregelt oder manchmal etwas drunter und drüber lief. Deshalb habe ich nach meinem MTV mit IJGD gesprochen, und wir haben Verbesserungsvorschläge für die mir heikel vorkommenden Punkte gefunden. So wünschte ich mir von Seiten der Organisation einen kulturellen Input in der ersten Woche über Land, Leute und Kultur, eine Art Einführungswoche, wie es bei anderen Organisationen in anderen afrikanischen Ländern schon üblich ist, dies aber noch nicht Poya International eingeführt ist. Ich habe dies an IJGD weitergegeben, die wiederum mit Poya International kommuniziert haben. Man muss an dieser Stelle auch bemerken, dass es sicher nicht leicht für Poya International war und noch immer ist, alle Projekte wieder in Gang zu bringen und sich von der Krise zu erholen.

Meine wichtigsten Erfahrungen in der Zeit, die ich in Afrika verbracht habe, sind, dass man sich auch einfach mal Zeit nimmt, Zeit hat, man nicht immer der Hektik hinterher rennen soll. Menschen, die arm sind, können nichts geben. Ich habe genau die umgekehrte Erfahrung gemacht. Die ärmsten Menschen waren zu mir die am gastfreundlichsten. Es war ein Erlebnis, mit ihnen das Essen auf engstem Raum zu teilen, wobei  eine Menschlichkeit herrscht, an die hier in Europa gar nicht zu denken ist. Auch eine weitere, mir besonders wertvolle Erfahrung ist auch das Leben jetzt und hier im Moment leben, genießen. Man hat in Afrika die ganzen Accessoires, die das Leben hier in Europa noch angenehmer machen, nicht, und trotzdem ist man zufriedener und glücklicher- können wir nicht eigentlich noch glücklicher sein? Das muss man sich bewusst machen und es schätzen lernen.

Trotz meiner auch negativen Erfahrungen war die Zeit in der Elfenbeinküste ein Lebensabschnitt, den ich nie missen werde, ich habe so viel gelernt im Umgang mit Menschen, bin abgetaucht in eine mir total fremde Kultur, andere Menschen mit einer anderen Mentalität kennengelernt, aber auch die Probleme Afrikas hautnah miterlebt. Ich habe für mein weiteres Leben gelernt. Ich weiß jetzt, dass ich unbedingt Französisch studieren will, und danach auch im Ausland arbeiten will- und warum nicht in Afrika, mit seinen bunten Farben, mit den temperamentvollen und so eindrucksvollen Menschen?