FSJ-Erfahrungsbericht
Abschluss in der Tasche? Und noch keinen Plan, was du machen willst? - Dann mach doch einfach ein FSJ!
Ich war letztes Jahr in der gleichen Situation, vollkommen überladen mit den verschiedensten Möglichkeiten, mein Berufsleben so effektiv und nutzbringend wie möglich zu sichern. Da hab ich mich kurzerhand dazu entschlossen, meinen Gedanken noch ein Jahr freien Lauf zu lassen und ein FSJ zu machen, um mich ganz in Ruhe umschauen zu können.
Das war dann auch die beste Entscheidung, die ich in meinem Fall treffen konnte.
Angefangen habe ich in einem Mädchentreff in Teltow, der „MädchenZukunftsWerkstatt“. Dort hatte ich viele Freiräume und mir wurde die Betreuung der Mädchen überlassen.
Nach drei Monaten wechselte ich meine Einsatzstelle, was aber nicht die Regel ist. Seitdem arbeite ich im Waldorfkindergarten in Kleinmachnow, sorge hier für Ordnung in meinem Gruppenraum und betreue die Kinder.
Während des Jahres bin ich immer sehr gern in den Kindergarten gegangen. Dass „meine“ Kinder sich stets freuen, mich zu sehen, beflügelt mich und lässt mich auch an Tagen, an denen ich lieber unter meiner Decke bliebe, nicht den Kopf hängen. (Selbst an Regentagen kann man, mit der richtigen Kleidung, sehr viel Spaß mit den Kindern haben.)
Auch meine KollegInnen motivieren mich immer wieder. Es ist schön, in einer Atmosphäre zu arbeiten, in der ich von anderen geschätzt werde und das auch spüre.
Höhepunkte während meines Freiwilligendienstes waren immer die Seminare. Zum FSJ gehören 25 Bildungstage, die wir in einer festen Gruppe fast immer (außer in Potsdam) in entlegenen Dörfern in ganz Brandenburg verbrachten. Dort lernten wir uns näher kennen, diskutierten über verschiedene Erziehungsstile, beruhigten uns bei unterschiedlichen Entspannungsmethoden und fanden heraus, wie gut oder schlecht man mit einer Behinderung leben kann.
Die Seminarwochen waren immer eine sehr angenehme Abwechslung im Alltagstrott. Da viele auch in ganz anderen Arbeitsspektren tätig waren, fand ich den Austausch immer am interessantesten.
Bevor mein Freiwilligendienst anfangen sollte, kamen mir ein paar Zweifel: Schaffe ich das? Bin ich meinen Aufgaben gewachsen? Habe ich genug Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein? Bin ich stark genug für alle Herausforderungen, die auf mich warten? Komme ich mit meinem Kollegium aus, mit den Mädchen und Kindern? Werde ich mich verändern? Wenn ja, wie?
- Ja, ich wollte mich verändern: selbstbewusster und offener werden, konflikt- und kritikfähiger.
Ein paar Wochen vor Beendigung des FSJ kann ich sagen: Ich hätte mir nie zu träumen gewagt, dass ich mich innerhalb dieses einen Jahres so viel weiterentwickle: Ich bin offener und selbstbewusster geworden, gelassener, kann mich besser reflektieren, habe mehr Vertrauen in mich und meinen Stärken. Ich nehme mich und meine Bedürfnisse viel besser wahr und kann mein Leben wieder richtig und neu bewusst genießen. Außerdem habe ich mich entscheiden können, was ich studieren werde: Ich möchte Grundschullehrerin werden.
Also, solltet ihr in der gleichen Situation sein wie ich, dann scheut euch nicht! Mein FSJ hat meinem Leben mit allen Hochs und Tiefs maßgeblich den richtigen Weg gewiesen.
Johanna, 20 Jahre