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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

FSJ in einer Behindertenwerkstatt

Zurzeit mache ich ein FSJ in einer Behindertenwerkstatt.

Dort arbeite ich in der Multi-kreativ Gruppe. In der Gruppe sind 11 betreute Mitarbeiter tätig.

Um euch einen kleinen Einblick zu gewähren welche Tätigkeiten und Aufgaben ich erledigen muss, werde ich euch am besten mal einen Tag in der Werkstatt genauer schildern.

 

Um 8.00 Uhr beginnt für alle Betreuten der Tag. In der Werkstatt angekommen, ziehen sie sich die Jacken aus. Allerdings benötigen einige von ihnen meine Unterstützung beim ausziehen. Wenn alle in der Werkstatt sind gehen wir gemeinsam um 8.20 Uhr zum Morgenkreis, wo wir mit Musik und netten Sprüchen den neuen Tag begrüßen. Anschließend gehen wir dann frühstücken. Ich muss darauf achten, dass alle etwas essen und trinken. Den Betreuten, die nicht selbständig essen können, muss ich bei der Nahrungsaufnahme helfen. Nach dem Frühstück werden die Betreuten, die Hilfe bei den Toilettengängen benötigen, auf die Toilette gebracht. Einigen müssen die Windel gewechselt werden, anderen wieder rum muss bei der Körperhygiene geholfen werden. In der Werkstatt muss ich dafür sorgen, dass jeder betreute Mitarbeiter etwas zu tun hat und verteile Arbeit. Ich muss ihnen eine Anleitung bei den einzelnen Arbeitschritten geben. Wenn dann alle etwas zu tun haben, kontrolliere ich die „fertigen“ Arbeiten, mache Schleifarbeiten, bemale Holzspielzeug oder suche mir einen Betreuten mit dem ich gemeinsam Holz einöle, lackiere oder bemale. Es ist immer etwas zu tun. Damit die Betreuten sich zwischendurch auch mal bewegen, mache ich mit ihnen um Sport. Nach dem Sport machen sich alle wieder an ihre Arbeit.

Um genau 11.45 Uhr gehen wir Mittag essen. Ich bin für die Verteilung und das Portionieren des Essens zuständig. Einigen muss ich das Essen, wie zum Beispiel Fleisch, zerkleinern. Es gibt auch Mitarbeiter die meine Hilfestellung bei der Esseneinnahme benötigen. Alle Mahlzeiten, sprich Mittagessen und Frühstück, werden mit einem gemeinsamen Spruch begonnen und mit einem Dank beendet.

Nach dem Mittagessen ist Pause bis um 13:00. Bei gutem Wetter wird die schöne Außenanlage mit Sitzmöglichkeiten, Ballspielen und Fußballplatz genossen. Manchmal wird die Pause auch verlängert. Die letzten 1 1/2Stunden werden wieder mit Arbeit verbracht und um 14:45 gibt es den Abschlussspruch. Feierabend.

 

Für mich als männlichen FSJler hält die Multigruppe einen ganz speziellen Betreuten parat. Er ist ein schwerst mehrfach geistig und körperlich Behinderter, der im Rollstuhl sitzt und bei allen Dingen des alltäglichen Lebens Unterstützung braucht. Das heißt, jeden Morgen Jacke ausziehen, ihn zum Morgenkreis und zum Frühstück schieben. Bei der Nahrungsaufnahme muss ihm sehr viel geholfen werden. Besteck hält er zwar selbst in der Hand, diese muss aber zum Mund geführt werden. Dass das nicht immer kleckerfrei verläuft, ist auch klar. Beim Mittagessen bekommt er ein Handtuch um den Hals gelegt, das unter dem Teller geklemmt wird. Im Laufe des Mittagessens sammelt sich dann schon eine Menge in dem Handtuch an. Bleibt noch der Toilettengang am Vormittag. Um halb elf kommt er auf die Toilette. Da er, wenn er sich irgendwo festhalten kann, auch stehen kann wird er aus dem Rollstuhl gehievt, so dass er sich am Waschbecken festhalten kann. Steht er, wird er entkleidet und die Windel in den Müll geworfen um in dann anschließend aufs Klo zu setzten. Eine halbe Stunde später kommt er wieder von der Toilette runter und die ganze Entkleidungsprozedur erfolgt retour. Manchmal (bei Stuhlgang) muss halt auch der Po geputzt werden. Was man auch mit ihm macht, ist Lauftraining: Er wird aus dem Rollstuhl gehievt und dann an beiden Händen festgehalten. Jetzt muss er nur noch zum Laufen animiert werden, was er mal mehr, mal weniger enthusiastisch tut. Idealerweise geht mittels Unterstützung die Gänge zum Klo und zum Mittagessen. Das alles klingt jetzt nach viel Aufwand, ist aber halb so schlimm. Der Betreute, auch wenn er nicht reden kann, ist schlicht ein super netter Typ der einem auch Freude auf die Arbeit macht.