Mein FSJ in der Eingangsstufe
Die Eingangsstufe ist eine Art Vorschule welche die Waldorf-Schulen und Waldorf orientierten Schulen sich beibehalten haben, im Gegensatz zu den staatlichen Schulen.
Zur Eingangsstufe, ihren Funktionen, ihrem Ablauf im Alltag, wie aufs ganze Jahr betrachtet und deinen Aufgaben dort.
Die Funktion:
Die Eingangsstufe bildet die Brücke zwischen Kindergarten und erster Klasse. Die Kinder sind zwischen fünf und sechs Jahre alt. Lebens-, Gleichgewichts-, Bewegungs- und Tastsinn stehen im Mittelpunkt der Eingangsstufe. Die Kinder werden besonders gefördert durch das freie Spiel, soziales Miteinander und die Förderung der Ausdrucksfähigkeit. Bei alle dem kommt der kindliche Entdecker- und Experimentierdrang natürlich nicht zu kurz.
Der Ablauf:
Am wichtigsten zu wissen finde ich, ist es, dass die Kinder mit dir kommen und gehen. Du begleitest sie ein komplettes Jahr, wächst mit ihnen zusammen und am Ende geht jeder bestärkt seiner Wege. Der Trennungsprozess hier ist ein anderer, wie z.B. im betreuten Wohnen, da du niemanden zurück lässt in seiner gewohnten Umgebung, sondern jemanden entlässt in einen neuen Lebensabschnitt.
Für euch ist die Situation auf beiden Seiten neu und ohne Vorurteile, d.h. du bist keinem Vergleich ausgesetzt und kannst dich völlig frei bewegen.
Der Jahresablauf:
Im Großen und Ganzen ist der Jahresablauf an den Jahreslauf und seine jeweiligen Möglichkeiten gelehnt, Spiele, Projekte und Lernprozesse zu integrieren, welche durch Geschichten, Tischtheater und Feste einen runden Abschluss finden. Auch ist ein stetes und gerechtes Wachsen der Aufgaben und Anforderung an die Kinder über das Jahr hinweg zu erleben.
Der Tagesablauf / Wochenablauf:
Grundsätzlich haben die Tage einen festen Rahmen, eine Art Gerüst in dem die diversen Aktivitäten / Projekte immer wieder stattfinden, Abweichungen sind jedoch möglich, da der aktuelle Plan gerade neu diskutiert wird.
Zuerst aber mal der klassische Ablauf eines Tages:
7.30 - 8.25 Uhr Bringezeit, die Kinder kommen an, wobei von 7.30 - 8.00 Uhr Frühdienst ist und Du eh erst um 8.00 Uhr beginnst.
Um 8.30 Uhr kommt ihr im Morgenkreis zusammen, sagt euern Morgenspruch auf schaut wer fehlt, einige berichten von einem spannendem Erlebnis und der Tageslauf mit seinen Projekten wird besprochen.
Im Anschluss folgen Freispiel und / oder Projekte.
Von 10.00 - 10.30 Uhr wird gefrühstückt und danach läuft das Freispiel im Garten bis 12.30 Uhr weiter oder das jeweilige Projekt wird beendet. Da die Eingangsstufe auch Tiere, wie Schafe und Kaninchen zu versorgen hat geschieht dies ebenfalls in dieser Zeit.
Um 12.30 Uhr ist die erste Abholzeit
Um 12.40 Uhr gibt es dann das von dir angerichtete, (nicht gekochte) Mittag, welches um 13.10 Uhr endet.
Die Hortkinder sammeln sich zum Zähneputzen und verlassen den Raum.
In den letzten verbleibenden 20 min. für die VHG-Kinder (Kinder der verlässlichen Halbtagsgrundschule, Betreuung bis 13.30 Uhr) wird eine kleine Geschichte erzählt und ein schöner Tagesabschluss gefunden.
Die Hortzeit von 13.30 - 16.00 Uhr beinhaltet eine ausgiebige Mittagspause, bis 14.30 Uhr und eine lange Freispielzeit die, so fern es nicht regnet, im Garten stattfindet. Ab 14.30 Uhr können die Kinder jederzeit abgeholt werden.
So zeigt sich dir also dein theoretischer Arbeitstag in der Eingangsstufe von 8.00 bis 16.00 Uhr, dem so manche kleine Abweichung noch vorenthalten ist.
Und zum Schluss das wichtigste, deine Aufgaben:
Sei dir im Klaren darüber, dass du mit Kindern zusammen arbeitest, mit zuckersüßen Rabauken, die sich auf so manchen Scherz verstehen und gewiss keine zu groß geratenen Spielpuppen sind, für irgendwelche Mutterfantasien.
Du solltest klar und deutlich sagen was du magst und was nicht. Wo es für dich zu weit geht und wo du mal ein Auge zudrückst. Ein "fester Standpunkt" hilft dir vor den Kindern zu bestehen und ihre Akzeptanz zu gewinnen.
Was ich immer wieder festgestellt habe, und das meine ich im Bezug auf die Kleinen, wer nichts zu sagen hat, hat nichts zu sagen. Die Zwerge testen in diesem Jahr gerne mal aus, wie weit sie gehen können und da ist es eben auch an dir gelegen sie im richtigen Moment zu bestärken oder sanft zu bremsen. Und schon sind wir mitten in deinen Aufgaben. Wie du merkst ist ein Großteil davon die Betreuung der Kinder, aber einen nicht weniger großen Teil bilden die organisatorischen Aufgaben, realistisch betrachtet sind es die Dinge, die eben gemacht werden müssen und das sind Sachen wie Aufräumen und Abwasch.
Du bist zwar nicht allein, aber doch zu meist dafür verantwortlich, dass es ordentlich ist und deine Fähigkeiten als "Hausfrau/Hausmann" darfst du ebenfalls jeden Tag aufs neue unter Beweis stellen wenn es ans Mittagessen geht, denn es gilt für ca. 40 Personen Tische einzudecken, Essen aufzutragen und auch wieder abzuräumen. Na ja das hört sich schlimmer an, als es ist. Nach dem Mittag hast auch du Gelegenheit dich auszuruhen. Der Hort der im Anschluss folgt ist wirklich entspannt.
Ach ja du hast sicherlich auf dem Wochenplan gelesen, dass es zwei Waldtage gibt und damit sind auch wirklich zwei Tage im Wald gemeint die im Winter echt kalt sein können und im Sommer bezaubernd warm und im Herbst regnerisch und windig. Also organisiere dir zum Herbst und Winter hin warme und wetterfeste Klamotten.
Ich hoffe du hast jetzt ein paar Eindrücke die es sich lohnen in der Praxis auszutesten. Für mich war und ist es eine sehr bereichernde Zeit in der ich viele Freunde gefunden habe.