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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Finnland

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Das Event
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Natur & Landschaft


„Aukusti“ in Jalasjärvi - Finnland 2009

von Bernhard Gerl

 

„Was machst du in den Sommerferien?“ Diese Frage wurde mir oft gestellt und mindestens genauso oft gab ich die Antwort: „Ich nehme an einem zweiwöchigen, internationalen Workcamp in Finnland teil.“ Daraufhin folgten meist überraschte und skeptisch blickende Gesichter. Kaum jemand wusste, was damit gemeint war. Und so gab ich erstmal eine allgemeine Erklärung, was man darunter versteht. Meine Gesprächspartner hörten mir interessiert zu und unterbrachen mich nur an wenigen Stellen. Einer dieser Punkte war fast immer der, als ich erwähnte, dass dies alles freiwillig und somit ohne Bezahlung sei. „Du fährst in ein anderes Land, arbeitest dort und bekommst nicht einmal Geld dafür?“ Zugegebenermaßen hört es sich ungewohnt an, aber schließlich ist das nicht der einzige Anreiz eines Workcamps, was ich auch versuchte, ihnen klar zu machen. Nicht alle konnte ich von meinem Vorhaben überzeugen und mit den Meisten einigte ich mich schließlich darauf, dass ich ihnen hinterher davon berichten werde.

Nach meinem Aufenthalt dort kam es wieder zu diesem Thema. „Und? Wie war’s? Hat sich das Arbeiten gelohnt,“ wurde ich leicht ironisch gefragt. Mit einem Strahlen im Gesicht entgegnete ich: „Ja! Vom ersten bis zum letzten Tag!“ Ich habe die zwei Wochen wirklich genossen. Alle Zweifel, die ich davor bezüglich der Sprache zum Beispiel oder der Konfrontation mit anderen Kulturen hatte, verschwanden schon in der ersten Zeit. Natürlich war es nicht immer ganz einfach, besonders die Verständigung auf Englisch, da es durchaus Unterschiede in den Sprechfertigkeiten gab. Aber wirkliche Probleme sind nicht aufgetreten. Unsere Gruppe von neun Teilnehmern verstand sich zudem hervorragend, was sicherlich damit zu tun hatte, dass die meisten 19 Jahre alt waren. Alle waren sehr freundlich und aufgeschlossen und durch die verschiedenen Nationalitäten (Italien, Deutschland, Frankreich, Tschechische Republik, Spanien, Korea, Taiwan) wurden alle mehr oder weniger dazu gezwungen, Englisch zu reden. Auch mit den Einheimischen konnten wir leicht ins Gespräch kommen, da dort im Allgemeinen sehr gut Englisch gesprochen wird, was von den finnischen Campleiterinnen bestätigt wurde. Einige Leute, mit denen wir zum Beispiel Kontakt hatten, waren Arbeiter und Organisatoren von Aukusti. Zweimal wurden wir von ihnen zum Fußballspielen eingeladen, was von uns sehr gerne angenommen wurde. Auch Jugendliche unseren Alters lernten wir an dem Donnerstag vor dem Festival kennen, denn hier besuchten uns einige in unserer Unterkunft, dem Jugendhaus „Wilhola“, um sich mit uns zu unterhalten und um die Zeit mit Spielen zu verbringen. An den Tagen danach trafen wir sie wieder und von den kulturellen Unterschieden war zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu spüren.

Das Festival „Aukusti“ fand zum 10. Mal in der kleinen Ortschaft Jalasjärvi statt und erst seit kurzer Zeit bestand die Möglichkeit, dort im Rahmen eines Workcamps hinzufahren. Aufgrund der recht kleinen Größe wurden nicht viele Helfer benötigt, so wurde der Großteil an Arbeiten von uns verrichtet. In der ersten Woche zählten unter anderem dazu das Aufstellen von Zäunen und Zelten, die Dekoration von Bühnenteilen und ähnlichen Dingen, das Herrichten von sanitären Anlagen und das Säubern des Bereichs vor dem Beginn. Bei der Durchführung selbst am mittleren Wochenende mussten wir nichts machen, somit hatten wir genügend Zeit, die Musik und die Atmosphäre dort in vollen Zügen zu genießen. Am Sonntagabend ging es jedoch wieder mit dem Abbau los, der sich über die ganze restliche Woche erstreckte. Zu der Arbeit ist zu sagen, dass sie teilweise sehr anstrengend war und die tägliche Arbeitszeit von sieben bis acht Stunden von uns als sehr lang empfunden wurde. Größere Ausflüge waren an den meisten Abenden so gar nicht mehr möglich. Trotzdem gab es einige Highlights. Zum Beispiel besuchten wir an einem Abend „Pirunpesä“, ein etwa 30m tiefes und 15m breites, natürlich entstandenes Erdloch. Dies war jedoch nicht alles. Unmittelbar daneben befand sich ein Aussichtsturm, von dem aus man einen sehr weiten Ausblick hatte. Auch an diesem Tag hatten wir, wie sehr oft in den zwei Wochen, sehr schönes und angenehm warmes Wetter, so bekamen wir einen unvergesslichen Eindruck von der finnischen, sehr waldreichen Landschaft.

An zwei anderen Tagen waren wir in einer kleinen Hütte an einem See, wo wir beide Male einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten konnten. Der zweite Besuch stellte zudem unsere Farwell-Party da, zu dem viele Helfer und die Organisatoren des Festivals kamen. Zum dritten und letzten Mal gingen wir in eine Sauna mit anschließendem Springen in den eiskalten See (was sich aber nicht alle trauten). Es gab etwas zum Essen und zum Trinken und insgesamt war es ein schöner und entspannter Abschluss.

Es gab noch viele lustige, ungewohnte und überraschende Ereignisse. Hier ist eine kleine Auswahl: Wir liefen fast 100m Richtung Seemitte auf der Suche nach einer tiefen Stelle zum Schwimmen und fanden diese schließlich direkt vor dem Steg. Die zwei Koreaner nahmen ein Ruderboot und wollten auf den See hinausfahren, konnten aber nicht mit den Rudern umgehen. Der Taiwaner und die zwei Koreaner arbeiteten fast ausschließlich in Sandalen, egal bei welchem Wetter. Ein Zelt wurde weggeweht, nachdem es fertig aufgebaut war. Es gab verschiedene Mitternachtssnacks, besonders während des Festivals. An einem Tag gingen wir in der nächstgrößeren Ortschaft in die dreistöckige Disco „Onnela“, wo wir bis drei Uhr früh blieben. Unsere Gruppe wurde einmal von einer Zeitung interviewt und ein anderes Mal von einem Filmteam bei der Arbeit für einen Internetsender aufgenommen. Eine beliebte Frage war: „Where are the Koreans?“ (Es kam hin und wieder vor, dass niemand wusste, wo sie abgeblieben sind.)

Letztendlich kann ich jedem die Teilnahme an einem Workcamp nur empfehlen. Es hilft dabei, Sprachbarrieren zu verringern und Skepsis gegenüber Menschen aus anderen Kulturen abzubauen.  Natürlich kann es auch nicht so entspannt wie bei mir laufen, aber zwei Wochen sind immerhin eine absehbare Zeit und ich persönlich wäre am liebsten noch länger dort geblieben.