Workcamp in Gannat 2009

- Le Festival des Cultures du Monde

- Wir bei der Arbeit

- Beim Marterpfahlbasteln

- Das Team

- Futuna Fatuana aus Vanuatu
„Etudes et Chantier“ - für 3 Wochen in Gannat, dem Mittelpunkt der Welt ;)
- „Wo kamen die jetzt noch mal her?“ - „Neuguinea, glaub ich, oder ne, Vanuatu!?!“… -„Wo liegt eigentlich Vanuatu?“
- „Lass uns mal auf der Weltkarte gucken…“
- „Und welche Sprache war das jetzt? Die hab ich noch nie gehört!“…
10 Tage lang hatte man den Eindruck, der Mittelpunkt der Welt sei Gannat, eine 6000-Einwohner-Gemeinde in der schönen Auvergne in Frankreich. Das seit 36 Jahren jährlich im Juli stattfindende „Festival Les Cultures du Monde“ versetzte den Ort in einen absoluten Ausnahmezustand. Es gab in der Zeit des Festivals kaum jemanden aus Gannat, der nicht auf den Beinen war und irgendwo mithalf. Denn es galt ja schließlich etwa 60 000 Besucher des Festivals zu begrüßen und zu versorgen. Außerdem mussten 400 Künstlerinnen und Künstler untergebracht und beköstigt werden. Auch wir Freiwilligen wurden während der 10 Tage von den Einwohnern Gannats bekocht!
Die Künstlerinnen und Künstler des Festivals kamen von der Elfenbeinküste, aus Chile, Kolumbien, Guatemala und Martinique, von den Philippinen, aus Polen, Tschechien und Russland, Frankreich sowie aus Papua-Neuguinea und Vanuatu. Ich finde, dass es keine Schande ist, jetzt mal kurz auf die Weltkarte zu schauen;)… ich kannte diese Länder auch nicht alle und vor allem wusste ich nicht, wo sie liegen. Jedenfalls kamen verschiedene Gruppen nach Gannat, um dort durch Tänze, Gesänge und wunderschöne Kostüme ihre Kulturen vorzustellen. Immer wieder hatten sie Auftritte, boten Workshops mit Kindern an und gaben Tanzkurse. Wir trafen sie aber auch sonst ständig während dieser 10 Tage auf dem „Place du Festival“.
WIR- das war eine 11-köpfige Workcamp-Gruppe von „Etudes et Chantier“… zwei Französinnen, eine Belgierin, ein Belgier, eine Tschechin, eine Dänin, eine Türkin, eine Spanierin, ein Spanier und zwei Deutsche. Alle waren der Camp-Sprache, also französisch mächtig, aber auch daran interessiert, diese Kenntnisse noch zu verbessern und ein paar Worte flämisch oder türkisch zu lernen und sich mit anderen Europäern auszutauschen. Zusätzlich war es für uns auch total spannend, Menschen von anderen Kontinenten und deren Kulturen kennenzulernen.
„Alle sofort aus den Zelten und ins Haus!!“ Das war die Stimme unserer Teamerin, nachts um 2, als es direkt über unseren Köpfen donnerte und blitzte. Ein ordentliches Gewitter hatte sich angebahnt. Dummerweise standen unsere Zelte unter Bäumen und neben einer Stromleitung. Also zogen wir „lieber“ auf den harten Boden des „Maison du Folklore“. Dort verbrachten wir die uns bleibenden Stunden der Nacht. Das passierte uns 2 Mal in den 3 Wochen in Gannat. Sonst waren die Isomatten aber recht bequem und mit einem Pulli mehr als sonst war es nachts auch nicht zu kalt. Wenn man in den Zelten einigermaßen Ordnung hielt, ließ es sich dort gut zu zweit hausen;). Was die Duschen auf dem Gelände angeht: Das Wasser war heiß bis sehr heiß, und wir teilten sie auch mit noch anderen Freiwilligen… aber sauber wurde jeder, der es wollte!
Woraus bestand aber unsere Arbeit? In der ersten Woche, also in der Zeit vor dem Festival, war diese noch recht unspektakulär und hatte wenig mit Kultur zu tun. Sie bestand nämlich aus Tische und Stühle stellen, Mülltonnen platzieren und Schilder mit verschiedenen Ländernamen bemalen (wobei wir allerdings herausfanden, wie weit weg die Länder der Künstler lagen!). Außerdem konnten wir die Zeit nutzen, unsere Mitstreiter des Camps näher kennenzulernen und in der Gruppe zu sein. Wir sollten nämlich in den nächsten 10 Tagen dazu nicht mehr allzu viel Zeit haben, da jede Menge Arbeit auf uns zukam und jeder zu verschiedenen Zeiten arbeitete und dementsprechend auch schlief.
So konnten wir uns also zu Beginn des Festivals kaum noch retten vor Aufgaben, aber auch vor Eindrücken… Wir arbeiteten meist in 2er-Gruppen, bereiteten Frühstück für die „Elfenbeinküstler“ und die „Philippiner“ vor, durften Waffeln und Crêpes backen, „Accrats“ (eine Art herzhafte Teigtaschen) zubereiten, beim „Repas typique“ assistieren, also kleine Arbeiten in der Küche verrichten - wie Schuppen von Fischhaut entfernen;) - und dabei lernen, woran man erkennt, dass ein Fisch frisch ist…, Punch ausschenken und morgens um 8 dort putzen, wo nachts gefeiert wurde;) (was im Laufe der Woche nicht unbedingt unklebriger und vor allem wegen Schlafmangels nicht angenehmer wurde…) Da es aber eine sehr einfache und mental nicht anstrengende Arbeit war, ging es… auch morgens um 8;)
Trotz Arbeit blieb uns jedoch noch genug Zeit für den Markt, der mit etwa 20-30 Ständen auf dem Festivalgelände verteilt war und während dieser 10 Tage unglaublich tolle und bunte Kleider, Deko, Holzarbeiten, Schmuck und vieles mehr bot. Nach 2-3 Tagen kannte man die Aussteller und begrüßte sich nach 4 Tagen jeden Morgen schon mit Namen. Wir hatten also viel Gelegenheit, Leute kennenzulernen, aber natürlich auch, zu feiern!!! Jeden Abend traf sich die „Festival-Gemeinschaft“ im „Cabaret“, einem großen Raum, in dem jeden Abend andere Gruppen spielten und die Menschen motivierten, mitzutanzen und zu singen… Wer also hier bis zum Ende - morgens um 3 - durchhielt und dann dort wieder saubermachen durfte, kam ziemlich genau auf 3 Stunden Schlaf;).
Aber ein Mittagsschlaf war drin… den jeder von uns auch mal nutzte;)
Und wir schafften es sogar, in der Zeit nach dem Festival einen Ausflug nach Vichy zu machen, um uns die Stadt anzusehen und bestiegen den Vulkan „Puy Pariou“ und konnten die unglaubliche Aussicht genießen!
Insgesamt waren es also 3 sehr anstrengende und ermüdende, aber überwältigende und tolle Wochen. Ich habe in der Zeit so viele tolle Menschen getroffen und so viel über andere Länder und Kulturen gelernt. Zum einen schon in unserer kleinen Camp-Gruppe, aber eben auch im Rahmen des gesamten Festivals.
Wer also immer geregelte Schlafzeiten braucht, und wer sich scheut, im Zelt zu schlafen bzw. mal heiß zu duschen, sollte sich überlegen, ob er hierher kommt. Aber wer gigantische 3 Wochen am Mittelpunkt der Welt mit tollen Menschen erleben will, der muss einfach nach Gannat kommen…
… und Schlaf lässt sich nachholen!!!
Ach, übrigens: Vanuatu ist ein Inselstaat im Südpazifik mit 83 Inseln und liegt nordöstlich von Australien;)!