Teenage-Camp in Frankreich

- Suyoung und ich

- Unser kleines, lustiges Kostümfest

- Ahmet und ich bei der Arbeit

- Bereit fürd Kostümfest
Le Meux 2010
von Birte Maiwald
Was??? Du restaurierst für 3 Wochen in Frankreich Brunnen und wirst dafür noch nicht einmal bezahlt? So etwas oder Ähnliches musste ich mir vor meiner Abreise oft anhören, irgendwie konnte ich niemandem wirklich klarmachen, was ich mich an der Idee so begeisterte. Je näher der Tag der Abreise kam, desto aufgeregter wurde ich und desto mehr nervte ich wahrscheinlich meine Mitmenschen, doch dann waren die mich ja für 3 Wochen los.
Der Anfang
Hingebracht nach Le Meux (Picardie, Nordfrankreich, es regnet dort fast immer) wurde ich von meinen Eltern, zurück bin ich mit einem Bus gefahren. Meine Ankunft war nicht so spektakulär, ich lernte an dem Abend die Gruppe kennen, die viel größer war, als in der Campbeschreibung angegeben. Wir hatten: acht Franzosen, drei Türken, zwei Italiener, eine Belgierin, eine Koreanerin, ein Amerikaner und mich, eine Deutsche. An diesem Abend aßen wir nur, spielten ein Spiel und durften uns dann unsere Zelte und Zeltpartner aussuchen. Ich teilte mir mein Zelt mit Sunyoung, dem Mädchen aus Korea. Am nächsten Tag lernten wir uns dann näher kennen. Es war äußerst schwierig sich alle Namen zu merken, da wir mit 20 Leuten (17 Freiwillige + 3 Betreuer) eine recht große Gruppe waren. Doch nach und nach kannte man dann doch alle Namen und konnte sich mit den Leuten unterhalten.
Von Brunnen, Steinen und Spaß in der Sonne
Der dritte Tag war unser erster Arbeitstag, unsere Aufgabe war es, drei alte Brunnen zu restaurieren, d. h. die Wände z. T. abreißen, dann wieder neu aufbauen und danach kommt noch ein pyramidenförmiges Dach drauf. Die Arbeit war manchmal, wenn es sehr heiß war, ziemlich anstrengend, hat aber meistens sehr viel Spaß gemacht, außer man war in der Putzgruppe, die den ganzen Tag Steine putzen musste. In der ersten Zeit, haben wir nicht sehr viel gearbeitet, weil immer ungefähr 6-8 Leute „zuhause“ blieben und kochten und putzten, und weil wir am Wochenende nicht arbeiteten, am Nationalfeiertag nicht arbeiteten und bei zu starkem Regen auch nicht arbeiteten. Später wurde uns klar, dass wir so nie fertig werden und deshalb gab es dann immer eine Vormittags und eine Nachmittagsgruppe, also musste jeder arbeiten.
Schatten und Licht
Wie schon gesagt waren wir in Zelten untergebracht, doch nach der ersten Woche bekamen wir Probleme mit Rassisten aus dem Dorf, deshalb haben wir danach immer in einem Judoraum geschlafen, der mit zu unserem Lager gehörte. Die Probleme mit den Rassisten haben am Abend vor dem Nationalfeiertag angefangen: da gab es eine kleine Schlägerei, die Belgierin wurde ernsthaft verletzt, später wurde mit paint-guns auf unser Lager geschossen, danach wind wir nicht mehr in den Zelten geschlafen und in einer Nacht wurden drei unserer Fahrräder geklaut. Mit den anderen Menschen aus dem Dorf hatten wir keine Probleme, wir hatten viele gemeinsame Aktionen mit dem örtlichen Jugendcenter und auch sonst hat man sich sehr um uns gekümmert. 5 Jungs aus dem Dorf haben selbst mit am Camp teilgenommen, deshalb waren wir dann auch 17 statt 12 Freiwilligen. Unsere Unterkunft bestand aus dem Judoraum mit Duschen und Toiletten, unserem Küchenzelt und unserem Esszelt und einer riesigen Wiese mit einem Hartfußballplatz. Es war kein Luxus, aber es war ok, die einzigen Probleme waren, dass wir keinen Spiegel hatten (nur den ein oder anderen Handspiegel) und dass für ein paar Tage auf dem Klo das Licht ausgefallen ist, d.h. man musste mit Taschenlampe aufs Klo gehen;)
Und so ging es zu Ende
Ich habe mich mit allen Leuten aus der Gruppe sehr gut verstanden, die meisten Leute waren wirklich nett, doch manchmal schienen die drei Wochen sich sehr lang hinzuziehen. Hätte das Camp nur zwei Wochen gedauert, hätten wir wirklich einen sehr traurigen Abschied gehabt. Aber so ist man mit einem lachenden und einem weinenden Auge gefahren. Ich denke wir alle haben uns sehr auf unser zu Hause gefreut, aber manche Menschen wollte man auch nicht verlassen.
Ich kann ein Workcamp eigentlich jedem empfehlen, der offen für andere Leute und Kulturen und nicht zu eitel ist. Ich werde auf jeden Fall irgendwann wieder an einem Camp teilnehmen. Denn ich habe so viel in diesem Camp gelernt, kenne nun viele tolle Leute aus der ganzen Welt und freue mich schon wahnsinnig auf das nächste Jahr, da ich dann vielleicht manche Teilnehmer wieder sehen werde.