Workcamp in Frankreich 2011

- Blick auf Orly

- Eine unserer neu gebauten Behausungen

- Beim Konzert von Imany und Guillaume Grand
CONCF 131 oder: Wie lebt man in Orly?
von Mathias Puhlmann
Dieses Jahr habe ich ein Workcamp in Orly, 20 km von Paris weg, gemacht. Es war mein insgesamt drittes Workcamp, gleichzeitig aber das erste außerhalb Deutschlands.
In Orly ging es darum, Behausungen für Roma zu errichten. Diese hatten sich mehr oder weniger geduldet am Stadtrand von Orly angesiedelt und hausen dort in Weihnachtsmarktbuden, neben Dixieklos und notdürftiger Wasserversorgung. Jeder kann sich vorstellen, wie hart das Leben dort sein muss. Wir halfen dabei in der Siedlung Fertigbungalows zu errichten, mit Badezimmer, einem Kinderzimmer und einem Elternschlafzimmer mit einer Küche.
Auch diese neuen Behausungen waren alles andere als luxuriös, aber immerhin stabile Häuser mit einer Wärmedämmung. Wie zum Beweis, dass wir unserer eigenen Hände Arbeit vertrauen, wohnten wir dann auch die letzten Camptage in einem dieser Bungalows. Bis dahin hatten wir zweieinhalb Wochen in einem Appartement im Zentrum von Orly gewohnt – bis unsere Bungalows bezugsertig waren.
Das Worcamp setzte sich aus zwölf, ab der zweiten Woche sogar aus dreizehn Personen aus neun verschiedenen Ländern der Erde zusammen. Die Teilnehmer kamen aus Russland, der Ukraine, Japan, Frankreich, Deutschland, England, Brasilien und Korea. Somit waren wir ein Haufen, der überall wo er hinkam, Staunen verursachte, wie etwa im Petanque-Klub, im Fußballverein oder im „Resto Du-Coeur“, welches an Notbedürftige, unter anderen die Roma, Essen verteilt. All das waren Aktivitäten, denen wir nach der Arbeit nachgingen. Genau wie der Besuch des örtlichen AMAP-Markts, einem besonderen Gemüseabsatzmarkt, der auf einem speziellen Vertrag zwischen Anbauer und Kunden fußt, oder der Besuch bei einer Erwachsenenschule für Männer und Frauen, die die französische Sprache lernen wollen.
Wenn wir keine Termine hatten, stand es uns frei Tennis zu spielen, schwimmen zu gehen oder anderen Hobbies zu fröhnen, was wir auch so gut wie möglich taten.
Wobei die Highlights natürlich die Wochenenden waren, an denen es, wer ahnt es nicht, nach Paris ging, wie zum Beispiel zur Techno-Parade oder ins Pariser Nachtleben. Für mich als Gartenbaustudent war natürlich der Jardin des Plantes ein Schmankerl ganz besonderer Art, das jedoch jedem anderen auch den Atem geraubt hätte.
Auch Orly strahlte einen eigenen Hauch von Internationalität aus, denn am ersten Wochenende fand in Choisy le Roi, zehn Minuten von unserer Wohnung ein Konzert mit Imany und Guillaume Grand statt, im Rahmen einer Veranstaltung aller Kulturvereinigungen der Umgebung.
Alles in Allem würde ich ein Camp dieser Art wieder und wieder machen, weil mich die Menschen, die ich getroffen habe, so viel gelehrt haben. Dieses Camp war mehr für mich als Lernen, wie man ein Haus baut. Es war für mich der Anfang von Fernweh...