Workcamp in Koforidua
Nach einem 15 Stunden Flug quer über Europa und Afrika sind wir endlich im ARA- House (dem Treffpunkt) in Accra, der Hauptstadt Ghanas angekommen. Begeistert über die tolle Lage direkt am Atlantik nutzten wir die „Gunst der Stunde“ und sprangen ins Meer, bevor wir erste Informationen über unsere Arbeit, das Leben in Ghana sowie über Koforidua, die Stadt, in der wir arbeiten würden, erhielten.
Einen Tag später ging es schließlich nach Koforidua, eine Stadt mit ca. 90.000 Einwohnern, 80 km nördlich von Accra. Die rund 3 stündige (!) Fahrt war das erste kleine Abenteuer, was uns erwartete und einfach unbeschreiblich. Viele von uns hatten zum ersten mal die Gelegenheit direkt durch den Regenwald zu fahren; an Wasserfällen, steilen Felswänden und Pflanzen, die man sonst nur aus dem heimischen Wohnzimmer kennt, vorbei direkt in die „Hauptstadt des Kakaoanbaus“...
Den ersten Tag hatten wir noch frei um uns mit den Gewohnheiten im Camp und in der Umgebung vertraut zu machen. Natürlich nutzten wir die freie Zeit sofort, um die Stadt unsicher zu machen. Am Abend versammelten wir uns dann alle um ein Feuer (da der Strom in der Stadt ausgefallen war- wie so oft J) und nutzen die Zeit für ein paar „Kennenlern- Spiele“. Man knüpfte erste Kontakte, unterhielt sich und tanzte zu selbstgemachter Trommelmusik. Auch wurden wir an diesem Abend mit der afrikanischen Küche vertraut gemacht, die mir sehr gut schmeckte..
Unsere Gruppe bestand aus 21 Leuten, davon 11 Deutsche und 10 Ghanaer (11 Jungs und 10 Mädels). Wir waren froh, dass wir in der Gruppe der Ghanaer (die sich alle schon länger kannten) so schnell Anschluss finden konnten. Demzufolge wurden auch meine Zweifel, dass man sich eventuell in deutsche und ghanaische Grüppchen teilen würde nicht bestätigt.
Es folgte der erste Arbeitstag. Auf der Ladefläche eines Pick- Ups sind wir in den Regenwald gefahren um dort auf ausgedienten Feldern Bäume zu pflanzen, somit der Natur das Genommene wieder zu geben. Das Gefühl direkt durch den Wald zu gehen war extrem cool! Man kam sich etwas wie Indiana Jones in einem seiner Filme vor. Über Flüsse, durch Höhlen und an riesigen Bäumen ging es vorbei zu den alten Feldern. Bei der Arbeit waren uns ca. 150 Bewohner eines kleinen Dorfes behilflich. Auch das ghanaische Fernsehen war da um uns bei der Arbeit zu filmen. Unsere Aufgabe bestand darin kleine Löcher für die, schon im Vorfeld herangezogenen Bäume zu graben und diese dann einzupflanzen und zu bewässern. Da wir eine relativ große Gruppe waren, konnte man schon nach ein paar Stunden einen enormen Fortschritt erkennen. Nach vollbrachter Arbeit luden uns die Dorfbewohner ein, mit ihnen zusammen frische Bananen, Orangen, Ananas sowie Zuckerrohr und Kokosnüsse zu essen- ein Erlebnis, was ich wahrscheinlich nie vergessen werde. Man hatte das Gefühl, direkt bei einer Reisereportage dabei zu sein.
Nachdem wir die in der ersten Woche immer wieder zu diesem Platz zurückkehrten um die Bäume zu pflanzen, haben wir in der 2. Woche des Camps beim Bau einer Schule im Nachbarort geholfen. Früh wurden wir immer von einem TroTro abgeholt (dabei kam es auch einmal zu einem Kabelbrand, bei dem das ganze Auto rauchte) und in das kleine Dorf gefahren. Von der Schule stand bis auf die erste Mauer noch nichts. Wir haben es dann aber innerhalb von sieben Tagen geschafft, die Mauern bis unter das Dach zu errichten. Anfänglich noch etwas unbeholfen, stellten wir und nach ein paar Tagen gar nicht mehr so dumm an. Beton mischen (nicht etwa im Mischer, sondern Handarbeit), Mauern, sowie verputzen gestaltete sich nicht so schwierig wie erwartet und zum Glück hatten wir aus dem Dorf noch zwei routinierte Arbeiter an unserer Seite. Da nicht alle beim Mauern und Verputzen helfen konnten, begradigte die andere Gruppe die Böden der schon im Rohbau vorhandenen Klassenzimmer und bereiteten den Bau der Fundamente vor (die in Ghana als letztes gebaut werden...) Leider konnten wir mit dem Bau des Daches nicht mehr beginnen, da sowohl die Zeit eng wurde und auch die zur Verfügung stehenden Mittel nicht mehr ausreichten. Somit kann dieses erst nächstes Jahr gebaut werden. Bei der täglichen Arbeit haben uns die einheimischen Kinder treue Gesellschaft geleistet. Es war eine tolle Erfahrung mit den Kindern zu sprechen, ihre Träume und Ziele für später zu erfahren. Viele der Jungs wollten Fußballspieler werden- somit lag es nahe, sich mit ihnen über die Fußball WM 2006 zu unterhalten.
Nach der Arbeit hatte man verschiedene Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben. Einige gingen zum Friseur um sich Rastalocken machen zu lassen, andere gingen ins Internetcafé, wieder andere schlossen sich den Wanderungen an, die zu den umliegenden Bergen führten. Von diesen hatte man eine tolle Aussicht über die gesamte Stadt und das grüne Umland.
Ein weiteres großes Erlebnis waren die Besuche der Märkte. Auf den verschiedenen Märkten der Stadt (Kleidungsmarkt, Stoffmarkt, Perlenmarkt), konnte man alles kaufen, was man sich nur vorstellen kann, von den größten Tomaten bis hin zu den tollsten Ketten. Beim Stöbern und kaufen hatte man auch stets die Gelegenheit mit den Menschen zu sprechen, zu lachen und natürlich zum Fotografieren.
An dem Wochenende von der zweiten zur dritten Woche haben wir alle gemeinsam ein Naturschutzgebiet, die „Buti Falls“ besucht, was alles bisherige noch einmal gewaltig tobte. Über mehrere Rundwege konnte man zu den Highlights des Parks gelangen. Zum einen der „Umbrella Rock“, dessen Name auf seine eigenwillige Form zurück zu führen ist und von dem man einen fantastischen Blick über das gesamte Naturschutzgebiet hat. Zum anderen die beiden Flüsse, die fast 30 Meter in die tiefe stürzen und somit die eigentliche Attraktion darstellen. Der kleine See, umrundet von den hohen Felsen, sowie die Temperaturen (und der Grund, dass der See nicht Bilharziose gefährdet ist) luden natürlich zum baden ein.
Um uns die Ghanaische Kultur und das Leben der Menschen, sowie die Probleme des Landes näher zu bringen, führten wir am 30.08.2006 den Ghanaischen Tag durch. Nach einem typischen Frühstück hatten sich die Teilnehmer von ARA etwas ganz besonderes ausgedacht. In Gruppen von 4 Leuten sollten wir Familien zu Hause besuchen und vorher überlegte Fragen zu einem bestimmten Thema stellen. Wir besuchten eine 83 Jährige Frau, die wir mit Fragen zum Thema „ Die Rolle der Frau in Ghana“ überschütteten. Sie war sehr gesprächig und ging auf alle Fragen ein. Wir verbrachten mehrere Stunden bei ihr, da sie auch viele Dinge über uns wissen wollte. Zum Ende wurde mir aber schon etwas angst, da sie mich nicht so recht gehen lassen wollte und mich schon während der Gespräche öfter fragte, ob ich sie nicht heiraten möchte (ich bin 19 J).. Schließlich schafften wir es doch, uns zu verabschieden. Natürlich nicht ohne ihr vorher ein kleines Geschenk zu überreichen.
Nachdem die letzten Tage im Camp auch wie im Flug vergangen sind, und wir uns von allen verabschiedeten (natürlich haben wir am Tag davor noch einmal gefeiert und die Adressen ausgetauscht sowie kleine Präsente vergeben) wollten wir nun das Land auf eigene Faust erkunden. Dabei führte uns unser Trip an den Voltasee, nach Kumasi (auf den größten Markt Westafrikas) nach Cape Cost und in den Kakum Nationalpark, den man, wenn man schon mal in Ghana ist, unbedingt besuchen sollte! In Cape Cost besuchten wir die alten Sklavenhochburgen, gingen schwimmen und verbrachten unsere letzten Tage in der wunderschönen Altstadt. Der Kakum Nationalpark wurde durch seine Hängebrücken bekannt, die sich von Baum zu Baum in bis zu 50 Meter Höhe quer durch den Regenwald ziehen. Dabei hat man die Möglichkeit, die Schönheit der Tropen aus einer ganz anderen Sicht kennen zu lernen. Ein Muss für jeden! Außerdem unterstützt man damit den Erhalt des Nationalparks.
Nach den 4 Wochen in diesem traumhaften Land fiel es schwer, die neu gewonnenen Freunde zu verlassen und wieder ins Flugzeug zu steigen... Allerdings freute man sich auch darauf, den Freunden und der Familie zu Hause alles über die Reise zu erzählen und natürlich konnte man es kaum erwarten, endlich die Bilder zu entwickeln...
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