MTV in Ghana
Meine Zeit in Ghana September 2006 - Mai 2007
Wie alles begann
Im Winter 2005 startete ich in mein letztes Oberstufenhalbjahr und ich war festentschlossen, dass ich nach der Schule etwas komplett anderes erleben möchte als es mir bis zu diesem Zeitpunkt möglich war.
Ich habe dieses Fernweh ernstgenommen und mich dann zunächst gefragt, wie ich diesen wagen Wunsch umsetzten könnte. Es entwickelte sich die Idee eines Freiwilligendienstes in Übersee.
Da wir im Spanisch Leistungskurs die Thematik von Land und Leute in Lateinamerika lange und ausführlich behandelt haben, fiel mein Wunsch zunächst auf den lateinamerikanischen Bereich.
Mein Traumziel war und ist die faszinierende, sowie skandalumwobene Insel Kuba. Ich startete meine Internetrecherche und stieß unter anderem auf die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste. Die Möglichkeit, dass man in einem Umwelt- oder Sozialprojekt direkt mit Einheimischen zusammenarbeiten kann war für mich sehr reizvoll. Als ich feststellen musste, dass kein Kubaprojekt angeboten wurde habe ich mir noch einmal Gedanken über mögliche Zielländer gemacht, wobei meine Wahl sehr schnell auf meinen zweiten großen Favoriten, Ghana, fiel.
Daraufhin folgte meine Anmeldung zum Vorbereitungsseminar für ein MTV, Einstimmen auf Land und Leute, Impfungen, Flugbuchung, Einkäufe, Packen ....Abschiedsfeier. Und dann ging es ab nach Ghana, zusammen mit einem weiteren Volontär.
In Ghana gelandet wurden wir von der Partnerorganisation vom Flughafen abgeholt. Ich wurde direkt zu meiner ghanaischen Gastfamilie in Agona Swedru gebracht.
Mich erwartete eine sechsköpfige, liebe, gastfreundliche, aufgeschlossene und lebendige Gastfamilie. Mir wurde mein neues Zimmer vorgestellt und ich wurde mit Fufu, einem typisch ghanaischen Gericht willkommen. Hierbei handelt es sich um Casava (kartoffelähnlich) und Kochbanane die zu einem Brei gestampft werden und mit einer scharfen Fleischsuppe serviert werden.
In den ersten Tagen wirkte meine gesamte Umgebung, meine Gasteltern und Geschwister zunächst noch traumähnlich und unwirklich. Es lang absolut außerhalb meiner Vorstellungskraft, dass ich dort über ein halbes Jahr lang bleiben würde.
In der ersten Woche war ich mit meiner Gastmutter im Haus bevor mein Projekt im staatlichen Krankenhaus in Agona Swedru begann.
Im Krankenhaus habe ich zunächst einen Monat lang auf der Kinderstation mitgeholfen. Ich durfte dort Körpertemperatur der kleinen Patienten messen, neue Anmeldungen vorbereiten und die Krankenpfleger/innen bei der Medikamentenausgabe unterstützen.
Danach wechselte ich zur Frauenstation, wo ich ähnliche Assistenzaufgaben übernahm. Auf der Entbindungsstation habe ich die Neugeborenen gewaschen und gewogen und Kaiserschnittwunden versorgt. Im Operationssaal habe ich die Durchführung von Kaiserschnitten und die Operationen von Leistenbrüchen beobachtet.
Zuletzt habe ich in der Krankenhaus-Verwaltung mitgearbeitet. Dort fielen überwiegend archivierende und sortierende Tätigkeiten an.
Neben dem Krankenhausprojekt habe ich privat viele soziale Veranstaltungen wie Gottesdienste, Hochzeiten und Beerdigungen zusammen mit meiner Gastfamilie oder Freunden besucht. Ich habe im Haushalt ausgeholfen, mich mit Freunden getroffen, angefangen Tennis zu spielen und bin an Wochenenden auch ml gereist.
In meiner Gastfamilie hatten wir oft ausgelassene “Mensch-Ärger-dich-nicht“-Wettkämpfe in der meine jüngeren Gastbrüder 12 und 13 Jahre, sowie meine Gasteltern um den Sieg “kämpften“. Ein riesiger oft wiederholter Spaß.
“Mensch-ärger-dich-nicht“ oder Ludo ist in Ghana so eine Art “Nationalspiel“ mit vielen schönen Extra-Regeln:=).
Gerade in der Zeit, in der ich in Ghana war, herrschte in ganz Ghana eine diskontinuierliche Wasser- und Stromversorgung. Dementsprechend saß man im regelmäßigen Abstand von ca. drei Tagen rund 12 h im Dunkeln oder hatte kein fließend Wasser. Was natürlich unser aller Geduld und Kreativität herausgeforderte, um sich trotz Finsternis am Abend zu beschäftigen.
So spielten wir oft Gemeinschaftsspiele im Lichterkreis der Kerzen, führten lange Gespräche oder gingen einfach ins Bett.
In Ghana läuft die Zeit insgesamt langsamer. Die Menschen sind ruhiger, nehmen sich mehr Zeit für Familie und Freunde, genießen ihre lang- und liebevoll zubereiteten Mahlzeiten und ihren Feierabend. Es ist ein Land voller Gastfreundschaft und Lebendigkeit, wobei es auch hier, wie überall Ausnahmen gibt.
Nach meinem Agona Swedru Krankenhausprojekt und liebevollen Familienleben bin ich zusammen mit einem anderen Volontär vier Wochen lang durch das land gereist. Die Menschen schenken der Andersartigkeit von Fremden große Aufmerksamkeit und es geht nicht selten sogar so weit, dass sie einem “Obroni“ (was so viel wie “Weiße/r bzw. Fremde/r“ bedeutet) hinterher rufen wird.
Viele Einheimische verbinden mit der hellen Hautfarbe und der offensichtlichen anderen, ausländischen Herkunft Reichtum und Wohlstand, woran man sich mit der Zeit gewöhnen muss. Man ist ein Gast in einer fremden Welt, in der man auf Vorurteile stößt. Das Reisen war im Grossen und Ganzen absolut unproblematisch und friedlich, wobei man sich jedoch auf landestypische Fortbewegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten um- bzw. einstellen muss.
Verkehrsmittel sind in Ghana vor allem alte Kleinbusse und Taxis. Kleinere Hotels bieten meist Zimmer ohne Moskitoschutz und mit gemeinschaftlich nutzbaren sanitären Anlagen.
Die gesamte Zeit habe ich glücklicherweise ohne Malaria Probleme überstanden, nur hin und wieder tauchten mal kleine Magen-Darm-Probleme auf.
Nicht zu vergessen ist auch die Vielfalt der wunderschönen, farbenprächtigen und einzigartigen afrikanischen Gewänder und Kleider.
Es scheint, als wenn jede/r Ghanaer/in einen persönliche/n Schneider/in hätte, da alle von jung bis alt, vor allem zu Gottesdiensten, Hochzeiten und Beerdigungen, anmutige, kreative, edle und formvollendete afrikanischen Kleider, Hemden, Gewänder...tragen. Es ist ein wahres Vergnügen die festlichen gekleideten Menschenströme bei gegebenen Anlässen zu beobachten.
Ich habe die Zeit in Ghana sehr genossen und kann jedem nur empfehlen ins Ausland zu gehen und warum nicht Ghana?! :)
Adina B.