MTV in Ghana 2009
Sophie K.
Name der Partnerorganisation: ARA
Name und Ort des Projektes: 211 Environmental Protection, Ghana, Department of Parks & Gardens
Inhaltliche Ausrichtung: Gartenarbeit bei einem Pflanzenvertrieb/Baumschule
Zeitpunkt: Juli/ August 2009
So kam ich zum MTV…
Nach meinem Laborpraktikum in Montpellier, wusste ich, dass ich unbedingt wieder ins Ausland möchte. Doch diesmal sollte es etwas exotischer und unbekannter als Südfrankreich sein. Ich entschied mich deshalb für Afrika. Die vielen positiven Berichte über Ghana und über die Mentalität der Menschen dort führten dazu, dass meine Wahl auf Ghana traf. Dass ich an einem Umweltschutzprojekt teilnehmen möchte, war für mich recht schnell klar, denn ich interessiere mich für dieses Thema und hoffte außerdem etwas über Umweltschutzthemen zu lernen, was mir vielleicht in meinem Studium für Geoökologie nützlich sein könnte. Weitere Gründe, weshalb ich mich für ein MTV entschied waren, dass ich die Herausforderung annehmen wollte, mich auf eine für mich fremde Kultur und Lebensweise einzulassen und auch der Wunsch, eine sinnvolle und nützliche Tätigkeit zu übernehmen.
Außerdem reizte mich die Erfahrung, jenseits vom luxuriösen europäischen Lebensstil zu leben.
Ich ging also mit den Vorsätzen, so viel wie möglich über Land und Leute zu erfahren, mich so gut wie möglich in mein MTV-Projekt einzubringen sowie mich bestmöglich in das Leben meiner Gastfamilie zu integrieren und überhaupt das beste aus jeder Situation zu machen, auch wenn alles ganz anders kommt als gedacht.
All diese Vorsätze festzulegen war leichter, als sie umzusetzen. Doch erst einmal der Reihe nach…
Nachdem ich alle möglichen Impfschutzmaßnahmen getroffen hatte und alle möglichen Reiseutensilien für tropische Länder (wie Mückenschutz, Moskitonetz, was übrigens viel billiger vor Ort ist, Medikamente, wofür das gleiche gilt, Schlafsack, der so dünn wie möglich sein sollte) besorgt hatte, fühlte ich mich ganz gut vorbereitet auf Ghana.
Ich vermied jedoch, mir zu viele Gedanken über meine Situation vor Ort zu machen, da ich nicht enttäuscht werden wollt. Ich ließ es einfach auf mich zu kommen.
Als ich am 7.Juli in Accra, der Hauptstadt von Ghana, ankam, war ich zunächst froh, dass mit dem Flug alles geklappt hat und mein Gepäck auch noch vollständig war.
Es hat mich gefreut, dass ich gleich 2 bekannte Gesichter am Flughafen zu sehn bekam- Caro und Phillip, die auch ein MTV in Ghana machten. Der erste Eindruck von Accra war nicht sehr positiv, und das sollte sich auch nicht großartig ändern während meines Aufenthaltes in Ghana. Denn die Hauptstadt ist die größte und chaotischste Stadt in Ghana, sie ist praktisch wie ein überdimensionales Dorf, abgesehen vom modernen Zentrum. Kingsleys großes und nach europäischen Maßstäben ausgestattetes Haus (Kingsley, dervDirektor der Partnerorganisation ARA)in Accra, wo ich mit den anderen beiden MTV-Teilnehmern meine erste Nacht in Ghana verbrachte, stand jedoch im starken Kontrast zur ärmlichen und dörflichen Umgebung.
Wir wurden sehr gut versorgt von Kingsleys Familie und hatten auch eine kleine Einführung zum Thema Umgang mit der Gastfamilie, die ganz nützlich war.
Zwei Tage später war ich dann auch schon in Koforidua, wo mein MTV stattfand.
Ich wurde zunächst meiner Familie vorgestellt, die sehr nett und aufgeschlossen war, mir aber auch gleich gewisse Verhaltensregeln mitteilte. Dann gings gleich weiter zu meinem Projekt, was eigentlich kein richtiges Umweltschutzprojekt war, sondern eine staatliche Institution namens Parks & Gardens, die eine Gärtnerei betreibt sowie die Pflege von Grünflächenanlagen in Städten, landwirtschaftliche Tätigkeiten und andere umweltbezogene Aufgaben übernimmt.
Meine Arbeitskollegen waren zwar alle sehr freundlich, aber dennoch blickte ich mit Skepsis auf die kommenden Wochen bei Parks & Gardens. Denn ich war die einzige Freiwillige dort und meine älteren ghanaischen Arbeitskollegen sprachen untereinander nur Twi (afrikanische Landessprache) und taten sich schwer mit Englisch, wodurch ich mich etwas einsam fühlte.
Zudem war die Arbeit recht einseitig, und eigentlich nur spaßig, wenn man sich nebenbei mit jmd. unterhalten konnte. Zu meinen Hauptaufgaben zählten, Äste schneiden und Plastiktüten, die als Töpfe dienten, mit Erde füllen und anschließend die neuen Pflanzen einsetzen.
Als meine Unzufriedenheit nach einer Woche nicht verringerte, entschied ich mich, mich an die Organisation zu wenden und nach einer Möglichkeit für eine andere Arbeitsstelle zu fragen. Und die gab es tatsächlich, neben der Baumschule gab es nämlich noch ein Umweltschutzbüro (EPA, Environmental Protection Agency).Allerdings schien es gar nicht so leicht für meine Organisation zu sein, sich mit dem Direktor von EPA Verbindung zu setzen. Aber nach einer Woche hat es dann doch geklappt und als ich mein erstes Gespräch bei EPA hatte, war ich zuversichtlich, mich hier wohler zu fühlen und mehr über Umweltschutz lernen zu können.
In den ersten Tagen hatte ich die Gelegenheit mich über die Arbeitsweise und die verschiedenen Aufgabenbereiche von EPA zu informieren. In den kommenden Tagen hatte ich die Chance direkt bei der Arbeit vor Ort dabei zu sein. So konnte ich z.B. eine Arbeitsgruppe bei der Inspektion einer Textilfirma begleiten, die verdächtigt wurde, ihr Industrieabwasser in die Umgebung zu leiten, was sich dann auch bestätigt hat, oder ich konnte bei Sicherheitskontrollen von Düngemittelgeschäften zu sehen.
Dies war sehr interessant für mich, auch wenn ich eigentlich nur beobachten und nicht mitarbeiten konnte, da mir die nötige Ausbildung fehlte. Das war generell das Problem bei EPA, dass ich keine richtige Aufgabe hatte und mir Zeit oft mit Internetrecherche vertrieb. Ich entschied deshalb zwischen Parks& Gardens und EPA zu wechseln, denn bei der Gärtnerei konnte ich mich auf jeden Fall nützlich machen, auch wenn die Arbeit weniger interessant war.
Mit der Zeit lebte ich mich dennoch ganz gut ein und versuchte auch mein Bestes in Sachen Twi lernen, was meine Arbeitskollegen versuchten mir eifrig beizubringen. Ich nutzte zudem die Gelegenheit, um alle möglichen Pflanzennamen und deren Nutzen in Erfahrung zu bringen. Der Chef von Parks& Gardens, hat mir sogar eine Privatführung durch einen Botanischen Garten gegeben, wodurch ich zusätzlich etwas über die verschiedensten tropischen Pflanzenarten lernte.
Während meines MTV in Ghana hatte ich viel Zeit, da ich nur 3-4h am Tag arbeiten sollte. Ich habe die Nachmittage deshalb oft am Geschäft von meiner Gastfamilie verbracht, wo sich meistens mehrere Familienangehörige aufhielten, u.a. mein älterer Gastbruder und seine Cousine.. Wir haben uns die Zeit häufig mit Ludo-spielen vertrieben oder mit Diskussionen über Religion, wirtschaftliche Entwicklung Ghanas und übervdie Zukunftspläne von meinem Gastbruder Prosper, die sehr ideenreich waren. Ich bin auch öfters über den Markt von Koforidua geschlendert oder habe mich mit anderen Freiwilligen oder Weltwärts-Teilnehmern getroffen, was mich gerade am Anfang sehr aufgemuntert hat. Des Öfteren habe ich auch die Zeit genutzt um Ausflüge in die landschaftlich sehr schöne Umgebung von Koforidua zu unternehmen.
An den Wochenenden bin ich meistens mit anderen MTV-Leuten herum gereist. Wir haben dabei so manche für uns teilweise unerklärliche ghanaische Verhaltensweisen kennen gelernt, z.B. die chaotische Fahrweise von vielen Tro-Tro-Fahrern (Kleinbusse) oder die nie endenden und teilweise sehr anstrengenden Oburoni-Rufe (übersetzt: Weiße), die aber meistens positiv und freundlich gemeint sind.
Eine meiner wertvollsten Erfahrungen in Ghana war, dass ich bei einer sehr aufgeschlossenen und liebenswerten ghanaischen Familie leben durfte, die mich sehr viel über ghanaische Traditionen, die Bedeutung der Religion, die ghanaische Küche, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme im Land und das Familienleben gelehrt hat. Vor allem meinem Gastvater, der Pastor ist und sehr gut Englisch sprechen konnte, habe ich alles Mögliche über Ghana fragen können. Meine Gastmutter und meine jüngeren Gastschwestern konnten leider nicht so gut Englisch, aber ich konnte dennoch kürzere Gespräche mit ihnen führen. Generell habe ich sehr die ausgelassene Lebensfreude von meiner Familie bewundert, die man in Ghana oft zu spüren bekommt.
Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich froh bin, ein MTV in Ghana gemacht zu haben, auch wenn mir das Eingewöhnen am Anfang schwer viel und ich mich fehl am Platz fühlte. Doch zum Schluss wäre ich auch gerne noch länger dort geblieben. Denn ich habe meine Gastfamilie ins Herz geschlossen und auch meine netten Arbeitskollegen lieb gewonnen.
Was nehme ich aus Ghana mit…
Durch meinen Aufenthalt dort, ist mein Interesse an Entwicklungspolitik und Konfliktbewältigung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern gestiegen.
Generell ist mein Bewusstsein für die afrikanische Geschichte und Kultur größer geworden.
Zudem weiß ich nun den luxuriösen Lebensstil, den wir in Deutschland führen erst richtig zu schätzen.



