MTV in Ghana 2009
Gustav B
ARA (Agriculture and Rural Development Association )
Health Care; Arbeit im Krankenhaus in Agona Swedru, 80 km von Accra
Arbeit im Krankenhaus im Op und in den Krankensälen
August/September 2009 9 Wochen
Ghana – 2009
Ankunft in Accra am 29.08.2009 um 12.00 mittags.
Ich habe eine mehr als 24-stündige Reise hinter mir.
Völlig k.o. warte ich am Gepäckfließband auf meinen Rucksack. Nach 20 Minuten sind alle Fluggäste mit ihrem Gepäck verschwunden, nur ich warte noch, doch mein Gepäck kommt nicht.
Also auf zur Info. Mein Gepäck scheint noch in Dubai zu liegen, sagt man mir.
Gut; macht auch schon nichts mehr, viel Lust auf Ghana habe ich nach meinen ersten Eindrücken sowieso schon nicht mehr. Also verlasse ich die Sicherheitszone und das Flughafengebäude, um nach der Person zu suchen, die mich am Flughafen abholen soll. Ich sehe viele Schilder mit Organisationsnamen, nur ARA ist nicht dabei.
Na gut, ich kaufe mir eine Handykarte und rufe bei meiner Organisation an, die Person sei auf dem Weg, sagt man mir. Endlich kann ich mich mal etwas entspannen und setze mich; sofort umlagert von Ghanaern, die mein Wohlbefinden anscheinend besonders interessiert. Nach anderthalb Stunden kommt ‚Eric’, er soll mich zu dem Organisationschef nach Hause bringen, sagt er. Also machen wir uns auf den Weg.
Schon ab hier fängt der Aufenthalt an richtig gut und interessant zu werden, die erste Fahrt mit dem Tro-Tro, Eric, mit dem man sich gut unterhalten kann und erste Eindrück von Accra, der Hauptstadt Ghanas.
Als ich dann endlich Abends bei ‚Kingsley’, dem Chef der Organisation, angekommen bin und dort im Bett liege, bin ich ziemlich geschafft. Trotz des erfolgreichen ersten Tages, habe ich immer noch habe ich einige Zweifel: Warum tue ich mir das eigentlich an? Das ganze Theater ? Das muss doch nicht sein!
Berlin, irgendwann im Mai 2009
Mein Architekturstudium habe ich abgebrochen, 2 Praktika im Marketing für ein mögliches BWL-Studium habe ich absolviert.
Doch, was will ich eigentlich wirklich machen? Ich kann mich einfach wirklich nicht entscheiden.
Verreisen? Hab ich schon öfters gemacht, 2008 nach Cuba, hat zur Architektur geführt, anscheinend ja auch nicht das Richtige.
Als eine Freundin mir von ijgd erzählt, bin ich relativ schnell überzeugt. Warum?
Weil die Kombination aus neuem Land, also verreisen + dort Arbeiten und so das Land vielleicht sehr viel intensiver kennenlernen als ein normaler Tourist, überzeugend wirkt, finde ich.
Zumal ich mir denke wenn man sich schon nicht entscheiden kann, muss man halt mal was ganz Neues probieren, vielleicht bringt es ja eine gewisse Bewusstseinserweiterung...
Accra, Anfang August 2009
So gespannt ich im Mai noch war, so ganz anders fühle ich mich doch jetzt.
Ich nehme selten Dinge auf die leichte Schulter; sollte ich mir aber diesmal zuviel zugetraut haben?
Mein Rucksack ist mittlerweile angekommen, ich bin jetzt 4 Tage in Ghana.
Meine Stimmung wird langsam besser, auch weil wir heute in die Gastfamilien kommen sollen. Einen anderen ‚Volunteer’ habe ich jetzt auch schon kennengelernt, Miriam aus Wien.
Wir nehmen zusammen mit unserem Project Manager ‚Henry Yanney’ ein Tro-Tro nach Agona Swedru. Dort werden wir die nächsten zwei Monate leben.
Nach sicher 6 Stunden Fahrt für 80 Kilometer kommen wir um 23.00 Uhr an.
Angespannt und müde werde ich der Familie vorgestellt.
Doch die nimmt mich wirklich herzlich auf, sie zeigen mir mein Zimmer und geben sich große Mühe, freundlichen Smalltalk auf Englisch zu machen.
Als ehemalige Britische Kolonie ist Englisch in Ghana immer noch sehr verbreitet und Amtssprache.
Ich habe kein eigenes Zimmer, sondern teile mir mein Zimmer mit meinem Gastbruder(19) und seinem Cousin(15).
Obwohl meine eigentliche Familie nur aus vier Leuten besteht, sind in unserem Store Building nie weniger als 7 Leute, alles Familienangehörige wie Cousins und Cousinen, Schwestern und Brüder, aber auch Angestellte meiner Gastmutter, die im Haushalt mithelfen.
Meine Gastfamilie besteht aus Asta (31), Unista (30), Shalissta (1,5) und Stanley (0,5). Meine Zimmergenossen müssen wesentlich mehr Aufgaben im Haus übernehmen als meine Gastmutter selbst. Hier fällt einem das erste Mal auf, dass das Verständnis von Familienzusammenleben ein ganz anderes ist, als in Deutschland. So müssen besonders Jüngere aus Respekt vor dem Alter viele Aufgaben übernehmen. Ich als Gast und Mitbewohner werde zwar eingebunden, aber nur für leichte Aufgaben, sowie das Haus fegen etc.
Nachdem ich mich übers Wochenende ein wenig in der Familie eingelebt habe, soll am Mittwoch mein erster Arbeitstag sein. Ich hatte mich für ein „Projekt“ im Krankenhaus beworben und sollte das auch machen.
Jeden morgen muss ich eine Dreiviertelstunde mit dem Tro-Tro nach Agona Nsaba fahren und dort arbeite ich im Out-Patients-Department: Blutdruck und Temperatur messen und Gewicht checken, dann nach den Problemen fragen und alles aufschreiben, für den Arzt, der dann die Diagnose machen kann. Das sind meine Aufgaben.
Nach ein paar Wochen hatte sich dann allmählich alles eingepegelt.
Die Kommunikation zu meinen Arbeitskollegen wurde immer besser und ich lernte viel. Auch in meiner Familie fühlte ich mich langsam integriert. Trotzdem habe ich versucht, jedes Wochenende zu verreisen, denn dann wurde es oft ein wenig langweilig in meinem Dorf. Dazu trafen sich meistens andere ijgd-ler aus der Umgebung am Freitagnachmittag und man fuhr dorthin, wo es nach Bradt-Guide (dem englische Reiseführer für Ghana) am schönsten oder interessantesten war.
Diese Wochenenden waren oft sehr angenehm, da man endlich mal auch einiges loswerden konnte, was sich über die Woche so angestaut hatte.
Auf dem ijgd- Vorbereitungsseminar hatte ich mich natürlich länger mit einer Rückkehrerin aus Ghana unterhalten und diese hatte mir schon einiges über die Partnerorganisation erzählt.
Der Austausch mit der Rückkehrerin auf dem Seminar war natürlich die beste Vorbereitung gewesen, die man sich wünschen kann.
Mit der Betreuung durch die Partnerorganisation ARA war ich meist sehr zufrieden. Natürlich geht nicht alles so schnell und pünktlich wie in Deutschland, aber ARA Gibt sich große Mühe, zur Zufriedenheit aller zu arbeiten.
Für uns MTV-ler gab es fast alle zwei Wochen ein Treffen, dass von der Organisation organisiert war und auf dem man seine Sorgen loswerden konnte. Für Weltwärts-ler gab es ein anderes Treffen, an dem man aber wenn man wollte auch teilnehmen konnte.
Doch auch die theoretisch abgehandelten und diskutierten Themen haben mir oft geholfen, besonders zum Beispiel die Kulturschockkurve, die mich faszinierte und sich auch bewahrheitete.
Ich habe so in Ghana Erfahrungen gemacht, die mein Leben und mich selbst mit Sicherheit prägen werden.
Besonders natürlich die Arbeit im Krankenhaus und das Herumreisen im Land, oft auch alleine, wenn ich mal alleine sein wollte.
Die Arbeit hat mich natürlich sehr interessiert, ich habe viele schlimme Dinge gesehen und habe dort sehr viele Erkenntnisse gemacht, was den Umgang mit Patienten in Afrika betrifft. Ich habe mich übrigens für ein Medizinstudium entschieden, auch wenn der Weg dahin noch lang sein wird.
Das alleinige Herumreisen war eine andere Erfahrung, bei der man sehr viele spannende Dinge erlebt, z.B. nachts im Urwald schlafen etc.. Aber auch die Konfrontation mit einer anderen Kultur an sich, mit allem was dazu gehört, seien es Kommunikationsschwierigkeiten, Heimweh oder Aufregung am Flughafen, ist schon ein Erlebnis, welches ich sehr schätze. Und wenn ich nun im Nachhinein zurückdenke,
an meine Zeit in Ghana, fange ich bereits an sie zu vermissen.





