MTV in Ghana
Name: Luise Z
Name der Partnerorganisation: ARA
Name und Ort des Projektes: Swedru Government Hospital; Agona Swedru (Central Region GHANA)
Inhaltliche Ausrichtung: Health Care
Zeitpunkt: Anfang September – Ende November 2009
Dauer: 3 Monate
„Nach Afrika!!! Warum denn Afrika??? Muss das denn sein???“ Diese Reaktion durfte ich mir nur zu oft anhören, wenn ich von meinem Plan, einen Freiwilligendienst in einem ghanaischen Krankenhaus zu machen, erzählte. Aber wie kam ich eigentlich dazu ein MTV in Ghana zu absolvieren? Im Juni 2009 habe ich Abitur gemacht. Für mich stand schon lange vorher fest, dass ich nicht sofort mit einem Studium oder ähnlichem beginnen würde, sondern unbedingt ins Ausland gehen wollte...eben was von der Welt sehen. Allerdings hatte ich weder auf Aupair noch Work and Travel irgendwelche Lust, Länder wie, die USA oder Australien haben mich derzeit nicht interessiert und ich wollte nicht länger als 6 Monate unterwegs sein. Ganz schön viele Ansprüche, die es zu berücksichtigen galt:) Seit einem Aufenthalt in Indien mit meinen Eltern bei dem mir große Armut und Elend begegnete, wurde mir bewusst, dass ich ein sogenanntes Dritte-Welt-Land bereisen wollte, um wenigstens den Versuch zu unternehmen, Menschen, denen es viel schlechter geht als mir, zu helfen. Ich durchforstete wochenlang das Internet und bin schließlich auf die Seite von ijgd gestoßen. Dort fand ich dann all das, was ich wollte in einem MTV, da dieses maximal 6 Monate geht und man sich selber aussuchen darf, wann man in sein jeweiliges Wunschland fliegen möchte. Dass nun ausgerechnet Ghana mein Gastland wurde, lag im Großen und Ganzen daran, dass Englisch dort die Amtssprache ist, ich noch nie in Westafrika gewesen bin und mein Traumprojekt Health Care von der ghanaischen Organisation ARA angeboten wurde. Daraufhin hatte ich mich bei ijgd um mein gewünschtes MTV beworben, habe das Vorbereitungsseminar mitgemacht und bekam wenig später Bescheid, dass mit meinem Freiwilligendienst alles klappen würde. Nun hieß es im Vorfeld natürlich noch alle Vorbereitungen zu treffen, was sich im Groben aus einem Impfmarathon, Einkaufen für 3 Monate Afrika und dem Belesen über Land und Leute zusammensetzte. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mich, als alles erledigt war, schrecklich gefühlt, da ich auf einmal doch richtig Angst bekam, was mich in Ghana erwarten würde und ich das Gefühl hatte mich doch etwas „überschätzt“ zu haben. Aber nun gab es kein zurück mehr für mich...so saß ich am 05.09.09 im Flugzeug mit dem Ziel der ghanaischen Hauptstadt Accra und 6,5 Stunden später hieß es: „AKWAABA – WELCOME TO GHANA“. Glücklicherweise kamen am selben Tag noch 2 andere Freiwillige an, welche ich schon vom Vorbereitungsseminar kannte, so da hat man sich nicht so allein gefühlt. Wir 3 wurden von jemandem unserer ghanaischen Organisation am Flughafen abgeholt und in ein Hostel von ARA gebracht. Als wir dort ankamen, war es schon dunkel und zu meiner Verblüffung traf ich auf bestimmt noch weitere 40 Freiwillige in dem Hostel. Wie ich später erfahren habe, waren dies alles LTVler, welche am weltwärts-Programm teilnahmen und für 1 Jahr in Ghana blieben. Am nächsten Tag wurden wir dann in unsere Gastfamilien gebracht. Ich hatte erst am Abend vorher erfahren in welcher Stadt und bei welcher Familie ich leben würde und war furchtbar aufgeregt, meine Gasteltern zu treffen. Mich hat es schließlich nach Agona Swedru in der Central Region verschlagen. Endlich dort angekommen war ich sehr positiv überrascht...ich hatte mit dem schlimmsten gerechnet, aber zu meiner Freude hatte ich sehr nette Gasteltern, mein eigenes Zimmer mit Schlüssel, welches ich ganz allein bewohnte und es gab sogar ein ganz normales Klo mit Spülung:) Außerdem wich meine anfängliche Enttäuschung, dass meine Gasteltern keine Kinder hatten sehr bald, denn in der Nachbarschaft lebten 9 Kinder, welche mich immer genug beschäftigten! Ein weiterer positiver Effekt war, dass ich nur 7 Minuten zum Swedru Government Hospital, das Krankenhaus in dem ich arbeitete, laufen musste. Zuerst arbeiteten nur ich und eine LTV-Voluntärin in diesem Krankenhaus, aber nach einem Monat kamen noch 2 andere MTV-Freiwillige dazu, sodass wir dann zu viert im Swedru Hospital waren. Am Anfang arbeitete ich 2 Wochen auf der Frauenstation, was mir allerdings nicht wirklich gut gefiel, da mich die Schwestern noch sehr skeptisch beäugten und nicht wirklich wussten, was ich auf der Station sollte oder wer ich war bzw. warum ich überhaupt nach Ghana gereist war (die Informationen, die das Krankenhaus seitens meiner Organisation ARA erhielten, bedurften noch Erklärungsbedarf). Außerdem war der Stationsalltag auch etwas eintönig, da Malaria die häufigste Erkrankung war. Aufgrund meiner fehlenden medizinischen Ausbildung, beschränkte sich mein Aufgabenfeld auf Putzen, Ausfüllen von Patientenakten, Hol -und Bringdiensten von Krankenakten und Medikamenten oder Beobachten der Behandlung von Patieten (Medikamentation, Infusionsgabe, etc.). Nach 2 Wochen wechselte ich in den OP (wo auch die LTV-Volunteerin arbeitete), in dem ich letztlich 7 Wochen blieb. An der Länge meines Aufenthalts im OP wird deutlich, wie viel Spaß mir die Arbeit dort gemacht hat. Meine Arbeit bestand größtenteils im Reinigen des Operationsbestecks nach einer Operation, Reinigen der Stationen bzw. Vorbereiten der Operationssäle, dem Beobachten von Operationen (Kaiserschnitte, Abtreibungen, Sterilisationen, Darm-OPs, Leistenbrüche, Prostataverkleinerungen, Entfernen von Myomen, Penisbeschneidungen bei Neugeborenen, . . .) und dem Vorbereiten von Wundversorgungsmaterial (Mullbinden, Watte) oder dem Assistieren bzw. eigenständige Wundversorgung bei Patienten (offene Fleischwunden, Schürfwunden). Zu guter Letzt war ich noch 2 Wochen auf der Entbindungsstation, welche mir auch sehr gut gefiel. Dort durfte ich eigenständig Kaiserschnittnarben und Bauchnabel bzw. Nabelschnüre bei Neugeborenen desinfizieren, Neugeborene waschen und wiegen, Geburten beobachten, Krankengeschichten von Patienten in die jeweiligen Krankenakten bzw. Stationsakten dokumentieren und bei der täglichen Visite des Arztes anwesend sein. Mein sonstiger Alltag bestand meist darin, dass ich nach Arbeit in die Stadt ging, ins Internet-Café oder mich mit anderen Freiwilligen traf. Am Abend aß ich dann mit meiner Gastfamilie oder spielte mit den Nachbarskindern. Am Wochenende bin ich immer durchs Land gereist, anfangs noch mit meinem Gastvater, später allerdings nur noch mit einer anderen MTV-Voluntärin. Die Verständigung untereinander funktionierte im Großen und Ganzen meist gut. Irgendwann hatte ich mich vollkommen an das Englisch mit dem ungewohnten Akzent gewöhnt und hatte beispielsweise keinerlei Verständigungsprobleme mit meinen Gasteltern. Bei fremden Ghanaern war es manchmal schon etwas schwierig, aber wie man so sagt, mit Händen & Füßen klappte auch das irgendwann:) Desweiteren konnte man bei jedem Ghanaer Stürme der Begeisterung hervorrufen, indem man ein paar Brocken in Fanti sagte: „Ä te seyn? Aye! Medaase.“ und jeder Ghanaer war glücklich! Jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, kann ich nur sagen, dass ich so froh und glücklich bin, diesen großen Schritt für mich gewagt zu haben. Es war eine gute Entscheidung und ich bin so stolz, dass mich nie der Mut verlassen hat und ich die 3 Monate durchgezogen habe, obwohl es auch oft genug Zeiten gab, wo mich alles und jeder angekotzt hat, wo ich es nicht mehr ertragen konnte immer der „Obruni“ zu sein (der „steinreich“ war und jeden mit nach Deutschland nehmen sollte) oder mich anfassen lassen zu müssen, als ich krank war (ich hatte Malaria:) und ich nur noch nach Hause wollte. Letztlich überwog jedoch immer dieses aufregende Gefühl in einer völlig anderen und neuen Kultur zu „leben“, viele interessante und oft so hilfsbereite Menschen aus aller Welt kennenzulernen und schließlich hat einen das afrikanische Lebensgefühl, der „Ghanaian Way of Life“, einfach gepackt und man konnte sich gar nicht mehr vorstellen irgendwann wieder in sein „normales“ Leben zurück zu kehren. Als ich nach Ghana kam, hatte ich einen Kulturschock und als ich wieder zurück in Deutschland war, ging es mir ganz genau so und am liebsten wollte ich zurück! Mein Aufenthalt in Ghana war auf jeden Fall eine Erfahrung fürs Leben, aber ich habe auch ein bewussteres Empfinden bzw. eine größere Wertschätzung mancher Dinge (Dusche; Bad; Essen; Menschen, die man liebt, zu Hause), ein Leben ohne Luxus bzw. Übung in Verzicht, Mut und neue Selbstständigkeit gelernt.
Weiterhin muss ich sagen, dass ich einen Freiwilligendienst machen wollte, da ich das Bedürfnis hatte zu helfen. Jedoch kam ich mir in meinem Projekt sehr oft ungebraucht vor und konnte nicht wirklich helfen (jedenfalls nicht so, wie ich mir das vorher vorgestellt hatte). Allerdings habe ICH sehr viel gelernt bzw. Erfahrungen gesammelt, weshalb ich immer das Gefühl hatte, dass MIR dieser Aufenthalt im Krankenhaus sehr viel gebracht hat. Deshalb hat meine MTV-Teilnahme auf jeden Fall Konsequenzen für mein weiteres Leben. Ich hatte schon vorher mit dem Gedanken gespielt Medizin zu studieren, weshalb ich mich schließlich auch für das Health Care Projekt bewarb. Aber nun weiß ich, dass ich theoretisch dafür geeignet bin Ärztin zu werden, da ich etliche Operationen, Geburten, Abtreibungen, etc. gesehen habe und ich es einfach großartig fand bzw. keinerlei Probleme mit Blut, Gerüchen, Wunden oder ähnlichem hatte. Desweiteren möchte ich gerne nochmal zurück nach Ghana gehen, da ich dort weiter machen will, wo ich vor meinem Rückflug aufgehört habe:)
Für mich war Ghana eine Erfahrung für mein ganzes Leben, welche ich niemals vergessen werde. Aufgrund dessen kann ich nur jeden bestärken, der den Wunsch hat sich in ein ähnliches Abenteuer zu stürzen...MACHT ES, ES LOHNT SICH WIRKLICH...lasst euch zum Beispiel vom „Ghanaian Way of Life“ anstecken...und vielleicht heißt es auch für euch bald: „AKWAABA – WELCOME TO GHANA“!!!




