MTV in Ghana 2009
Nina H
ARA
Childrens Home Orphanage in Gomoa Achiase
September - Dezember 2009 (3 Monate)
Den ersten Kontakt mit dem afrikanischen Kontinent hatte ich mir deutlich anders vorgestellt. Aufregend, gespannt auf das Neue und voller Neugier und Vorfreude bin ich in Deutschland gestartet. Als ich aus dem Flugzeug stieg war mein Gefühlschaos zwar groß, aber die positiven Gefühle waren verschwunden. Im Gegenteil: ich war hundemüde, genervt und verängstigt, denn ich kam nicht wie geplant am hellen Nachmittag in Accra an, sondern wegen ewiger Verspätung erst um Mitternacht. Das erste Mal in Afrika, einem fremden Land, nicht wissen wo man hinsollte und das alles bei Nacht?! Hoffentlich würde mich jemand wie verabredet abholen! Aber was sollte ich tun, wenn niemand hier war? Ist ja zu dieser Uhrzeit denkbar...
Aber als ich dann mit meinem Gepäck durch die Schiebetür in die Ankunftshalle kam, sah ich schon von weitem das Schild mit meinem Namen darauf. Da fiel mir erstmal ein Stein vom Herzen… Henry hatte etwa sieben Stunden auf eine einzelne MTVlerin gewartet! War ich froh!
Mit dem ARA- Kleinbus ging es dann erstmal quer durch Accra, die Hauptstadt Ghanas, zum ARA- Hostel. Dieser erste Eindruck war nicht gerade positiv. Zwar waren die Straßen leer (tagsüber sieht das ganz anders aus), dennoch verwirrten mich die Straßenkontrollen. Die Polizisten leuchteten mit ihren Taschenlampen in jedes Auto und trugen ihr Gewehr auf dem Rücken. Nicht gerade ein freundlicher Empfang… aber viel mehr hatte ich mit der sehr drückenden und warmen Luft zu kämpfen.
Nach zwei Tagen Aufenthalt im ARA- Hostel, zusammen mit den weltwärts- Freiwilligen, wurde ich sonntagabends zu meiner Gastfamilie gebracht, die mich herzlich mit "Plantaines“ und einer Cola empfingen. Für die nächsten drei Monate würde ich also in dem kleinen Dorf Gomoa Afransi in der Central Region wohnen, das sogar eine Kreuzung und mehr oder weniger geteerte Straßen hatte. Ich war in einem kleinen ghanaischen Dorf gelandet, das ich mit der Zeit lieben lernte und gegen keine Stadt getauscht hätte!
Dennoch waren die ersten Tage keine leichte Zeit. Zum einen konnte ich erst später in meinem Projekt anfangen und zum anderen wusste ich einfach nicht, wie ich mit den Zurufen der Ghanaer umgehen sollte. Ständig hörte ich sie „Obruni“ (Weiße) rufen, was manchmal nicht sehr angenehm war. Das Schlimmste war allerdings, das ich gleich das erste Wochenende im Bett verbringen musste, da ich alles Nahrhafte von mir gab. Die Klimaänderung und die Umstellung der Essgewohnheiten zeigten ihre Spuren. Meine Gasteltern und die Mitarbeiter von ARA kümmerten sich sehr lieb um mich. Mein Gastpapa organisierte sogar mitten in der Nacht ein Auto (Taxis fahren zu dieser Zeit keine mehr), um mich ins Krankenhaus zu bringen und blieb die ganze Nacht mit mir dort.
Nach diesem Zwischenfall durfte ich mich langsam ans ghanaische Essen gewöhnen, was ganz gut klappte.
In meiner Familie fühlte ich mich sehr wohl. Meine Gasteltern waren die Besten. Ihnen konnte ich auch viele Fragen über ihre Kultur und Gewohnheiten stellen. Vor allem das Beisammensitzen nach dem Abendessen (bei dem sich oft Freunde und Nachbarskinder zu uns setzten) habe ich immer genossen. Auch wenn ich meist nicht viel von ihren Gesprächen auf Fanti verstand, war diese Sprache einfach so lustig anzuhören…
Drei meiner sechs Geschwister waren schon ausgezogen, die drei jüngeren wohnten noch Zuhause. Als ich meine Schwester Jennifer in dem Dorf besuchte, in dem sie zur Schule ging, war ich doch ein bisschen erschrocken, wie sie lebte. Sie wohnte in einem sehr kleinen Zimmer mit Bett und Schreibtisch – allerdings ohne Matratze – und ihre Kleider waren nur in einer Tasche verstaut. Es war nicht selbstverständlich, dass meine Gasteltern für die Schulgebühren aufkommen konnten. Zeitweise musste Jennifer wegen fehlendem Geld zu Hause wohnen und konnte nicht in die Schule. Umso unangenehmer war mir Jennifers typisch ghanaische Gastfreundschaft. Extra für mich kaufte sie Yam und frischen Fisch auf dem Markt. Sie aß etwas anderes. Doch alleine schmeckte es mir nur halb so gut und deshalb wollte ich nicht aufessen. Ihr Kommentar war nur „Du musst essen! Ich will, dass du dich an mich erinnerst, weil du bei mir sooo viel Essen bekommen hast!“ Also aßen wir es zusammen auf und waren glücklich.
Bei meinem Projekt, dem Childrens Home Waisenheim ein Dorf weiter lernte ich weitere Freiwillige kennen. Da es im Heim nicht allzu viel zu tun gab, half ich einer der Freiwilligen ein paar Wochen beim Unterrichten einer dritten Klasse. Im Waisenheim wohnten neun Kinder und wir halfen ihnen morgens ab sechs Uhr beim Waschen und Anziehen und brachten sie in die Schule. Nachmittags holten wir sie wieder ab und verbrachten die Zeit bis zum Essen mit ihnen. Die Kinder waren, wie eigentlich die meisten Ghanaer, immer gut drauf, gar nicht misstrauisch gegenüber Fremden und einfach zum lieb haben! Selbst die etwas mangelnde Sprache war kein Hindernis für eine Freundschaft mit den Kleinen. Jeden Morgen freute ich mich auf den Moment, wenn ich am Heim ankam und mir die Kinder entgegen rannten.
In der Schule sah das etwas anders aus. Meine Drittklässler hatten wesentlich mehr Probleme mit dem Englischen. Das vereinfacht unsere Aufgabe nicht wirklich. Wie sollte man jemandem den Unterschied zwischen Hundertern und Tausendern erklären der kaum Englisch kann? Naja, wir versuchten unser Bestes. Richtig Spaß hatten die Kids und wir beim Himmel- und- Hölle und Papierflieger basteln. Es war schön zu sehen, wie viel Freude die Kinder hatten aus Papier Flieger und Spiele zu basteln.
<//font>Jetzt im Nachhinein überlege ich mir, ob sich meine Wünsche und Erwartungen erfüllt haben. Ich wollte eine andere Kultur kennenlernen und einen Teil dieser Kultur werden. Ich wollte mich selbst herausfordern, wie komme ich mit einfachsten Dingen wie Plumsklo und „Bucketshower“ zurecht? Aber hauptsächlich wollte ich mir ein eigenes Bild über Menschen und Land machen. Ein Bild außerhalb der Medien. Und ich kann wirklich sagen, dass es sich erfüllt hat. Auch wenn das Einleben schwer war und man selbst nach mehreren Wochen noch erstaunt über das Verhalten der Ghanaer sein kann, bin ich überglücklich meinen Traum Afrika erfüllt zu haben.
Ich habe Ghana erlebt, Ghana mit seinen hilfsbereiten und gastfreundlichen Menschen, mit den Aufdringlichsten aller aufdringlichen Händlern (so kamen sie mir jedenfalls vor), den holprigen und zugleich rasanten Trotro- und Taxifahrten, der drückenden Hitze im Süden und die staubige und trockene Hitze im Norden, den bunten, selbstgeschneiderten Gewändern, dem regelmäßgen Stampfen der Fufuzubereitung, die superleckeren Früchte...
Das sind so viele Eindrücke und Erfahrungen über die ich glücklich bin sie erlebt zu haben. Das kann man gar nicht alles beschreiben, das muss man einfach ERLEBEN!





