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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Ghana 2009

Erfahrungsbericht Laura B.
ARA-Ghana / Agona Swedru 
18.07. - 07.08.2009


Warum wolltest Du an einem Workcamp teilnehmen ?

Im Januar 2009 entschied ich mich, im Sommer nach Afrika zu reisen . Da ich jedoch nicht unvorbereitet irgendwie irgendwo hinfliegen wollte, erschien mir das ijgd-Workcamp in Ghana als eine attraktive Alternative zum Rucksacktourismus, um sowohl Ghana, als auch seine Bewohner besser kennenzulernen. Mein Plan: Vier Wochen Workcamp, eine Woche reisen. Im Nachhinein dauerte das Workcamp nur drei Wochen, also konnte ich zwei Wochen reisen, perfekt.

Wie viele TeilnehmerInnen hatte Dein Workcamp ?

Im Sommer gibt es zwei ARA-Workcamps in Ghana, das erste in Agona Swedru (3 Wochen) und das zweite in Koforidua (2 Wochen), beide in Kooperation mit dem Kolpingwerk.

In unserem Camp waren wir insgesamt 30 Leute, 15 Ghanaer (5 Mädels, 10 Jungs) und 15 Deutsche (13 Mädels, 2 Jungs, Jonathan und ich von ijgd), inklusive zwei männlichen Ghanaischen Campleitern und einer deutschen weiblichen Campleiterin.

Wie war die Unterbringung?

Untergebracht waren wir in einer Schule, es gab einen Schlafraum für die Mädels, einen für die Jungs,

jeder hatte ein Hochbett für sich, dazu eine Schaumstoffunterlage als Matratze.

Außerdem gab es eine Küche und viel Platz drum herum, zum Markt in Swedru musste man ca. 10 Minuten laufen bzw. konnte sich ein Taxi für umgerechnet 0,50 € für 5 Leute nehmen.

Es gab pro Schlafraum drei Toilettenschüsseln, spülen musste man mit Wasser von der Wasserstelle, das Toilettenpapier warfen wir in Mülltüten und verbrannten es jeden Abend, zusammen mit dem restlichen Müll. Zum Duschen gab es einen Duschraum, Wasser holten wir uns von der Wasserstelle und schütteten es mit Hilfe einer Flasche oder eines Bechers über den Kopf .


Was und wie war die Arbeit?

Unser Arbeitsplatz war ein Feld, das wir zuerst mit Stöcken von Unkraut befreien mussten, um dann Erde und Pflanzensamen in kleine Plastikbeutelchen zu füllen, damit diese demnächst dort gepflanzt werden. Geplant war die Arbeit 5 Tage die Woche von 8 bis 12 h, stattfinden tat sie jedoch eher sporadisch, mal regnete es, mal besuchten wir das Waisenhaus, mal mussten wir 2 Stunden auf Schaufeln warten, Ghana.

Wie sah Euer Workcamp-Alltag aus?

Unsere Gruppe bestand aus 5 Gruppen zu je 6 Leuten, die jeweils für einen Tag folgende Aufgaben zu erledigen hatten:

Cooking: auf dem Markt einkaufen, alle drei Mahlzeiten zubereiten

Cleaning: Räume, Gänge und den Sandplatz fegen, Toiletten putzen, Müll sammeln und verbrennen

Dishing: 3 x täglich in zwei Plastikeimern abspülen und, sofern Handtuch vorhanden, abtrocknen

Water: von der ca. 50 m entfernten Wasserstelle Wasser holen fürs Kochen, Spülen, Toilettenspülen

Free: hatte den Tag frei

Gefrühstückt wurde gegen 7h30, es gab Weißbrot, Bananen, Erdnussbutter, Marmelade, Margarine und Tee. Zum Mittag- und Abendessen gab es Reis, Yams, tomato stew, fish stew,  Okraschoten, ab und zu Spaghetti, und natürlich die Nationalgerichte Banku, Kinki und Fufu (die kann man nicht erklären, probiert sie einfach). Tendenziell ist das Essen etwas scharf und ölig, der Fisch hat mir meistens gut geschmeckt, andere hatten sich bis zum letzten Tag nicht wirklich an ihn gewöhnt.

Trinkwasser gibt es in Ghana überall zu kaufen, ein 500-ml-Plastikbeutel kostet umgerechnet 2,5 Cent, im Camp waren wir reichlich mit Trinkwasser versorgt.

Nachmittags und am Wochenende lasen wir, schliefen, machten Ausflüge oder gingen auf den Markt.


Wie lief die Verständigung?

Die Sprache im Camp war Englisch, meiner Meinung nach gab es keine allzu großen Verständigungsschwierigkeiten, schließlich waren immer so viele Leute um einen herum, dass immer jemand das passende Wort oder die passende Pantomime bereit hatte.


War die ijgd-Vorbereitung ausreichend?

Wie gut kann man auf einen Kontinent wie Afrika, auf ein Land wie Ghana vorbereitet sein ?

Wie kann man sich darauf vorbereiten ? Das frage ich mich heute noch. Fest steht, dass ich das Vorbereitungsseminar zu lang und nicht spezifisch genug fand, dass mir jedoch der Abend mit den Rückkehrern sehr geholfen hat, da man direkt Fragen stellen, Photos anschauen, Erlebnisse hören konnte.

Ein tolles Buch, das ich erst nach meiner Reise zufällig in einem Buchladen gefunden habe, ist „Der Traum vom Leben“  von Klaus Brinkbäumer, sehr zu empfehlen, vor, während und/oder nach der Reise.

Was sind – Deiner Erfahrung nach – die häufigsten Konfliktpunkte zwischen Deiner Kultur und der Gastkultur?

Man ist weiß, man hat Geld, man ist eine potenzielle Verbindung nach Europa - das sind Fakten, die nicht von der Hand zu weisen sind und mit denen man tagtäglich konfrontiert wird, auch im Workcamp, vor allem als Frau. Wenn man hinter fast jedem Wort oder Interesse eine Absicht oder einen Zweck vermuten muss, kann das durchaus frustierend und enttäuschend sein, kann leider dazu führen, negative Urteile über das Gastland und seine Menschen aufzubauen und zu festigen. Manchmal aber trifft man Menschen, die all diese Dinge vergessen können, die einem einen anderen Blick auf das Land und seine Bewohner ermöglichen, mit denen man schöne und interessante Momente und Gespräche erleben kann.


Was waren Deine wichtigsten Erfahrungen im Workcamp ?

Lernen, wie wenig man zum Leben eigentlich braucht und sich nochmals bewusst zu werden, in welch ungeheurem Luxus man lebt, besonders hinsichtlich Bildung, Hygiene und ärztlicher Versorgung.

Wie verhalte und positioniere ich mich innerhalb einer Gruppe, auf welche in Europa alltäglichen Dinge kann ich problemlos verzichten, welche fehlen mir ? Wie gehe ich mit Alleinsein, Unorganisiertheit und vollkommen anderen Lebensumständen um ?

Man hat ein Stückchen große Welt in seine kleine Welt hineingeholt, hat also vielleicht eine veränderte Sicht auf Menschen und Situationen und gewichtet manche Dinge anders.

Mit all seinen Tiefen und Höhen möchte ich diese Reise nicht missen und bin sehr froh,

sie gemacht zu haben. Ja .