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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Ghana 2010/11

Name: Hannah C.

Partnerorganisation: ARA 

Einsatzort: Blessed little angles charity home (BLA), Agona Swedru

Einsatzstelle: 00216 Orphanage – Arbeit mit den Kindern im Waisenhaus

Zeitpunkt: September 2010 – Februar 2011

Dauer: 6 Monate

 

Ich glaube nach Ghana wollte ich, weil ich den Namen so schön fand.
Ins Ausland wollte ich nach meinem Abi auf jeden Fall, etwas Englischsprachiges sollte es auch sein und von Afrika kann man noch so viel lernen. Au-pair kam für mich als Programm nicht in Frage – reiche Familien unterstützen, die nicht sonderlich viel Zeit für ihre Kinder haben ist nicht mein Ding – also blieb da nur noch der Freiwilligendienst. Und bisschen Weltveränderungsluft schnuppern tut jedem mal gut.
Organisation gesucht – ijgd kannte ich schon vorher von einem Russlandaufenthalt - Flug gebucht, Sachen gepackt. Ein ganz schönes Hauruckverfahren, doch um so länger man über eine lebensverändernde Entscheidung nachdenkt, desto schneller macht man einen Rückzieher. Und was hätte ich dann alles verpasst…
Von Frankfurt/Main ging es früh halb 8 los Richtung Istanbul, dann weiter nach Accra, Ankunft gegen halb 10 abends. Ich hatte keinerlei Ahnung was ich mir unter Afrika vorstellen konnte und wollte. Am Ende war es gar nicht so schlimm. Es war dunkel, an den Straßenrändern waren kleine Stände aufgebaut, welche durch Fackeln spärlich beleuchtet wurden. Junge Männer und Frauen in meinem Alter standen an diesen Ständen und tanzten zu der Musik, die aus dem benachbarten Musikshop kam.
Die Autos fuhren hupend an einander vorbei, mittendrin ich in dem ARA-Bus. Es war laut, warm und staubig. Das war mein erstes Bild von Afrika. Völliges Wohlfühlen. Auch wenn ich nicht wusste, was mir in den nächsten Tagen geschieht, ich wusste irgendwie, es ist etwas Gutes.
In den nächsten drei Tagen hatten wir unser Vorbereitungsseminar in dem ARA-Haus am Meer. Der leichte Übergang für die Obrofo („Weissen“) in die afrikanische Welt. Danach wurden wir in die drei verschiedenen Städte gebracht, in denen unsere Projekte stattfanden. Ein Trüppchen wohlgesinnter junger Menschen wurde nun auf die ghanaische Bevölkerung losgelassen.
In Agona Swedru wurde ich zu meiner Gastfamilie gebracht. Wenn ich heute an diese wunderbaren Menschen denke, wird mein Aufenthalt in Ghana immer wieder etwas lebendiger.
Meine Familie lebt in guten Verhältnissen, alle hatten Arbeit oder gingen zur Schule oder zur Ausbildung. Meine Familie bestand aus meiner Großmutter, deren Tochter und Sohn und den vier Kindern der Tochter. Aus jedem Alter war etwas dabei. Alle konnten sehr gut englisch und waren die weltoffensten Menschen, die ich in Ghana getroffen habe. Sie haben einen nicht unbedingt schief angeguckt, wenn man erzählte, dass wir unsere Wäsche mit einer Maschine waschen. Sie empfanden es nicht als Faulheit, wie einige andere, sondern als Kreativität.
Ich hatte mein eigenes Zimmer mit meinem eigenen Zimmerschlüssel, ein großes Bett, ein Regal und eine richtige Toilette. Essen wurde mir jeden Abend in großen Portionen aufgetischt. Am Anfang musste ich mich sehr überwinden alles aufzuessen – was niemals erwartet wurde! – am Ende war es ein leichtes. Anpassung ist alles! Und diese ist auch extrem wichtig wenn man für so eine lange Zeit in einer so anderen Kultur leben will.

Das fängt beim Essen an, geht über das Lernen der Sprache, wie man sich kleidet, wie man seinen Tag gestaltet, was man tut und was man nicht tut. Auf einmal denkt man über alles dreimal nach. Es gibt kaum noch blindes durch die Straßen laufen, alle Eindrücke wollen aufgenommen und verarbeitet werden. Und das so schnell wie möglich.
Ein paar Tage später, nach der ersten Eingewöhnung, wurde mir von meinem Betreuer der Partnerorganisation meine Arbeitsstelle gezeigt.
Ein gar nicht so weit entferntes Kinderheim mit etwa 25 Kindern im Alter von 4 bis 16 Jahren, männlich und weiblich gemischt. Ein riesiges Gebäude mit vier Schlafräumen, männlich und weiblich getrennt. Ein großer Platz in der Mitte, hinter der Häuserwand zwei Nischen, die als Toilette und Dusche dienten, eine große Fläche mit einer Feuerstelle, die Küche. Alles war grau in grau, niemand hätte sich vorstellen können, dass hier Kinder wohnen.
Eins der größten Ereignisse war das komplette Streichen des Kinderheims. Neue Betten und Regale kamen hinterher. Danach sah es ein bisschen wie in einer deutschen Jugendherberge aus.
Andere Projekte waren ein gemeinsamer Krankenhausbesuch – mit so vielen Kindern gar nicht so einfach -, diverse Fußballtuniere, Ausflüge zum Cape Coast Castle mit den Größeren um etwas über die Landesgeschichte zu erfahren und mit allen nach Winneba an den Strand um die fortgeschrittenen Hautekzeme zu rehabilitieren, Weihnachten, Fasching und die gemeinsamen Wasch- und Putzaktionen, natürlich immer mit einer kleinen Belohnung verbunden. Kinder bleiben nämlich Kinder, egal welcher Nation sie angehören und welche Hautfarbe sie haben.
Ich war allerdings nicht die einzige Freiwillige in meinem Projekt. Zwei weitere ijgd-Freiwillige kamen ebenfalls täglich zur Arbeit. Beide waren weltwärtsler, sprich länger als ich im Land. Und ebenfalls zwei deutsche Freiwillige von einer anderen Organisation bekam man ab und zu zu Gesicht.
Da wir alle die gleiche Muttersprache hatten führte dies einerseits zum perfekten Verständnis untereinander und es tut unheimlich gut seine Gedanken auf seiner Sprache aussprechen zu können. Auf der anderen Seite führte es manchmal zum Nichtverständnis zwischen den Freiwilligen und der Heimleitung. Doch step by step haben wir auch diese Hürde gemeistert und sind alle auf einander zu gegangen und haben zusammen gearbeitet.
Im Kinderheim habe ich Montag bis Freitag meistens nachmittags von 13 bis 19 Uhr gearbeitet, vormittags waren die Kinder in der Schule außerhalb des Kinderheimes. In den Schulferien haben wir früh um 9Uhr angefangen zu arbeiten.
An den Wochenenden war man entweder mit der Familie in der Kirche – ein MUSS! – oder ist in die wunderbare afrikanische Landschaft gefahren.
Ob mein Ghana-Aufenthalt mein Leben beeinflusst ?! Von Kopf bis Fuß, von rechts nach links, von oben nach unten und einmal im Kreis. In wahrscheinlich jeder Hinsicht. Die Studiumswahl, die Kleidung, den Musikgeschmack, die Weltanschauung, die Bereitwilligkeit zu spenden, den Optimismus, den Tellerrand.
Wir sollten die Möglichkeit nutzen die Welt kennenzulernen.  Anderen etwas von unserer Kultur zu zeigen, etwas von ihrer Kultur mitzunehmen, den Blickwinkel von den Scheuklappen befreien, auf unser Herz hören.
Nicht zweifeln und abwägen, TUN! Etwas Besseres kann euch nicht passieren. Warmherzige Menschen, gutes Essen, grandiose Landschaften und Märkte, herzzerreißende Kinderaugen.
Ich verspreche Euch, ihr wollt immer wieder zurück in dieses Land!