MTV in Ghana 2010/11
Name: Stefanie F.
Partnerorganisation: ARA
Einsatzbereich: Healthcare
Dauer: November 2010-Februar 2011
Ich stand mitten in der Examensphase als ich mir Gedanken machte, was ich nach meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester machen will. Nur noch wenige Monate und dann waren diese drei Jahr endlich rum und ich konnte mich für was Neues entscheiden. Aber was? Dass ich Medizin studieren wollte wusste ich schon länger, aber ob ich mit meinem Abi-Schnitt einen Platz bekommen würde, glaubte ich eher weniger.
Ich entschied mich ins Ausland zu gehen. Am besten wo man englisch spricht. Australien? Kanada? Oder Südafrika? Ich stöberte im Internet, stieß auf die Seite von ijgd und beschloss kurzerhand nach Ghana zu gehen. Dann ging alles ganz fix.
Meine Familie war sehr skeptisch, aber ich war von meiner Entscheidung für 4Monate HealthCareService in Ghana überzeugt! Ich wusste nicht, was mich in Ghana erwartete, aber ich freute mich sehr darauf.
Nach einem Zwischenstopp in Dubai kam ich am 30.10. in Accra (Hptstdt Ghanas) an und stand erst einmal alleine dort. Es sollte mich jemand am Flughafen von der Organisation (ARA) abholen, aber wer?
Und schon kam sie auf mich zu, Hanna, eine nette Mitarbeiterin von ARA brachte mich zum Haus von Mr Kingsley (dem Chef der Organistation), wo ich herzlich von der ganzen Familie aufgenommen wurde. Dort verbrachte ich die ersten 3Tage um mich an die neue Umwelt zu gewöhnen. Ich hatte immer noch keine Ahnung, was mich erwartete, war aber durch die ganze Atmosphäre dort relativ relaxed.
Am 2.11. wurde ich zu meiner Gastfamilie gebracht. Nach Nsawam. Der Ananas-Stadt, 40km nördlich von Accra. Hier sah es nochmal anders aus. Viel Plastik-Müll auf den Straßen, noch mehr Kinder, Ziegen und Hühner. Und alle waren neugierig, da in diesem Ort nur sehr selten Europäer sind.
Ich fragte mich, warum ich mich gleich für 4Monate und nicht erstmal nur für 1Monat entschieden hatte...
Im November wohnte ich hier mit einer anderen Freiwilligen (Anna) aus Deutschland zusammen und arbeitete in einem kleinen Krankenhaus, dass zu Fuß eine halbe Stunde entfernt war. Auch wenn ich an der Arbeit nicht viel zu tun hatte, außer Blutdruck, Gewicht und Temperatur messen, und man abgesehen von Malaria, Sichelzellenanämie und tropischen Hautinfektionen nicht viel Neues sehen konnte, ging ich sehr gerne dorthin. Denn meine Arbeitskollegen nahmen mich wie fast alle vor Ort sehr schnell und herzlich auf. Nur mit meiner Gastfamilie kam ich nicht gut zurecht. Auntie Love, die Gastmutter, und ich gerieten oft aneinander. Ihr Mann hielt sich lieber im Hintergrund und die drei erwachsenen Kinder waren meistens nicht zuhause.
Anna und ich wohnten separiert und bekamen vom Familienleben nicht viel mit.
Aber keine Sorge: In Ghana ist man niemals alleine!!! So hatten wir nette Nachbarn und viele Brüder, Schwestern, Onkeln und Tanten...Nach einem Familienstreit, der die ganze Situation etwas verschärfte, beschloss ich die Familie zu wechseln.
Super fix -mir fast ein bisschen zu schnell- war ich auch schon wieder in einer neuen „Gastfamilie“. Ab Dezember wohnte ich nun mit meiner Gastschwester Abena in Accra.
Und wurde auch hier wieder rasch von der ganzen Nachbarschaft herzlich aufgenommen.
Mein neuer Arbeitsplatz: Eine Kinderarztpraxis für die „High-Society“.
Was nicht einfach war, sich von einen auf den anderen Tag von dem einen Extremen an das mir andere Extreme anzupassen! Die Patienten waren nun weniger Ghanaer (wenn dann die Nanny), sondern Kinder von Geschäftsmännern oder Diplomaten aus der ganzen Welt. Eine ganz andere Erfahrung, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Hier musste ich bei Impfungen oder bei Untersuchungen assistieren und konnte mein Englisch aufbessern. (Da in Nsawam hauptsächlich in Twi gesprochen wurde)
Allgemein hatte ich mich rasch an alles Neue in Ghana gewöhnt. Und wenn ich mich an einen kurzen Kulturschock am ersten Tag in Nsawam erinnere, bin ich erstaunt wie schnell dann doch alles „normal“ für mich wurde. Das Essen, das ganz anders ist und ich jetzt sogar vermisse. Das überall, auch in der Hauptstadt, Kinder, Tiere, Menschen mit Sachen auf dem Kopf sind und ÜBERALL Musik(!) ist.
Dass sich generell das Leben auf der (ungeteerten) Straße abspielt. Dass es oft kein Strom gibt, dass man draußen mit Feuer kocht, dass das Wasser aus dem Brunnen kommt und man sich mit einem Eimer unter freiem Himmel duscht. Dass um 6Uhr die Sonne auf- und untergeht und so auch jeder Tagesrhythmus ist.
Dass die Menschen einfach mit weniger zufriedener sind...
...das hat mich am meisten imponiert und auch angesteckt.
Schnell hatte ich einen Alltag und „meine Leute“ dort. Ich ging Mo-Fr zur Arbeit, jeden Sonntag in die Kirche, tanzte viel, wurde oft zum Essen eingeladen, meist Fufu, dass Nationalgericht. Und genoss einfach die Zeit (ohne Stress).
Ab und zu reiste ich durchs Land, auch bis in den Norden, was sich aber aufgrund der schlechten Straßen- und Verkehrsverhältnisse eher schwierig gestaltete. Zudem war das Planen dort generell schwierig, da es z.B. keine Fahrpläne gab und der angekündigte Bus auch mal 12 Stunden Verspätung hatte. Und die Geduld der meisten Menschen dort hatte ich lange nicht.
Und plötzlich hatte es mich dann doch auch erwischt. Malaria (+eine andere bakterielle Infektion)... So verbrachte ich drei Tage im Krankenhaus und wurde mit Chinin behandelt, was viele Nebenwirkungen hat. An sich keine schöne Erfahrung, aber da sich alle rührend um mich kümmerten und mir regelmäßig Fufu vorbeibrachten :-) ging es mir nicht schlecht. Die Zeit verging so schnell und schon wieder hieß es Rückflug nach Deutschland, wo ich nicht wirklich wusste, was mich erwartete...
Mir fiel der Abschied schwer und nach einem kurzen Stop-over in Dubai (erster Kulturschock!!!), wieder im kalten Deutschland zu sein -ohne eine richtige Aufgabe- war nicht „easy-ooooo“
Der Alltag überkam mich: zahlreiche Gänge zur Arbeitsagentur, Post von verschiedenen Ämtern, gestresste und klagende Menschen-ich wollte einfach nur zurück.
Ich entschloss in Deutschland internationale Agrarwissenschaft zu studieren und so schnell wie möglich wieder nach Ghana zu fliegen.
Bis plötzlich der Zulassungsbescheid der Universität Tübingen für Medizinstudium ins Haus flatterte und wieder alles auf den Kopf stellte. Ich freute mich sehr, fand schnell ein Zimmer, schrieb mich in die Uni ein und fange nun in knapp 3 Wochen an zu studieren. Nach Ghana habe ich noch regelmäßig Kontakt und weiß, dass ich nochmal hinfliegen werde. Nur wann? Kann ich noch nicht planen. Lasse erstmal alles einfach auf mich zukommen...
Freue mich wieder auf das Neue und bin gespannt was mich nun erwartet :-)
Einen Auslandsaufenthalt und besonders nach Ghana kann ich jedem empfehlen.
Eine wunderschöne Zeit an die ich oft gerne zurückdenke!!!


