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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Marie-Luise A

Health Care Project

Februar- April 2010 (3 Monate) 

 

Einige Wochen zuvor

In Gedanken laufe ich entlang des 5. Breitengrades an der Küste Westafrikas in Ghana. Gegen sechs wird es hier Tag, der dann ebenso pünktlich auch wieder endet. Und dazwischen wird im Rampenlicht der Sonnenstrahlen ein kunterbuntes, mannigfaltiges Stück gespielt – das Ghanaische Leben.

Im Flugzeug nach Ghana

Meine kleines Abenteuer beginnt, zwar etwas verspätet, aber doch niemals zu spät, in Frankfurt am Main und wird hier wohl auch in 107 Tagen, hoffentlich glücklich, enden. Im Moment weiß ich eigentlich gar nichts. Ich fliege in ein Land fern meiner Heimat, das für gute drei Monate mein „Zu Hause“ werden soll, ohne zu wissen wo, bei wem und wie ich wohnen und arbeiten werde. Ungewissheit und Neugier kämpfen um den Sieg in meinem Kopf. Und haben doch Beide überzeugende Komplizen.

Ankunft

Abgesetzt in einer „fremden Welt“, schwitzend, ein wenig müde, aber mit einem breiten Lachen im Gesicht stehe ich vor dem Kotoka International Airport in Accra. Nach einigen Wirren werde ich dann auch abgeholt und verbringe die ersten Tage im Hause Nii-Addy in der Hauptstadt.
Vieles ist anders und bis ich begreife, dass im Grunde genommen alles anders ist, bin ich auch schon mittendrin im Ghanaischen Leben.

Einige Wochen später

Eingelebt habe ich mich nun. Ich wohne in Koforidua, die Hauptstadt der Eastern Region, arbeite im Central Regional Hospital und reise an den Wochenenden durch’s Land.

Meine achtköpfige Familie ist für mich nun ein „Zu Hause“ geworden. Ich genieße das gemeinsame Leben - das Kochen über dem Feuer, das Spielen mit den Kindern, spannende Gespräche über Gott und die Welt oder das Lernen der lokalen Sprache Twi. So langsam höre ich mich in Diese hinein. Aber man wird doch nie ganz dazu gehören, solange man eben die Sprache nicht versteht und spricht.

Und meine Stadt - Koforidua - habe ich lieben gelernt und kann nun nach einigen Wochen diesen Namen endlich korrekt aussprechen. Es ist nicht Ko-fo-ri-du-a, es ist Ko-fo-drija. Jedes Mal, wenn ich von meinen kurzen Wochenendreisen zurück komme, bin ich doch immer wieder froh "Daheim" zu sein.

Im Krankenhaus verstehe ich nun ungefähr wie die Schwestern und Ärzte hier „ticken“. Ich arbeite meist für zwei Wochen auf einer Station und wechsle dann, so habe ich bisher auf der Gynäkologie, Pädiatrie und Notaufnahme verweilt. Folgen werden noch die Chirurgie und der OP. Mit einer Hand voll Eigeninitiative und einer guten Prise Interesse kann ich selbst viel machen und lernen. Vereinzelt kreuzen Ärzte, die in Deutschland, der Schweiz oder Österreich studiert haben, meinen Weg und stellen sich geduldig meinen Fragen.

6. März

Diesen Samstag ist großer Feiertag in Ghana. Der 6. März ist "Independence Day". Die Republik Ghana wird 53 Jahre jung. 1957 wurde Ghana als erster afrikanischer Staat unabhängig und führt seitdem ein friedliches politisches Leben. Dankbar bin ich dafür, in solch einem friedvollen Land leben zu können. Und stolz sind die Ghanaer - berechtigterweise.

Wiederum einige Wochen später

An den Wochenenden reise ich Land und Leute kennen lernend durch Ghana. Von A nach B bringen dich hier Trotros, Taxis oder deine eigenen Füße. Erstere sind alte, TÜV-lose, kleinbusgroße „Schrottkisten“, die überall innerhalb der Städte und auch im „Intercity-Verkehr“ einen sehr großen Teil des Personentransportes abdecken. Alles funktioniert nach dem Prinzip „Wenn das Auto voll besetzt ist, geht’s los“, und natürlich ohne Fahrpläne.
Und so erreicht man Enge, Hitze und schlechte Straßen ertragend oder vielleicht auch genießend sein Ziel.

Da sind es die Städte mit ihren überfüllten, pulsierenden Märkten, Geschäftigkeit, Vielfalt und Lebensfreude ausstrahlend. Durch enge Gassen schlängelt sich eine schier unendliche Menschenmenge, und darunter jeder von ihnen mit der Hoffnung etwas zu kaufen oder zu verkaufen. Und mit einer gewissen Hartnäckigkeit „erhandelt“ man sich dann so manch einzigartige Erinnerung.

Da ist es die für uns Europäer so faszinierende Landschaft. Von der Atlantikküste im Süden bis zu den Wüstenrandgebieten im Norden durchstreift man beinahe die komplette Spannbreite der einzelnen Vegetationszonen. Vom tropischen Regenwald bis zu den trockenen Savannengebieten verändert sich nicht nur die Pflanzenwelt, nein, auch die Lebensweise der Ghanaer. So ist der christliche Süden doch schon recht westlich beeinflusst, der islamische Norden hingegen davon weitgehend unberührt.

Und da sind es natürlich die Ghanaer selbst, die mit ihrer Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft das „Afrikanische Fieber“ in dir entfachen.

Abflug

Am Flughafen kämpfe ich mit den Tränen – es sind zugleich Tränen der Freude und der Trauer.

Einige Wochen danach

Angekommen wieder in Deutschland lasse ich meinen Aufenthalt in Ghana Revue passieren. Und ich weiß – es war genau das Richtige. Es war nicht nur eine Reise nach Afrika in eine fremde Kultur, sondern ebenso auch eine Reise zur mir Selbst. Auch wenn hier manchmal glückliche Stunden so nah bei wütenden Momenten lagen, so war es doch eine wundervolle Zeit. Es ist vielleicht wie Feuer, das wärmt, aber auch ganz schnell verbrennt. Und dazwischen ist nur ein Windhauch.

Dankbar bin ich für alle Erlebnisse und Erfahrungen, die meinen Horizont erweitert haben und für alle Menschen, die mit ihrem fröhlichen Lachen diese vier Monate in ein strahlendes Sonnenlicht gerückt haben.