MTV in Ghana 2011
MTV in Ghana 2011
Franziska B
ARA Ghana
Haven of Hope, Medie
Orphanage/Teaching
März 2011 – August 2011 (6 Monate)
Gleich nach dem Abi mein Studium anfangen, das kam für mich nicht in Frage – ich wollte raus, ich hatte Lust auf ein Abenteuer. Die Organisation ijgd kannte ich von verschiedenen workcamps, die ich schon gemacht hatte, und das gesamte MTV-Projekt hat mich sehr angesprochen.
Nach dem Vorbereitungsseminar, dass mir sehr viele Fragen und Ängste genommen hat, etlichen Impfungen und der Herausforderung einen Backpack zu packen ging es mit sehr viel Vorfreude los nach Ghana.
Nach 3 Tagen in „Akklimatisieren“ in einem Haus von ARA, der ghanaischen Partnerorganisation, in Accra kam ich zu meiner Gastfamilie in Nsawam. Nsawam liegt etwa 40km nördlich von Accra - 2h Fahrt wenn man die ghanaischen Straßen- und Autoverhältnissen betrachtet. In meiner Gastfamilie traf ich Sina, einer weiteren Freiwillige aus Deutschland. Sie konnte mir schon so manche Does und Don’t s sagen, was mir das eingewöhnen sehr erleichtert hat. Im Haus selber wohnten nur meine Gastmutter und meine Gastoma, aber die Enkelkinder waren fast jeden Tag bei uns und so war immer was los im Garten. Wir Freiwilligen hatten unsere eigenen Räume und konnten diese auch abschließen. Die Toilette teilten wir uns mit den Nachbarn und geduscht wurde mit einem Eimer im Garten unterm Mangobaum. Das Familienleben spielte sich draußen im Garten ab, dort wurde zusammen gekocht (natürlich mit Kohle), geredet, gelacht, gespielt, gewaschen,...
Unter der Woche liefen die Tage meistens gleich ab. Ich wurde morgens von den Frauen die den Hof fegten, den Vögeln, Kirchengesang oder Kinderlärm geweckt. Nach einem Frühstück mit Pulverkaffee, Milchpulver, trockenem Brot und leckerem Obst machten wir uns los zu unserer Einsatzstelle, die etwa 10km von Nsawam entfernt liegt. Mit dem TroTro (sehr, sehr alten und kaputten, umgebauten VW-Bussen) fuhren wir nach Medie, wo wir vom Schulbus zur „Haven of Hope Academy“ gebracht wurden.
Die „Haven of Hope Academy“ ist ein Waisenhaus mit einer Schule. Die Schule wird nicht nur von den Heimkindern besucht, sondern auch Kindern aus den umliegenden Dörfern kommen tagsüber zur Schule. Da wir an den Schulbus gebunden waren, waren wir dann im Heim, wenn alle Kinder in der Schule waren. Wir verbrachten unsere „Arbeitszeit“ mit Büroarbeit: Ordner für die Schüler anlegen, Elternbriefe schreiben, Bücher sortieren, … Anfangs war das sehr unbefriedigend, weil ich mir doch andere Erwartungen an meine Einsatzstelle hatte und ich mit den Kindern sehr wenig zu tun hatte. Aber es gab auch Erfolgserlebnisse – wenn beispielsweise nach unseren Briefen die Eltern endlich mal wieder ihre Schulgebühren zahlten und man merkte, dass die allgemeine Organisation wieder etwas strukturierter wurde. Wenn ein Lehrer krank war oder zu spät kam, übernahmen wir die Klassen. Meist spontan spielten wir mit den Kindern Spiele, machten Rechenaufgaben oder redeten mit ihnen. Es war dann meistens sehr chaotisch und laut in den Klassenräumen, wenn wir unterrichteten, und doch machte das spontane Unterrichten sehr viel Spaß.
Wenn wir an den Wochenenden und in den Schulferien die Einsatzstelle besuchten, konnten wir mit den Kindern aus dem Heim etwas unternehmen. Wir gingen mit ihnen auf heißersehnte Spaziergänge, bastelten mit ihnen Perlenketten und Armbänder und lachten viel.
Die Nachmittage verbrachten wir mit unserer Familie. Wir alberten mit den Kindern, kochten zusammen unter der Palme oder erzählten Geschichten aus Deutschland bzw. Ghana.
Ein Highlight war natürlich auch immer die Wochenenden an denen gereist und somit das Land Ghana entdeckt wurde. Ich hab es geliebt mit dem Trotro an die Küste zu fahren, neues Essen von der Straße auszuprobieren, auf Märkte zu gehen und sich mit anderen „Obrunis“ (=weiße Leute) auszutauschen.
Das Reisen war auch immer wieder ein bisschen Urlaub von „zuhause“. Obwohl ich sehr schnell ein Teil meiner Ghanaischen Familie geworden bin, steht man als Obruni doch immer sehr im Mittelpunkt und es kann manchmal sehr anstrengend sein dauernd beobachtet zu werden und sich Gedanken zu machen wie sein Verhalten wohl auf die Einheimischen wirkt.
In meinen 6 Monaten in Ghana bin ich geduldiger und spontaner geworden. Allgemein dauert alles in Ghana viel länger, und es ist keine Seltenheit 2Stunden warten zu müssen bis das TroTro endlich voll ist und losfahren kann. Auch habe ich gelernt mein Leben leicht zu nehmen, mich nicht ständig aufregen – es kann schließlich niemand was dafür dass meine Email, an der ich 20min geschrieben hab weg ist, weil plötzlich der Strom im Internetcafé ausfällt.
Immer mal wieder kam ich an meine Grenzen, wollte nach Hause oder war genervt von jungen Männern, die mich heiraten möchten oder einer Kirche auf Twi, die 6 Stunden geht und ich nichts versteht – doch solche Erlebnisse prägen einen und machen einen reifer. Trotz anfänglicher Zweifel („wie soll ich das nur 6 Monate hier aushalten?“ / „Soll ich die Einsatzstelle wechseln?“ / „Ich glaub meine Gastfamilie mag mich nicht“…) habe ich Ghana mit allem Drum und Dran lieben gelernt: die tägliche Eimerdusche unterm Mangobaum, Wäschewaschen in einer Blechwanne, nicht einschlafen zu können, weil der Regen so laut aufs Blechdach prasselt, überall Musik zu hören, die grüne Landschaft, chaotische Markttage, Trotro fahren und besonders meine Ghanaische Familie habe ich sehr ins Herz geschlossen.
Es war nicht einfach nach einem halben Jahr, meine ghanaische Familie, meine neugewonnenen Freunde und ein aufregendes, unkompliziertes Leben hinter mir zu lassen, und einfach wieder nach Deutschland zu gehen.
Auf einen tränenreichen Abschied in Ghana folgte eine tränenreiche Ankunft in Deutschland – es war wunderbar wieder meine deutsche Familie in den Arm zu schließen und auch das deutsche Alltagsleben war auch irgendwie schön. Und doch vermisse ich Ghana und das wunderbare Gefühl der Freiheit!
Ich kann jedem, der Lust auf ein Abenteuer hat und offen ist für neue Dinge, ans Herz legen ins Ausland zu gehen (es muss ja nicht Ghana sein). Die Erfahrungen die man macht, kann einem keiner mehr nehmen...





