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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp auf Island

"Sommerliche Temperaturen" auf Island
Mach mal 'ne Pause!

Gute Laune? Aber klar!
Unsere Campgruppe

Reykjavik und Bláfjöll 2008

von Andrea Seiermann

 

Vierzehn Tage Lachen, Tanzen, Singen, Feiern, Essen, Spaß haben. Achja, und dann war da noch die Arbeit. Gerne auch als Geruchserfahrungen für Fortgeschrittene bezeichnet. Unsere Aufgabe war es nämlich, Islands Vegetation mit organischen Abfällen anzukurbeln. Aber von vorne.

 

An einem sonnigen und für isländische Verhältnisse warmen Mittwochnachmittag fanden sich zwölf arbeitsfreudige Menschen aus acht Nationen im Hostel der Hauptstadt Islands ein. Eigentlich sollten es 14 werden, aber einer hatte kurzfristig abgesagt und der andere…da weiß bis heute niemand was mit ihm passiert ist. Während eine Fuhre schon zu unserer Unterkunft gebracht wurde, gab es für den Rest die ersten Kennenlernspiele. Besonders spaßig für die zahlreichen Zuschauer: Das Flamingo-Pinguin-Spiel. Wir mussten uns nämlich bewegen wie diese Tiere. Nicht das letzte für Außenstehende etwas seltsam erscheinende Spiel, das wir spielen würden, denn Evolution, Sinana, das Orangenspiel, der Ententanz, und wie die „Energizer“ sonst noch alle hießen kamen noch auf uns zu.

 

Unsere Unterkunft (wider Erwarten keine Skihütte irgendwo im Nirgendwo, sondern eine riesige Grundschule mitten in der Hauptstadt) überraschte uns alle mit hervorragender Ausstattung: Spülmaschine, überdimensioniertes Platzangebot, ein edler Kaffeeautomat, nur eine Minute zum Schwimmbad, ein Spielplatz mit Schaukeln und ein Hausgespenst. Außerdem allgemeine Begeisterung über den Essensbestand: Tütenweise Bäckerei-Leckereien die nach Ladenschluss an nette Freiwillige wie uns verschenkt wurden. Mmmmh!

 

Unsere Arbeit war nicht ganz so schmackhaft, wenn auch sehr aromatisch. Drei Stufen der intensiven Dufterlebnisse: Pferdemist, schon ein wenig angetrocknet und somit weniger stark riechend. Grasabfälle, nichtmehr ganz frisch, deswegen unterhalb der obersten Heuschicht mit Überraschungseffekt. Und dann noch ein leichtes Pulver. Fleischmehl, der Grauen eines Regentages mit starken Windböen, da die getrockneten und gemahlenen Fleischereiabfälle mit Vorliebe in Kleidungsstücken, Haare und Augen geweht werden. An alle Widrigkeiten gewöhnten wir uns allerdings schnell und hatten von Anfang an auch bei der Arbeit viel Spaß: Zählen lernen in allen Sprachen, die irgendjemand kannte, die Entdeckung der Extremsportart Schubkarrefahren, Gesangsdarbietungen auf dem Misthaufen, Grasschlachten und genügend Essenspausen ließen Langeweile oder Überanstrengung bei der Arbeit garnichterst aufkommen.

 

Mindestens genausoviel Spaß hatten wir auf den beiden Ausflügen, die unser Gast- und Arbeitgeber für uns organisierte: Gleich am dritten Tag ein Besuch des „Golden Circles“, den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Islands: Der Geysir, der Wasserfall Gulfoss und der Nationalpark Pingvellir. Am zweiten Wochenende ging es dann für zwei Tagen in den Osten der Insel. Eine lange Fahrt, aber für einen Eisbergsee, den größten Gletscher Europas, unzählige Wasserfälle, Nationalparks, Vogelklippen, schwarze Strände, einen natürlichen heißen Pool und den nördlichsten Punkt Islands lohnte sich der weite Weg allemal.

 

In den zwei Wochen entwickelte sich unsere Gruppe beim abendlichen Kochen und Putzen, bei den Ausflügen, bei abendlichen Aktivitäten, beim gemeinsamen Schnarchen und bei den (wie in Island üblich) fast täglichen Schwimmbadbesuchen immer mehr zu einer Familie, in die alle integriert waren: Von Kriszitina aus Budapest mit ihren 27 Jahren, bis zu mir, der mit 17 Jahren Jüngsten. Von Giedre aus Litauen,  Julien und Matthias aus Frankreich, die schon seit drei Monaten als Freiwillige in Island waren bis zu Katya und Derek, die aus Russland und den USA den weitesten Weg zurückgelegt hatten. Von Mallorie und Aurélie aus Belgien, die mit ihrem Englisch manchmal unsicher waren bis zu Sarah aus Italien, deren zweite Muttersprache Englisch ist. Und natürlich den beiden anderen Deutschen Anja und Sarah, die sich vorher schon gekannt hatten, die sich aber trotzdem genauso in die Gruppe integrierten. Wie gut wir alle uns verstanden zeigte sich wohl am intensivsten im Liebesbrief-Spiel am letzten Tag: Jeder musste im geheimen einen Liebesbrief an eine aus dem Lostopf gezogene Person schreiben – und ausnahmslos jeder bekam einen wunderbaren Brief.

 

Der letzte Tag kam viel zu schnell, zwei Wochen waren einfach zu kurz. Beim Abschied waren wir alle den Tränen nahe und wollten uns einfach nicht trennen. Aber jetzt haben wir zumindest mehr als einen guten Grund, eine Rundreise zu starten und alle unsere neuen Freunde zu besuchen! Außerdem hat diese einzigartige Erfahrung mich mehr als motiviert, in den nächsten Jahren wieder an Workcamps teilzunehmen oder vielleicht sogar einmal eines zu leiten. Diese Art, seine Ferien zu verbringen, kann ich aufgeschlossen, interessierten und tatkräftigen Menschen nur empfehlen.