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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Italien 2008





Mit dem Nachtzug nach Neapel

von Christian Strobl

  

Typisch deutsch, nämlich auf die Minute genau verließ ich mit dem Nachtzug den Münchner Hauptbahnhof, um so dann nach etwa zwanzig Stunden – reichlich verspätet - den Bahnhof  in Mondragone, eine kleine Stadt bei Neapel, zu erreichen.

 

Neapel? Bekannt aus zahlreichen Mafiafilmen; brennender Müll und der größte Drogenumschlagplatz der Welt. Aber Neapel ist ebenso Stadt des Frohsinns und der Lebensfreude! Vedere Napoli e poi morire – Neapel sehen und sterben. Diese Stadt ist voller Kontraste und daher unheimlich erregend und faszinierend.

 

Wir, zwölf Teilnehmer aus aller Welt (Armenien, China, Frankreich, Italien, Kanada, Korea, Spanien, Türkei, USA und Deutschland), betreuten Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen mit Migrationshintergrund. So organisierten wir verschiedene Spiele, richteten mehrere Fußballturniere aus und badeten und spielten mit den Kindern im Meer. Arbeit, die ich von meinem Jurastudium gewohnt bin, konnte man das nicht unbedingt nennen, denn es ging um etwas anderes: Den Aufbau gegenseitigen Vertrauens zu den Kindern.

 

Der erste Tag Strand verdeutlichte dies: Jeder Voluntär hat ein Kind zur Betreuung zugewiesen bekommen und ich sollte mit Brooklyn spielen. Er sprach kein Englisch und ich kein Wort Italienisch. Er hatte ein wenig Angst vor mir. Doch ich „arbeitete“: Mut und Zuversicht; Freundlichkeit und Ausdauer. Als wir dann beide gemeinsam langsam ins Meer gingen, spürte ich seine kleine zarte Hand, wie sie nach meiner Hand entschlossen griff, um die Angst vor dem großen Meer zu verlieren. Ab diesem Zeitpunkt, kannten wir uns irgendwie: Er kam schon am Morgen auf mich zugelaufen. Ich freute mich ihm zu sehen. Auch die Sprachprobleme waren plötzlich nicht mehr bedeutend. Wir suchten gemeinsam nach einer Lösung für die Probleme des Alltags. Versuchten uns in gegenseitigem Verständnis. Mit Händen und Füßen. Auch mit den anderen Kindern hatten wir unheimlich viel Spaß, selbst wenn es manchmal nur noch anstrengend war: Sie waren so aufgeladen mit Energie. Wir  waren so  ausgelaugt von den warmen Temperaturen.

 

Vor allem die Internationalität der Voluntäre und die langen Freiräume führten zu unheimlich intensiven Kontakt zu verschiedenen Kulturen und den Aufbau neuer Freundschaften. Zum Beispiel verbrachte Therry aus Paris sechs  Monate in einem Shaolin – Tempel in China, um Kung Fu zu erlernen. Cayetana aus Spanien konnte Grimassen schneiden, wie sonst niemand je zuvor in meinem Bekanntenkreis – das hat sie wohl auf dem  Internat in England gelernt. Gemeinsam besuchten wir in der Freizeit Neapel, Procida, Pozzuoli und auch eine Mozzarella – Fabrik. Diese waren gerade nicht die typischen Ausflüge für Touristen, sondern zum Teil waren die Exkursionen bespickt mit richtigen Geheimtipps: Versteckt in den verwinkelten Gassen Neapels, aßen wir dort in einer kleinen Pizzeria eine der besten Pizzas überhaupt.

 

Gerade das intensive Zusammenleben mit einer jugendlichen Gruppe, die sinnvolle Arbeit mit den Kindern, aber auch die Einbindung in die italienische Gemeinschaft, machten das Workcamp zu einer intensiven Erfahrung: Besser als jeder Urlaub im schönsten Hotel.