Workcamp in Italien 2008
Como 2009 -
Tutto un'altro campo & Festivale di tutto un'altra cosa
von Teresa Tanner
Das Camp begann am 1. Oktober 2009, an einem Ort zwischen Lecco (am Komersee) und Milano, genannt Olgiate Calco Bravio. Der Bahnhof allein und verlassen, aber mit einem wunderschönen Brunnen, an dem ich sage und schreibe zwei Stunden warten durfte, um mich von Mirco (Leiter der Karibuny Organisation in Italien) abholen zu lassen. Die mir gegebene Zeit nutzte ich, um mich von der hektischen glitzernden Modestadt Mailand erholen zu können. Und da ich nicht lange alleine warten musste, nahm ich die Verspätung mit Humor. Mit der etwas missverständlichen „tempo localo italiano“ wurden wir alle noch des öfteren konfrontiert. So war man des öfteren gebeten worden, früh aufzustehen, um dann schlussendlich auf unsere Teamleiter und Organisatoren für die anfallenden Arbeiten eine Stunde zu warten.
Untergebracht wurden wir in einer Mission Consolata(Bevera), in der ein kleiner Eine-Welt-Laden(Assobotteghe del Mondo) im Erdgeschoss des großen Gebäudes versteckt war. Wir haben uns zusammen den größten Schlafsaal ausgesucht. Als „Kleines Wir“ verstehen sich die Teilnehmer am Camp, die aus verschiedenen Nationen wie Russland, Kanada, Afrika, Australien, China, Ukraine und Europa kommen, die Campleiter (Lucia, Vola und Aidi) sowie Mirco, Leiter des Karibuny- Ladens und Donata, Leiterin des Weltladens und Verfechterin des Fair Trades in Italien, die alle in der Mission untergebracht waren. Und zum „Großes Wir“ zählen noch die gesamte Kantinencrew während der Festivalzeit und Voluntäre von Karibuny.
Zu unseren Aufgaben gehörten jegliche Vorbereitungen für das Festival, d.h. Flyern, Wände streichen, Dekorieren und Stände aufbauen, um uns letztendlich mit den Produzenten in Verbindung zu setzen. So haben wir während dem Festival(9-11.Oktober) Fair-Trade-Produzenten aus Sri- Lanka(Maximus Elephant Dung Paper), Mexiko(Manantial de las Fiores) und Italien kennengelernt sowie Distributoren (Equomercato ua.). Uns wurde beigebracht, welche verschiedenen Vorstellungen/Aktivitäten von Fair Trade national und international zu finden sind. Natürlich haben wir einen stärkeren Eindruck von Fair Trade- „Visionen“ Italiens bekommen, die im Vergleich zu anderen Ländern Europas sich eher radikal links verorten lassen und sich gegen jegliche Fair Trade Initiativen von Global Playern richten sowie mit welchen „Entwicklungs-“ Ländern kooperiert wird. Des Weiteren haben wir Probleme erkannt, mit denen Fair Trade zu kämpfen hat, zu denen vor allem ökologische und rechtliche Probleme zählen, dh. :
* warum aus fernen Ländern importieren, wenn vor Ort bzw. in der eigenen Region die Rohstoffe vorzufinden sind und die Produktion erfolgen kann
* warum Kinderarbeit (Herstellung von Produkten, so dass Kinder sich ihren Zugang zur Bildung erwirtschaften können) unterstützen, wenn eigentlich davon abzusehen ist
* warum nationale Produktion völlig aufgeben(Kaffeeproduktion in Italien) u.v.m.
Um die verschiedenen Freiwilligen zusammenzubringen, haben sich die Workcamp- Leiter anfangs verschiedene Spiele für group-building einfallen lassen, in der jeder ein Teil seiner Lebensgeschichte einbringen konnte. Wir waren sehr aufgeschlossen, so dass es nicht viel Aufwand brauchte, um eine starkes Wir - Gefühl zu erzeugen. Wir haben sehr schnell zueinander gefunden, dies ist nicht zuletzt den täglichen Vorbereitungen der Mahlzeiten, dem Putzteams und dem langen Beisammensein während den Mahlzeiten zu verdanken, sondern auch dem Interesse aneinander.
Abends sind wir zusammen weggegangen oder haben gegenseitig nationale Tischspiele ausgetauscht. Uns ist immer irgendetwas eingefallen, um alle bei Laune zu halten, in Situationen, in denen wir völlig erschöpft von der Arbeit waren, wieder energized (Spiel „Bing-Bang-Waa“ aus Hong Kong) zu werden und uns Geschichten zu erzählen, um soviel zu Lachen wie nur möglich. Die Abende auf dem Festival waren für mich persönlich die schönsten, da wir hier die Möglichkeit hatten, mit Musikinstrumenten(Trommeln aus Afrika und Südamerika) zu jammen und mit Tanz und Gesang nationale Vorstellungen zu teilen. Einen großen Dank an Iba, senegalesischer Künstler mit viel Rhythmus im Blut und Vika, die mit ihrer Kamera, soviel wie möglich aufzeichnete und alle die zu den Abenden anwesend waren.
Alles in allem ist das Camp super gewesen, ich habe viele neue Charaktere kennengelernt und mich selbst noch dazu, das eigentliche Ziel von Fair Trade in groben Zügen erfasst und Menschen in so einer kurzen Zeit lieben gelernt, so dass der Abschied am Dienstag 13. Oktober 2009 besonders schwer fiel.
P.S. Für diejenigen, die dies als sehr anstrengend erscheinen mag, immer etwas zusammen machen zu müssen, kann ich nur raten: Geht trotzdem zu einem Camp. Ich bin selbst manchmal gerne ein Einzelgänger und brauche sehr viel Zeit für mich, aber man öffnet sich doch immer wieder an solchen Orten und eine kurze Auszeit findet man immer, weil andere sie einem geben und es verstehen.
P.P.S. Schade, dass ich nicht schon früher auf die Idee gekommen bin, an einem Workcamp mitzumachen bzw. lange nicht von den Aktionen wusste.
Wieliszew (Polen) 23/07 – 09/08/2009
Polen? Pass bloß auf, dass dir nichts geklaut wird!
Wie oft ich diesen Satz vor meiner Reise gehört hab. Vorurteile ahoi!
Als ich im Camp (30km von Warschau) ankam, fehlte mir jedoch erstmal nichts, außer Schlaf. Wir waren unter den letzten Ankömmlingen (so ganz untypisch deutsch), aber die Stimmung war seltsam beklemmt für 15 junge Leute, die internationale Bekanntschaften machen wollten. „Say hello, you’re friends now!“, war die Empfehlung unserer Leaderin. Viel mehr ist an dem Tag auch nicht passiert. So verbrachte ich die erste Nacht auf einer Armee-Matratze im Klassenzimmer eines stillgelegten Internats irgendwo an einem polnischen Fluss.
Die Mitbringsel aus den unterschiedlichen Ländern (u. a. Wodka aus Serbien, der Ukraine und Südkorea..), die ersten Tage Küchendienst und Arbeit ließen das Eis dann doch brechen und der Unmut über unser “Festival“ brachte die Gruppe weiter zusammen. In Polen ist auch schon ein Konzert mit drei Bands ein Festival – gut zu wissen. Den Rest der Zeit wartete das Flussufer auf Säuberung durch uns. Jeder mit Handschuhen und einer Mülltüte bewaffnet (nein, kein Müllgreifer... Hände!) ging es vormittags an die Arbeit und danach zum Mittag. Der Nachmittag und Abend war unserer Kreativität überlassen und reichte von Ausflügen nach Warschau, Radtouren bzw. Sport im Allgemeinen, Spielen (u. a. ein selbstgebasteltes Twister), Kanu fahren bis hin zu Lagerfeuer am Strand – unserer Lieblingsabendgestaltung.
Abwechslung haben auch die Erzählanstöße unserer Leaderin gebracht, in denen es meisten um Europa/Asien bzw. unsere unterschiedlichen Nationen ging. Wer ist dein „national hero“? Oder haben dumme Leute in deinem Land ein einfaches Leben? Solche Dinge konnten frei interpretiert werden und brachten viel Gesprächsstoff. Genauso wie die tägliche Frage auf dem Flur, bei der man sich zwischen 0 und 100% einordnen konnte. „Do you know what is love?“ – Tolle Sache!
Wenn man von einer Organisation sprechen kann, dann war sie sehr chaotisch, aber das hat eigentlich niemanden so richtig gestört, bis es zu einer Nahrungsmittelknappheit kam. Die Großeinkäufe erledigte unser Koordinator, wir hatten lediglich einen kleinen Kiosk in 2km Entfernung, der nur das Nötigste hergab. So saßen wir, aufgrund mangelnder Absprachen, mal 2 Tage auf dem Trockenen (im Wahrsten Sinne des Wortes: nichts zu trinken und keinen Wasserkocher, nur Töpfe und Kartoffeln). Ja auch das kommt vor. Der Kühlschrank ist zwischen durch auch mal ausgefallen, dann mussten wir auf ein Eisfach umsteigen und unser Essen so 5h vor Verzehr rausholen. Solche Patzer haben jedoch auch grundsätzlich für viel Spaß gesorgt. Wer wollte denn nicht schon mal mit gefrorenen Eiern kochen?
Als sich das Camp nach 2einhalb Wochen dem Ende neigte, trat wieder die anfängliche Beklemmung ein. Schnell wurden noch Adressen und Versprechen über baldige Besuche ausgetauscht („I will spend my winter holiday in korea!“), Postkarten, Rucksäcke und T-Shirts mit dummen Sprüchen versehen („Bleib stark im Park!“), Gastgeschenke verteilt (Handyanhänger aus Korea, Made in China) und letzte My new Best Friends forever - Fotos geschossen.
So schnell geht das, wenn man Spaß hat. Unglaublich. Schon nach wenigen Tagen trat die Arbeit in den Hinter- und die Gruppe in den Vordergrund. Auch wenn die Englischkenntnisse unterschiedlich waren, bereicherten Insiderwitze bald jedes Gespräch („You’re so stupid!“). 9 Nationen, das ist ein geballter Haufen Kultur, aber auch ein Berg Vorurteile. Einige wurden aus dem Weg geräumt (Die Polen können nicht feiern, dachte ich), andere bestätigt (Taiwaner fotografieren wirklich alles, u. a. unser Essen – jeden Tag!).
Kurz gesagt: Es war DAS Erlebnis dieses Jahr für mich. Einige der Teilnehmer hab ich schon wieder getroffen und ja, i will spend my winter holiday in korea!
P.S: Unserem französischen Freiwilligen wurden Portemonnaie und Handy entwendet. Aber man übernachtet in Warschau ja auch nicht auf der Straße.









