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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp bei Pondicherry

Mein Indienabenteuer schien schon fast vorbei, bevor es überhaupt angefangen hatte. Ich saß nämlich zu Hause, am nächsten Morgen sollte es losgehen und mir fehlten immer noch die Infos über mein Workcamp und außerdem war mein Flugticket auf einmal unauffindbar, nachdem ich es wochenlang wie meinen Augapfel gehütet hatte. Nach zwei Telefonaten nach Indien, hektischem Suchen und diversen Wutausbrüchen druckte der Drucker meine Infos aus und das Flugticket tauchte auch wieder auf. Es konnte also losgehen.

Der Flug war zwar lang aber schön, ich machte erste Bekanntschaften mit Indern und indischem Essen, genoss den Blick aus dem Flugzeug auf die Alpen, den Iran und diverse andere Länder, die man sonst nur von der Landkarte kennt. Nach einem Zwischenstopp in Mumbai, wo ich leider den Flieger nicht verlassen konnte, ging es weiter nach Bangalore und langsam wurde es mir doch ein bisschen mulmig zumute. Niemand würde auf mich warten, es war mitten in der Nacht und ich hatte keine Ahnung ob ich um diese Zeit noch Geld wechseln konnte geschweige denn ob ich noch ein Hotel finden würde.

In Bangalore angekommen fühlte ich mich ziemlich überfordert aber wenigstens Geld wechseln war kein Problem. Und zum Glück konnte ich dann auch sowohl Hotel als auch das Taxi dorthin im Voraus an einem Schalter buchen, fühlte mich aber trotzdem nicht sonderlich wohl. Nach meiner ersten Taxifahrt landete ich ziemlich geschockt und überfordert im Hotel und fragte mich, was ich hier suchte. Nach zwei Tagen in Bangalore, die ich wegen einem (klitzekleinen) Kulturschock mehr schlecht als recht hinter mich brachte, war ich heilfroh als ich im Bus nach Pondicherry saß, wo ich mich am nächsten Morgen mit den anderen Worcamplern treffen sollte.

Da ich noch kein Abendessen gegessen hatte, versorgte mich meine Sitznachbarin mit Keksen und Schokolade und ich konnte trotz der Rüttelei noch ein bisschen schlafen. Morgens um fünf Uhr kam ich dann in Pondicherry an und ich setzte mich auf eine Bank wo ich ein paar Stunden später drei Franzosen kennen lernte, die auch auf dem Weg ins Camp waren. Das waren dann auch erstmal alle und nachdem wir dann noch den Fahrer gefunden hatten, der uns zum Camp bringen sollte, ging es los in Richtung Community Seva Center wo wir die nächsten zwei Wochen leben sollten. Wir waren alle ziemlich gespannt und neugierig auf das, was uns erwartete, denn so richtig wusste keiner von uns was und wo wir arbeiten sollten.

Im Camp wurden wir dann von Nehru unserem Chef mit Limo und unserem ersten richtig indischen Essen empfangen. Schlafen sollten wir alle in einem großen Raum auf Feldbetten was auf Dauer zwar anstrengend war aber auch ziemlich lustig. Im Laufe des Tages trudelten noch ein anderer Franzose und eine Japanerin ein die unsere Gruppe fürs erste komplettierten. Die ersten Tage verbrachten wir vor allem damit, die Gegend kennen zu lernen, wir wurden herumgeführt und man zeigte uns verschiedene Projekte, die von der Organisation, bei der wir arbeiten sollten geleitet werden. Außerdem fuhren wir zum Geldwechseln und einkaufen nach Pondicherry.

Leider wusste niemand so genau, was man mit uns anfangen sollte und so war es manchmal ziemlich langweilig vor allem weil nie genau klar war, ob an dem Tag noch was passieren würde oder nicht. Das zerrte insgesamt sehr an unseren Nerven und es gab auch schon in der ersten Woche heiße Diskussionen über Workcamps im allgemeinen und unseres im Speziellen. Na ja und als wir dann am Freitag (Tag Nummer fünf) endlich helfen sollten, ein Hütte zu bauen lagen wir alle mit einer Art Lebensmittelvergiftung flach und an Arbeit war nicht zu denken.

Samstag und Sonntag hatten wir frei und besuchten mit unserem Chef Mamallapuram eine Stadt in der Nähe von Chennai. In der zweiten Woche bekam unsere Gruppe dann Zuwachs (eine Deutsche, einen Italiener, eine Engländerin und Französin Nummer fünf). Leider hatte sich aber an unserer Arbeitssituation nicht viel geändert, wir sollten morgens die Hütte weiterbauen und Nachmittags in der Schule helfen was aber nicht wirklich funktionierte weil wir beim Hausbau nicht mehr tun konnten als ab und zu ein paar Steine zu schleppen und in der Schule keiner wusste, dass wir kommen und dementsprechend auch niemand mit uns rechnete.

Das führte erneut zu diversen Diskussionen mit unserem Chef weil wir nicht das Gefühl hatten, dass sich irgendwer vorher Gedanken über uns bzw. unsere Arbeit gemacht hatte. Nach zwei Wochen war ich dann schließlich auch ganz froh das Camp zu verlassen auch wenn mir der Abschied von den anderen schwer fiel. Im Nachhinein finde ich es schade, dass im Projekt selbst so wenig gelaufen ist, vor allem weil wir sehr viel hätten machen können, wenn die Planung vorher von Seiten der Indischen Organisation besser gelaufen wäre. So wusste unser Chef nie genau, wie viele Leute eigentlich kommen und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ihm auch nicht ganz klar war, was wir von dem Camp erwarteten genauso wenig wie wir wussten was er von uns erwartete. Das konnte innerhalb der zwei Wochen leider auch nicht geklärt werden, da ich immer das Gefühl hatte, dass wir total aneinander vorbeiredeten was mit Sicherheit oft auch ein reines Verständigungsproblem war.

Für mich war das Workcamp trotzdem ein guter Einstieg in dieses riesige Land, man hatte Zeit sich ein bisschen einzugewöhnen und zusammen mit anderen Indien, indisches Essen, Inder, indische Verhaltensweisen und Sitten, indische Kultur uvm. zu entdecken.

Sara Usinger Workcamp Indien 2004 (FSL)