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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Special-Camp mit WEL in Arni/ Tamil Nadu

Erfahrungsbericht über das Workcamp bei WEL in Indien
vom 02.-22. August 2004

Auf die Idee gekommen, an einem Workcamp teilzunehmen, bin ich durch das Lesen eines Zeitungsartikels über eben solche Camps und verschiedene Organisationen, wie z.B. IJGD. In der Zeit zwischen Abitur und Studium wollte ich einen mir unbekannten Teil der Welt sehen und zwar nicht als Tourist im herkömmlichen Sinne, sondern in der Art, dass die Möglichkeit eines wirklichen Kennenlernens einer fremden Kultur bieten sollte. Über Indien hatte ich im Erdkunde-LK zwar schon viel erfahren, aber immer nur aus Büchern Filmen oder ähnlichem Lehrmaterial. IJGD schien mir nach einigen Vergleichen mit anderen Organisationen sehr zuverlässig und seriös und schon stand das erste Vorbereitungsseminar vor der Tür. Über alle möglichen Projekte wurde ausführlich berichtet, so dass weitgehend bekannt war, was auf einen zukommen würde, auch wenn man das eigene Erleben natürlich in keinem Fall mit den Erfahrungsberichten anderer vergleichen kann.

Der Inhalt des Projektes bei WEL (Women´s Education for Liberation) bestand zu 100% aus dem Austausch zwischen indischer und deutscher Kultur. Aber im Nachhinein kann ich sagen, dass es auch ohne einen bestimmten Arbeitsauftrag immer genug zu erledigen und zum kennen lernen gab. Zusammen mit den Mitgliedern des WEL-Teams haben wir Ausflüge zu Tempeln, zu einem Fort und einem Ashram unternommen. An einem Wochenende ging es in einen Naturpark, wo wir alle zusammen gepicknickt haben. Oft waren wir in kleinen um Arni herumgelegenen Dörfern, in denen WEL so genannte Self-Help-Groups gegründet hat. Dort wurden wir neben der Besichtigung von Toilettenhäuschen, einer Sariweberei und einer Community-Hall immer sehr nett empfangen und mit Tee und Keksen versorgt. Der August, in dem wir in Arni waren, ist dort der so genannte Festivalmonat, so dass wir auch die uns manchmal sehr merkwürdig erscheinenden Bräuche und Rituale der Hindus auf solchen Festivals kennen lernen konnten.

Im Trainee-Center von WEL in Arni selbst wurde uns die gesamte Palette der Produkte vorgeführt, die die Frauen von WEL und in den Self-Help-Groups inzwischen herstellen können, so dass ein wenig Geld zusammengespart werden kann und auch wieder neue Frauen in diesen Herstellungstechniken unterrichtet werden können. Während wir bei der Herstellung der Kerzen eigentlich nur zugeschaut haben, durften wir das Produzieren der Räucherstäbchen auch selbst ausprobieren. Was bei den Frauen von WEL so einfach aussah und auch enorm schnell ging, bereitete uns mehr oder weniger große Mühen.

Auch bei schwerer körperlicher Arbeit packen die Frauen des WEL-Teams alle kräftig mit an. Unsere Gruppe von fünf deutschen Mädchen hat nur ein paar mal, eher zum Kennen lernen, mitgeholfen in einer gebildeten Kette von Inderinnen und Deutschen Sand für den Bau eines Hauses weiterzureichen und Steine für den Bau der Toilettenhäuschen umzuschichten. Nach meist einer halben Stunde gab es dann für uns allerdings wieder eine Teepause und der Schweiß lief bei der starken Sonneneinstrahlung bereits in Strömen.

In der zweiten Woche hat WEL an zwei aufeinander folgenden Tagen „Health-Awareness-Camps“ in zwei verschiedenen Dörfern durchgeführt. Bei diesen haben ein Ärzteehepaar und eine Krankenschwester kostenlos an jedem Tag ungefähr 350 Menschen beraten und untersucht. Es wurden Vorträge gehalten über richtiges Verhalten in der Schwangerschaft, die Verbreitung von Aids und das Töten weiblicher Babys. Anschließend wurden die Leute untersucht, was in keinem Fall mit der Untersuchung bei einem Arzt in Deutschland zu vergleichen war, da durch die Kleidung hindurch. Allerdings muss man dazu sagen, dass diese Menschen wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben überhaupt bei einem Arzt waren, da die Dalits (=Kastenlose) zum einen für gewöhnlich nicht angefasst werden, sie zum anderen nie das Geld für einen Arztbesuch aufbringen könnten.

Bei den Camps wurden außerdem die Medikamente verteilt, die wir Workcamperinnen als Spenden aus Deutschland mitgebracht haben. Allerdings hatten wir fünf alle sehr starke Zweifel, ob es verantwortbar ist, Medikamente wie z.B. Antibiotika dorthin mitzunehmen, da die Medikamente oft auch ziemlich wahllos verteilt wurden und die indischen Ärzte nicht sehr sicher in der Kenntnis von deren Wirkung waren, was bei Multivitamintabletten und Ähnlichem ja keine solche gravierenden Folgen haben kann. Unsere Aufgabe an diesen beiden Tagen war es, die Leute zu wiegen, zu messen und den Ärzten zu assistieren und ein wenig Ordnung an das Ganze zu bringen.
Während unseres Aufenthalts war auch der Independence-Day in Indien. An diesem Tag sind wir in die Kirche gegangen und haben dort anschließend mit den anwesenden Kindern Spiele veranstaltet und ihnen anschließend kleine Präsente aus Deutschland überreicht. Merkwürdig fanden wir dann allerdings, dass diesen Kindern erzählt wurde, dass wir von Jesus gesandt wäre, aber na ja, auf die Erklärung, warum wir in Indien sind und mit ihnen Spiele veranstalten, hatten wir leider keinen Einfluss.

Zur Zeit des Workcamps gab es auch einige Geburtstage zu feiern. Auf der indischen Seite die von Devi und Ambujam. Leider wussten wir das vorher nicht und konnten uns in der Hinsicht auch nicht über die indischen Sitten informieren. Auch wenn wir ihnen etwas geschenkt haben, wissen wir nun, dass es so einen Brauch in Indien nicht gibt. Allerdings bekommt das Geburtstagskind dort einen unheimlich süßen Kuchen, den es an die anwesende Runde verteilt. Geburtstagslieder wurden sowohl auf Tamil, Englisch und Deutsch gesungen. Zu Ambujams Geburtstag hat auch noch der Koch, Master, in Frauenkleidern für die Runde getanzt, was sehr lustig anzuschauen war. Auf der deutschen Seite hatte Kathrin Geburtstag, die dann auch sogleich von den beiden indischen Geburtstagskindern beschenkt wurde, die sich dem deutschen Brauch angepasst hatten. Einen Kuchen hatsie ebenfalls bekommen, wurde sogar von Ruby gefüttert.

Gegen Ende des Camps gab es noch jeweils einen deutschen und einen indischen Kulturabend. Für die indischen Zuschauer haben wir deutsche Kinderlieder vorgesungen und gespielt, kleine Sketche über Haustiere der Deutschen und einen mit geschichtlichem Inhalt aufgeführt. Die Inder waren sehr interessiert an den Hintergründen der Trennung von Deutschland, den deutschen Meinungen darüber und dem historischen Verlauf über die Wiedervereinigung bis zum heutigen Tage. Ebenfalls Bestandteil unseres Programms war die Nachstellung eines Schlagerkonzertes.

Das indische Kulturprogramm bot eine Reihe von traditionellen Tänzen, sowie von Sketchen, die eine Art Lernziel beinhalteten. Diese Sketche werden sonst von den WEL-Frauen auf Dörfern vorgeführt. Durch diese wird indirekt Kritik geübt und es werden Vorschläge gegeben zur besseren Lösung von Problemen. Themen sind z.B. Mitgift und Witwenverbannung.
Einen Abend haben wir noch deutsches Essen gekocht, was gar nicht so einfach war, da die indische Gruppe schon sehr viele deutsche Gerichte kannte. Wackelpudding, den es zum Nachtisch gab, hatten sie allerdings noch nicht gesehen. Zudem konnten wir noch einer Krankenhauseinweihung beiwohnen, haben den WEL-Frauen ein deutsches Lied beigebracht, sowie ein Spiel, Plumssack, und konnten von ihnen lustige Spiele lernen, wobei die mangelnde Verständigung für sehr unterschiedliche Regeln sorgte.

Mit dem Good-Bye-Day war das Camp eigentlich zu Ende, wie sind aber alle noch einen Tag länger geblieben , um zum WOLD-Center zu fahren, welches der Dalit-Führerin untersteht und dort ein multikulturelles Programm zu veranstalten durch das Zusammentreffen, der indischen WEL-Frauen, einer japanischen Austauschgruppe des WOLD-Centers und uns deutschen Workcamperinnen.

Yasmin Abel