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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Bangalore

Erfahrungsbericht über das Teaching Camp bei FSL in Indien
vom 15.-28. August 2005

Am 14. August 2005 war es endlich soweit und ich machte mich im Zug auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen, um mich dort mit Annika zu treffen und mit ihr gemeinsam mit Air India nach Bangalore zu fliegen. Für mich stand schon lange fest, dass ich gern ein fernes Land bereisen möchte, und zwar nicht im herkömmlichen Sinne als Tourist. Ein Workcamp habe ich als gute Möglichkeit gesehen, ein Land und dessen Kultur näher kennen zu lernen, indem ich durch die Arbeit einen näheren Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung bekomme. Durch die Recherche im Internet bin ich auf ijgd gestoßen, welche ich auch schon von Berichten von Freunden her kannte. Als ich Annika davon erzählte, war sie sofort begeistert und hat sich mir angeschlossen.

Wir hatten uns bereits im Februar bei ijgd für ein  Workcamp in Indien angemeldet und haben uns auf den zwei Vorbereitungsseminaren in Fredelsloh für ein Teaching Camp bei der Partnerorganisation FSL India in Bangalore entschieden. Es war wirklich eine schwierige Entscheidung, weil so viele tolle Camps zur Auswahl standen! Nach den Treffen in Fredelsloh fühlten wir uns zwar sehr gut auf Indien, dessen Kultur und interkulturelle Begegnungen vorbereitet, aber als wir dann schließlich im Flieger saßen, waren wir doch aufgeregt und gespannt was wir erleben werden. Dank der guten Vorbereitung waren wir bereits auf das „Schlimmste“ gefasst und haben mit einem Kulturschock gerechnet!

Am 15. August 2005 sind wir dann schließlich nach 12 Stunden Flug und einem kurzen Stopover in Mumbai um 3 Uhr morgens in Bangalore gelandet. Dummerweise haben wir von FSL, der Partnerorganisation in Indien, keine Rückmeldung bekommen, wann und wo der Treffpunkt ist. So standen wir etwas verloren am Flughafen und haben uns dann entschlossen, noch für ein paar Stunden in ein Hotel zu gehen und ein wenig zu schlafen! Da wir leider FSL telefonisch nicht erreichen konnten, haben wir uns schließlich in eine Rikshaw gesetzt und das Office gesucht. Dort wurden wir sehr herzlich empfangen und man hat sich entschuldigt, dass wir keine Informationen bekommen haben. Der Treffpunkt war leider nicht im Office, sondern beim Busbahnhof und somit haben wir die Gruppe verpasst und es hieß erst einmal auf unseren Teamleiter warten. Nachdem wir dann lecker indisch gegessen haben, wurden wir einige Stunden später von unserem Teamleiter ins Stuffhouse gebracht, wo wir dann endlich die Gruppe kennen lernen konnten.

Das Haus in dem wir untergebracht waren war super. Wir haben uns in Kleingruppen Zimmer geteilt und es wurde auf dem Boden geschlafen, woran man sich schnell gewöhnt hat! Dafür hatten wir eine richtige Toilette! Zunächst wurden dann erst mal die üblichen Kennenlernspielchen gemacht und es hieß volle Konzentration, um sich die ganzen Namen zu merken. Wir waren insgesamt 12 Volunteers aus den verschieden Ländern. Die Gruppe war super, wir haben uns alle sehr gut verstanden!

Das Workcamp war sehr gut organisiert. Unsere Aufgabe bestand darin, in einer Schule Englisch zu unterrichten. Die Schule lag in einem ärmeren, muslimischen Viertel und wir brauchten ca. 1,5 Stunden mit dem Bus, um dort hinzukommen. In dem Viertel wurden wir jeden Tag sehr herzlich empfangen und auch die Lehrerinnen waren sehr nett und hilfsbereit. Wir Volunteers wurden in 2er oder 3er Gruppen auf die Klassen verteilt. In der Schule waren von 3- 13 alle Altersstufen vertreten. Es war sehr interessant den Schulalltag in Indien kennen zu lernen und ihn mit zu gestalten. Die Schule bestand eigentlich nur aus einem Raum, der durch Stellwände in die einzelnen Klassen unterteilt war. Man kann sich sicher vorstellen, dass es oft etwas laut und turbulent zu ging... auf jeden Fall bei uns Volunteers! Der Schultag war für uns gut organisiert. Wir haben in unseren Gruppen erst eine Klasse vormittags unterricht, dann wurde gemeinsam in der Schule Mittag gegessen und dann haben wir noch eine Klasse nachmittags unterrichtet.

Nach einem Chai sind wir dann nach der Busfahrt so gegen halb fünf zu Haus gewesen. Dann hatten wir meist noch eine Reflexion, wo wir berichten konnten wie es uns in den Klassen ergangen ist. Danach hieß es dann den Unterricht für den nächsten Tag vorbereiten. Bei der Vorbereitung wurde uns freie Hand gelassen und wir konnten machen was wir wollten- richtigen Unterricht, Spielen, Basteln, Singen...So war unser Tag ganz schön voll und für Freizeit war kaum Zeit., denn man musste sich ganz schön was einfallen lassen, um jeden Tag 2 Stunden in einer Klasse den Unterricht so zu gestalten, dass nicht völliges Chaos ausbrach. Aber man hatte schnell raus, was für die jeweilige Alterstufe angebracht war, auch wenn wir alle keine Lehrer sind. Da die Kinder dort sehr auf Auswendiglernen getrimmt sind und die Leistungsunterschiede innerhalb der einzelnen Klassen enorm sind, haben wir besonders mit den jüngeren Kindern viel gesungen und spielerisch gelernt! Die Kinder waren sehr süß und es war total toll mit ihnen, wenn auch manchmal etwas anstrengend!!!

Wir haben gleich am ersten eine Tour durch Bangalore unternommen, um uns zu orientieren. Die Wochenenden waren frei und wir haben mit der Gruppe tolle Ausflüge unternommen. Dabei stand uns Rupy immer zur Seite. Er hat uns viel geholfen und mit ihm wurde jeder Ausflug zum Abenteuer!!!  Einmal hatten wir auch einen interkulturellen Abend, wo jeder Volunteer ein typisches Gericht aus seinem Land zubereitet hat. Das war gar nicht so leicht, da es Indien nicht alle Zutaten gab, die für die Gerichte benötigt wurden. Es war aber alles sehr lecker und mal wieder schön nicht indisch zu essen!

Zum Abschluss des Camps haben wir mit den Kindern ein Fest gestaltet. Wir haben viel Schokolade, Lollies und Ballons eingekauft und dann gemeinsam viel gesungen und getanzt. Dort wurde uns dann ein indischer Tanz beigebracht und die Lehrerinnen haben uns mit Henna bemalt. Es war sehr schön und der Abschied fiel wirklich schwer. Alle waren so herzlich und die Kinder konnten gar nicht verstehen, warum wir nicht mehr kommen!

Das Workcamp war eine sehr schöne Erfahrung und ich kann im nachhinein sagen, dass ich von ijgd sehr gut vorbereitet war. Der Kulturschock ist durch die gute Vorbereitung und die gute Organisation der Partnerorganisation FSL ausgeblieben. Ich würde mich immer wieder für ein Camp mit ijgd entscheiden und kann es wirklich empfehlen. Es ist eine tolle Möglichkeit, ein anderes Land, eine andere Kultur besser kennen zu lernen und auch in einer internationalen Gruppe interkulturell zu lernen. Nach den zwei Wochen in Bangalore hieß es dann von der Gruppe Abschied nehmen, was auch sehr traurig war, weil wir uns toll verstanden haben. Ich bin mit Annika noch drei Wochen durch Indien gereist, was auch eine schöne Erfahrung war.