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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in einem Waisenhaus in Shimoga

Warum wollte ich ein MTV machen?
Ich habe Soziale Arbeit studiert und war nach meiner Diplomarbeit sehr unzufrieden mit meiner Berufswahl. DozentInnen und Mitstudierenden verbreiteten eine „Hat-doch-eh-alles-keinen-Sinn-Stimmung“, da immer mehr Streichungen und sowieso kaum Erfolg bei den KlientInnen. Demotiviert, jedoch einen kleinen Funken Liebe zur Sozialen Arbeit im Herzen tragend, entschloss ich mich ein MTV zu machen und um Soziale Arbeit in einem fremden Land zu entdecken und in der stillen Hoffnung meine Anfangsmotivation zum Beruf wieder zu finden.

Wo war ich eingesetzt?
Wenige Zeit später saß ich aufgeregt im Flugzeug nach Bangalore. Ich konnte es kaum erwarten mein Projekt kennen zu lernen. Jedoch kam ich erst nach meiner Orientierungswoche in mein Projekt. In dieser Woche habe ich allerdings schon Anna kennen gelernt. Eine Engländerin mit der ich mein MTV in Shimoga leisten sollte. In Shimoga angekommen, bestand die erste Woche aus einer Flut von neuen Orten, Straßen und Menschen. Wir sind gleich am ersten Tag in das Waisenhaus gegangen, da wir es kaum erwarten konnten, die Kinder zu sehen. In dem Waisenhaus „Mathruchaya“ leben 19 Mädchen im Alter von sieben bis 16 Jahren. Des Weiteren gibt es eine Angestellte, die ebenfalls dort lebt und 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche vor Ort ist und somit zur „Ersatzmutter“ der Kinder geworden ist und außerdem gibt es eine Küchenhilfe, die auch noch dort gelebt hat. Alle Personen lebten in einem Haus, das ungefähr 80! qm² Wohnfläche bot. Die Mädchen und das Personal waren von Anfang an sehr neugierig und aufgeschlossen. Das lag vielleicht daran, dass wir die ersten Freiwilligen in diesem Waisenhaus waren. Das erleichterte uns den Einstieg ungemein. Bereits nach der ersten Woche war es für uns so, als ob wir die Mädchen schon monatelang kannten.

Wie sah mein Arbeitsalltag aus?
Unsere Aufgaben bestanden darin, das Englisch der Mädchen zu verbessern und Unterstützung im alltäglichen Leben zu geben. Dafür war es am Anfang erforderlich, den Alltag der Mädchen genau zu studieren. Dies ging problemlos, da die Mädchen stolz waren, uns alles zeigen (ihre Schulen, ihre Tänze, ihr verborgenen Schätze etc.), was bei uns zu einer absoluten Reizüberflutung führte. Wir teilten uns unseren Tag so ein, dass wir früh die Kinder beim Zurechtmachen für die Schule unterstützten und nachmittags für sie da waren, sobald sie aus der Schule kamen. In der Zeit dazwischen erledigten wir Tätigkeiten im Haushalt. Wenn sie aus der Schule kamen, beschäftigen wir uns mit ihnen. Dabei wurde immer Englisch gesprochen, damit lernten wir auf spielende Art und Weise den Mädchen Englisch. Danach halfen wir bei den Englischhausaufgaben.

Wo habe ich gewohnt?
Ich habe mit Anna gemeinsam bei einer Gastfamilie gewohnt. Unsere Hostmum war die Gründerin des Waisenhauses, was dazu führte, dass wir viel über das Waisenhaus und die Mädchen erfuhren und oft über Problemlagen von Waisenkindern in Indien sprechen konnten. Wir hatten ganz luxuriös ein eigenes Appartement im zweiten Stock des Hauses, welches aus zwei Räumen bestand. Am Anfang war die Familie überbesorgt und wollte uns nirgendwo alleine hingehen lassen. Wir mussten uns unsere Freiräume erkämpfen und durften am Ende unserer Freiwilligenzeit auch allein in das Stadtzentrum. Diese extreme Fürsorge kam daher, dass wir die ersten Freiwilligen waren und sie nichts falsch machen wollten. Ansonsten war die Familie aufgeschlossen, lieb und wir haben viel gelacht. Kultureller Austausch fand statt durch interessante Diskussionen. Wir haben uns gegenseitig Dinge vorgestellt, beispielsweise Weihnachten mit ihnen gefeiert verschiedene Tempel besichtigt.

Was haben wir erreicht?
Das Hauptproblem im Waisenhaus war, dass die Angestellte mit 19 Mädchen an 365 Tagen im Jahr schlichtweg überfordert war. Sie hatte seit Jahren keinen freien Tag. Aufgrund der Vielzahl von Anforderungen, hatte sie kaum Zeit, einfach mal mit den Mädchen zu spielen oder zu beschäftigen. Wir hatten das Glück, dass Annas ehemaliger Arbeitgeber eine größere Summe Geld spontan gespendet hat. Somit konnte eine weitere Person für den Zeitraum eines Jahres angestellt werden, die mit den Mädchen Hausaufgaben macht und sich mit ihnen beschäftigt. Dies ist eine unglaubliche Entlastung für die bereits vorhandene Angestellte.

Was habe ich mitgenommen?
Indien und besonders der Freiwilligendienst hat mich wieder daran erinnert, dass eine zwischenmenschliche Begegnung so kostbar ist und wir uns alle auch die Zeit dafür nehmen sollten und dass Soziale Arbeit ja doch Spaß machen kann.

von Linda Wüstner