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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV an der Ashrama Schuli in Kundapur

Erfahrungsbericht Indien

1. Ausgangspunkt
Ich studiere Diplom Pädagogik. Meine Motivationskomponenten in Indien an einem MTV teilzunehmen waren: Mein Grundstudiumspraktikum im Ausland anpacken, Erfahrungen im pädagogischen Bereich zu sammeln und das, was unter dem Begriff interkulturelles Lernen/ interkulturelle Bildung zu verstehen ist, selbst zu erfahren. Indien zu bereisen war  für mich schon lange ein Thema, dementsprechend bot es sich an, nicht nur ins Blaue drauf los herumzureisen, sondern den Aufenthalt mit einem sozialen Projekt zu verknüpfen.

2. Projekt und Unterbringung
Die Ashrama Schule in Kundapur, das in der Nähe von Mangalore (Westküste Karnatakas’/ Südindien), ist eine ärmliche, bedürftige Schule, der nicht genügend Lehrer und andere Ressourcen zur Verfügung stehen um eine angemessene Erziehung als auch Bildung der Kinder zu gewährleisten. Die Schule wird von der Regierung unterstützt. Es handelt sich um eine Ganztagseinrichtung, Essen und Schlafgelegenheiten stehen für die Kinder bereit, eine Art Internat. Die Kinder verbringen hauptsächlich die Ferien bei ihren, meist mittellosen Familien, aus den gesellschaftlichen Unterschichten Indiens.
Sarah, 17 Jahre und ich 23 Jahre waren zusammen 2005 in dieser Projektschule und in derselben Gastfamilie untergebracht. Viel Raum und Privatsphäre blieb uns nicht, immerhin mussten wir uns auch ein Doppelbett teilen.
Daher für uns beide eine Situation, die unsere Anfangssympathie und unser gutes Verhältnis zueinander, was sich später entwickelte, auf die Probe stellten sollte. Keine Luft zum Atmen, Zickereien, Streit? -Im Gegenteil, wir haben uns schnell angefreundet und wurden ein richtig gutes Team.

3. In der Rolle der fremdländischen Lehrerin
Unsere Arbeitszeit war von 10 - 16 Uhr. Wie geht man in der Rolle der Lehrenden pädagogisch und didaktisch vor, wenn man selbst kein Kanada (Landessprache in Karnataka) spricht und die Kinder kaum Englisch? Das war die Fragestellung, mit der ich jeden Tag aufs Neue konfrontiert wurde. Mich im Bezug darauf mit einer Antwort auseinanderzusetzen war mit die größte Anforderung, bzw. Herausforderung und Schwierigkeit zugleich. Auf Grund dieser Sprachbarriere stellte sich für mich gar nicht erst die Frage, welche didaktischen Strategien zum vermitteln von Englisch  ich anwenden sollte, denn ich konnte nur mit den einfachsten und simpelsten arbeiten. Oft war es uns gar nicht möglich zu unterrichten, weil die Kinder sehr unkonzentriert und undiszipliniert waren. Sie wiederholten die Englischen Vokabeln, ohne sie zu verstehen oder darüber nachzudenken. Manche Kinder waren auch einfach noch zu klein um die Sinnzusammenhänge aufzunehmen. Die Klassen setzten sich zudem aus unterschiedlichen Jahrgängen zusammen, beliebig danach, in welchem unterschiedlichen Alter die Kinder eingeschult wurden. Dass meine Bemühungen, einen sinnvollen Unterricht zu gestalten, mehrfach nicht fruchteten, war für mich eine Konfliktsituation und anfänglich äußerst frustrierend. Ich konnte allerdings gut damit umgehen, indem ich meine Erwartungen losgelassen habe. Dadurch konnte ich mich dann auf das Projekt und die Gegebenheiten in Indien einlassen.

Es ist vieles einfach ganz anders, wie wir es hier in Deutschland gewohnt sind. Die indischen Lehrerinnen waren in meinen Augen sehr ungeschult, unfähig und nicht besonders sensibel im Umgang mit den Kindern, auch nicht auffallend kooperationsfreudig uns gegenüber. Die meisten Informationen haben wir von unserer Vorgänger -  Volontärin bekommen.

Das Projekt war für mich gut, für meinen persönlichen Lernprozess und für mein interkulturelles Lernen. Aber nichts desto trotz war diese Erfahrung, meine Erwartungen loszulassen für mich eine positive, auch wenn sie hier etwas ambivalent klingen mag. Das gehört dazu. Ich bin daran gewachsen, habe gelernt loszulassen und dass nicht immer alles perfekt sein muss. In gewisser Weise bin ich kompromissfähig, konfliktfähig und geduldiger mit mir selbst geworden und immerhin war ich in einer Führungsposition und konnte mich vor einer Klasse ausprobieren und keiner hatte Erwartungen an mich gestellt oder wollte mir bei Fehlern den Kopf abreißen. Zurück zum Thema unterrichten, wir haben letztendlich versucht den Kindern auf eine spielerische Art und Weise Vokabeln beizubringen. Z.B. haben wir mit ihnen gesungen, gemalt, uns ein paar Schulbücher in Kanada - Englisch gekauft, damit wir ein bisschen in Kanada arbeiten können. Wir hatten begriffen, dass auch wir zum Lernen in diese Schule gehen. Die Kinder konnten sich meistens nur 15 Minuten auf eine Sache konzentrieren, dann mussten wir uns wieder etwas anderes überlegen. Oft haben wir dann in Kleingruppen gearbeitet. Die Kinder waren sehr süß und niedlich, haben aufgeschlossen Körperkontakt gesucht und sich für uns interessiert.

In Kundapur waren mehrer Volontäre, darunter auch Deutsche in anderen Projekten (Behinderten-, Kinderheime), mit denen ich in regelmäßigem Austausch stand. Dies empfand ich als sehr angenehm, wir konnten ähnliche Erfahrungen teilen und hatten viel Verständnis für einander.  Auf jedem Falle war es nicht verkehrt erst einmal anzukommen bevor ich losreise, so hatte ich einen Bezugspunkt, den Kontakt zu anderen Volontären, also immer jemanden zum austauschen und einen sehr interessanten Aufenthalt und Einblick in meine indische Gastfamilie, die  sich uns gegenüber sehr lieb und führsorglich verhalten hat. Ich habe in der Schule ferner gelernt mir aus dem Stehgreif meine nächsten Schritte einfallen zu lassen, zu improvisieren, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und diese zu erkennen. In diesem geschützter Raum der Ashrama Schule konnte ich mich der Kultur Indiens langsam und nachhaltig annähern. Ich habe meinen Traum nach Indien zu reisen verwirklicht und gelebt, habe ihn ebenfalls mit meiner originären Vorstellung nicht nur stumpf durch ein Land zu reisen, sondern Land und Leuten näher zu kommen, sprich dort richtig zu leben, erfolgreich kombiniert. Ich habe eine herrliche Erfahrung gemacht, eine ganz große Bereicherung,
wahrhaftig habe ich den Prozess von interkultureller Bildung selbst durchlebt.

4. Persönliches
Diese verschiedenen Systeme, bzw. die inkonformen Lebenswelten und Lebensweisen zu er- spüren -fühlen oder dahinter zu schauen, war für mich ein Prozess, der seine Zeit brauchte. Mit anderen Worten, ich befand mich in einer komplett anderen Welt, einer fremdartigen und mir unbekannten Kultur -in einem unsicheren Umfeld. Vor Reiseantritt hatte ich schlimmere Erwartungen, war unruhig und aufgewühlt. Meine Ängstlichkeit, meine Befürchtungen haben sich im Rückblick  als Attribute von Reisevorbereitungsstress herausgestellt. Wenn man landet will man einfach nur noch raus aus dem Flugzeug, auf ins Abenteuer, auf zu neuen Horizonten, mit ganz weit aufgerissenen Augen und einem erweiterten Herzen nimmt man so viel mehr Eindrücke wahr als zu Hause. Ich habe in Indien einen Dauerschub von Vertrauen erlebt, wie ich ihn von zu Hause nicht kenne. Unglaublich. Ich habe den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Und es war angenehm wohlig und warm. Ich habe den kompletten Süden bereist, Karnataka, Tamil Nadu, Kerala, Goa, Bombay, Delhi, Varanasi, Rajastan und all seine Hauptstädte, die Wüste, den hohen Norden und die Babyhimalayas sowie Dharamsala, den Aufenthaltsort des Dalai Lamas. Eine wunderbare Welle, Reise, Emotion – wie auch immer - für mich ein Zeugnis von Leben! Eine Erfahrung, pure Bereicherung, Brot für die Seele, das kann mir keiner mehr nehmen.

Ich habe meinen Traum nach Indien zu reisen verwirklicht und gelebt, habe ihn ebenfalls mit meiner originären Vorstellung nicht nur stumpf durch ein Land zu reisen, sondern Land und Leuten näher zu kommen, sprich dort richtig zu leben, erfolgreich kombiniert. Ich habe eine herrliche Erfahrung gemacht, eine ganz große Bereicherung, ich habe den Prozess von interkultureller Bildung unverfälscht selbst durchlebt.

Yvonne Escher