MTV in der VAGJYOTHI RESIDENCIAL SCHOOL FOR DEAF & M.R.
Erfahrungsbericht aus Indien
(Oktober bis Dezember 2007)
Von Oktober bis Dezember 2007 machte ich mein MTV in Moodbage, Kundapura im Bundesstaat Karnataka im Süden von Indien. Dort arbeitete ich mit der Partnerorganisation FSL in einer Schule für gehörlose und Kinder mit geistiger Behinderung. Die Idee nach Indien zu gehen kam durch Möglichkeit mein Praxissemester für mein Studium der Sozialen Arbeit im Ausland abzuleisten. Ich informierte mich im Internet und wurde fündig. Ich wollte Erfahrungen sammeln, ein neues Land für mich auf andere Weise kennen lernen und einfach einmal raus aus meinem Leben in Deutschland.
Ende September war es endlich so weit. Ich landete in Bangalore und fuhr mit dem Bus (14 Stunden für 400 km) nach Kundapura. Nach einer Nacht im Hotel startete die Orientation Week für etwa 12 Freiwillige aus der ganzen Welt, die rund um Kundapura in den verschiedensten Projekten arbeiteten. In der Orientation Week lernten wir Kanada (die Sprache von Karnataka), sprachen über mögliche Probleme und unsere Motivation, kochten zusammen und machten Ausflüge.
Der Kontakt mit den anderen Freiwilligen und der erste Einblick in eine völlig andere Welt durch die Orientation Week gaben mir Kraft und neue Motivation und ließen die anfänglichen Probleme leicht bewältigen.
Am Ende der Orientierungswoche wurde ich mit Suvi, einer Finnin in unsere Gastfamilie gebracht. Unsere Gastfamilie bestand aus dem Vater Moses (60) und der Tochter Neina (27). Suvi und ich hatten unser eigenes kleines Haus gegenüber dem unserer Gastfamilie mit zwei Schlafzimmern, einer uneingerichteten Küche und einem Badezimmer.
Wir aßen am Abend zusammen, gingen sonntags zur Kirche und zwischendurch lernten ich viel über Umgangsformen und das „normale Leben“ in Indien und natürlich auch in Finnland. Wenn wir wollten konnten wir uns in unsere eigenen Zimmer zurückziehen.
Anfang November wechselte Suvi ihr Projekt und somit auch die Gastfamilie. Ich bekam Christina aus Münster als neue Mitbewohnerin.
In dem ersten Monat arbeitete ich für etwa drei Wochen in Japthi, ein Hort für Kinder mit geistiger Behinderung.
Das Projekt wurde fast ausschließlich von Freiwilligen Betrieben. Es gab zwei Frauen, die für die 8-10 Kinder kochten, wuschen und am Wochenende nach ihnen sahen. Ein Mann kümmerte sich ausschließlich um die Verwaltung und Beschaffung von Spenden. Von Montags bis Freitags, von 9: 30 bis 15 Uhr gestalteten 4 Freiwillige den Alltag der Kinder. Da ich nur für drei Wochen in dem Projekt war konnte ich mich mit der Arbeit nicht so recht anfreunden und wollte keine tiefe Beziehung zu den Kindern aufbauen.
Mit Spiel und Spaß hatte ich dort eine schöne Zeit.
Mit dem Wechsel meiner Mitbewohnerin wechselte ich auch mein Projekt und arbeitete die restliche Zeit zusammen mit Christina in Vag Jyothi, einer Schule mit etwa 50 SchülerInnen von der 1. bis zur 7. Klasse. Die Hälfte der SchülerInnen war gehörlos die andere Hälfte waren Kinder mit geistiger Behinderung.
Christina und ich haben einen Stundenplan erhalten und übernahmen so jeden Tag 5-6 Stunden im normalen Schulalltag. Unsere Arbeitszeit war von 9:30 – 16:30 Uhr. In unseren Unterrichtsstunden unterrichteten wir Englisch, machten Spiele, Quiz, malten und bastelten. Wenn wir keinen Unterricht hatten. Bereiteten wir den nächsten Tag vor oder halfen den zwei Helperwoman beim kochen, waschen oder anderen Aufgaben. Die zwei Helperwoman arbeiten jeden Tag im Jahr. An den Wochenenden machten wir Ausflüge mit andern Freiwilligen nach Goa, Hampi o.ä.
An der Schule (in der die Kinder auch unter der Woche geschlafen haben; die meisten auch am Wochenende) gab es einen Direktor, 4 Lehrerinnen und eine Lehrerin in der Ausbildung. Um die Schule war es recht gut gestellt.
In den ersten Wochen war es uns am wichtigsten mit den Schülern in Kontakt zu kommen. Sie waren sehr interessiert an uns und wollten alles wissen, jede Kleinigkeit. Wir bemühten uns so gut es ging die Gebärdensprache der Schüler zu lernen. Das hat sehr gut geklappt und wir konnten nachher über alles mit den Schülern „reden“.
Die Verständigung mit den Lehrern hingegen war etwas schwieriger. Die Englischkenntnisse und die unterschiedlichen Vorstellungen unserer Rolle als Freiwillige ließen manchmal Probleme aufkommen (die Kinder wurden geschlagen, Respektfrage, wenn die Schüler unsere Haut anfassen, Faulheit und Pünktlichkeit der Lehrer etc.)
Alles in allem war die Zeit in der Schule für mich eine ganz tolle Erfahrung und auch für die Kinder, die nun einen Einblick bekommen haben, wie es auch „anders“ geht.
Während meiner Arbeit in den Projekten und dem Leben in der Gastfamilie gab es zwischendurch immer Besuche von meinem Ansprechpartner bei FSL. Es wurden Probleme und Annmerkungen besprochen. Es war schön auch von den Lehrern und meiner Gastfamilie auf diesem Weg Rückmeldung zu erhalten.
Die Vorbereitungsseminare von IJGD waren für mich in vielerlei Hinsicht hilfreich. Vor allem hat der Austausch mit RückkehrerInnen im Vorfeld den Aufenthalt in Indien realistischer gemacht.
Ich ging mit den Gedanken die Welt zu verbessern und kam zurück mit einem klaren Selbstbild, dem Willen andere Kulturen zu verstehen und Interesse für die Machtverhältnisse auf der Welt.
Nach meiner Zeit in der Gastfamilie und in dem Projekt bin ich noch etwa 2,5 Monate in Indien gereist. Das gab mir die Gelegenheit auch die anderen Ecken des riesigen Landes zu genießen.
Für mich war es alles in allem eine runde Sache und eine tolle Zeit, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Nadine Horscht







