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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Indien

Ulrike K

FSL India

Interweave/Bangalore

Diversity Management

Maerz bis Mai 2009

3 Monate

 


Ich habe mich für einen Freiwilligendienst im Frühjahr 2009 in Indien entschieden, weil ich für mein Studium ein Praktikum machen musste. Da meine beiden Fächer Soziologie und Kultur- und Sozialanthropologie sind, eröffnete der MTV eine Möglichkeit in einer fremden Kultur praktisch tätig zu werden. Ich habe mich bei meiner Bewerbung für das Feld Women Empowerment entschieden, weil der Bereich der Gender Studies in meinen beiden Studienfächern behandelt wird und ich mir davon den meisten Gewinn für mein studentisches Weiterkommen versprochen habe.

Am 28. Februar bin ich mit Anne, die ich beim Vorbereitungstreffen kennengelernt habe, von Frankfurt aus nach Bangalore geflogen, mit einem Zwischenstopp in Mumbai. Der Flug war sehr angenehm, aber lang und nach den zig, ermüdenden Stunden im Flugzeug war der Wunsch nach einem Bett größer als die Sorge um die Reisekasse. Nein, bestohlen wurden wir nicht, aber das Taxi vom Flughafen zu unserem Hotel war mehr als überteuert, genau wie das im Voraus gebuchte Hotel.

Die ersten Eindrücke von Indien waren bescheiden… Überfüllte Straßen, Lärm, Gestank (von verbrennenden Müllbergen), überteuerte Taxis deren Fahrer den Weg nicht kennen, alles in allem riesen Chaos. Aber das Hotelzimmer war sehr schön.

Der Auftrag, den FSL jedem Volunteer erteilt ist, am ersten Montag des Monats um 11 Uhr am Hotel Sharon in Kundapura anzukommen um dort die Orientierungswoche mitzumachen.

Die Busfahrt nach Kundapura war abenteuerlich, aber letztendlich erfolgreich. Und nach der Einführung in die Do’s and Don’t’s der indischen Kultur und dem Kennenlernen der kulinarischen Köstlichkeiten ging es für mich zurück nach Bangalore, wo mein Projekt seinen Sitz hat.

In Bangalore selber habe ich in einer Paying Guest Accommondation, kurz PG, gelebt, die so eine Art Hostel für unverheiratete Frauen ist, die in Bangalore, fern ab von ihren Familien Arbeit gefunden haben. Die meisten der Frauen die hier wohnen leben schon seit Jahren so zusammen und sind wie Schwestern füreinander. In der Regel leben sie so lange in der PG bis sie heiraten.

Als zunächst einzige Volunteerin hab ich mir zu Beginn eine Wohneinheit mit 5 anderen Mädels geteilt. Vier davon im Hauptzimmer, ich mit Mrudula im inneren Zimmer. Die Einrichtung ist zweckmäßig: Ein typisch indisches schmales, kurzes Bett mit Matraze und Kopfkissen und ein verschließbarer Schrank.

Das Essen, das von der Besitzerin und ihren Töchtern jeden Tag zubereitet wird war köstlich, fand ich jedenfalls. Da ich meine Lunch-Pause über immer im Büro war, habe ich, wie die meisten anderen PG-Bewohnerinnen auch, mein Mittagsessen in einer Lunchbox mitgenommen.

 

Das Projekt, in dem ich die drei Monate meines Aufenthalts tätig war heißt ‚Interweave Consulting‘ und ist ein Unternehmen, dass sich mit diversity management in Indiens boomender Wirtschaft beschäftigt.

Meine Aufgabe war eine Umfrage zum Thema Mutterschaftsurlaub und Rückkehr in den Beruf, die eine der ersten ihrer Art in Indien ist.

Die Arbeitssprache war Englisch, begründet dadurch, dass die vier festen Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Teilen Indiens kommen und keine andere gleiche Sprache teilen. Gut für mich, denn das Arbeiten in einer völlig fremden Sprache wäre mit Sicherheit nicht annähernd so effektiv gewesen. Die Arbeit die ich bei Interweave geleistet habe unterscheidet sich nur geringfügig von der Arbeit die ich in Deutschland hierzu hätte leisten müssen. Es war reine Büroarbeit, die nicht gerade dass ist, was man sich vorstellt, wenn man drei Monate lang Freiwilligenarbeit leisten will. Für mich und meine Motivation für den Aufenthalt hätte es aber gar nicht besser sein können. Die Grundlage soziologischen Wissens ist die empirische Sozialforschung, und auch in Kultur- und Sozialanthropologie machen Umfragen einen nicht zu verachtenden Teil der Wissensgewinnung aus, wodurch ich mein bereits erworbenes Wissen über den Prozess der Umfrage und der anschließenden Analyse sehr gut einsetzen konnte.

Nach einem Monat habe ich deutschsprachige Gesellschaft aus Österreich bekommen. Mit Lisi zusammen bin ich dann in ein separates Zimmer in der PG gezogen und hatte nun auch jemanden für den Arbeitsweg. Ich habe innerhalb des ersten Monats alles für mich wichtige erkundet und konnte so der Guide für Lisi sein. Trotz dessen, dass Lisi eine unglaublich liebe Person ist, habe ich mir nicht nur einmal die Zeit zurück gewünscht in der ich noch alleine im Projekt und in der PG war. Der Grund dafür ist der viel intensivere Kontakt mit der neuen Kultur und den Menschen. Bekanntlich ist der Mensch faul, du wenn man die Möglichkeit hatte ohne den Umweg über eine Fremdsprache Kontakt mit jemand zu haben, wird man diese Art vorziehen. Mit Lisis Ankunft hat sich der Kontakt zu den anderen PG-Bewohnerinnen im Sand verlaufen, und auch meine Wochenenden, die ich zu Beginn mit Reisen verbracht habe, haben sich geändert.

Ich bin alles in allem sehr froh, dass ich die ersten ‚Prüfungen‘ und den beschwerlichen Anfangsmonat alleine gemeistert habe, weil ich denke, dass ich gerade in dieser Phase das Meiste gelernt habe.

 

Die Betreuung von Seiten FSL war okay…in der Orientierungswoche war das ganze Team sehr fürsorglich und offen und der Start in Bangalore wurde mir durch Leela sehr erleichtert. Da ich aber sehr zufrieden mit allem war, sei es Arbeit, Essen, Unterkunft oder Gesundheit, hatte ich kaum Kontakt mit meiner Koordinatorin. Ich hatte aber die ganze Zeit über das gute Gefühl jederzeit anrufen zu können und Hilfe zu bekommen. Aus gesundheitlichen Gründen ist Leela nach anderthalb Monaten ausgeschieden, was ich sehr schade fand, aber mich in keinster Weise beeinflussen konnte.

 

Die Vorbereitung von ijgd hat mir viel gebracht. Der Kontakt zu einheimischen Indern und Rückkehrern hat ein gutes erstes Bild vermittelt und mich vor negativen Überraschungen bewahrt. Die Tatsache, dass ich Anne kennengelernt habe und so nicht alleine die lange Anreise zur Orientierungswoche antreten musste war auch klasse, ich weiß nicht, ob ich es sonst auch so angenehm gefunden hätte.

 

Als Fazit von meinem kompletten Freiwilligendienst in Indien muss ich festhalten, dass es mich sehr geprägt hat und mir neue Perspektiven für mein Leben eröffnet hat. Ich habe zum ersten den Beschluss gefasst meinen Master in Indien, vorzugsweise in Bangalore zu studieren, und beim meinem Zwischenstopp in Mumbai auf der Rückreise nach Deutschland musste ich feststellen, dass ich mein Herz an dieses Land verloren habe – zumindest teilweise. Ich werde so bald es geht wieder hinreisen und versuchen noch mehr von diesem faszinierenden, unglaublich vielseitigen Land zu sehen und zu erleben.

Ganz Indien lässt sich in seiner Größe, Vielseitigkeit und kulturellen Eigenheiten mit ganz Europa vergleichen. Es ist bestimmt nicht dasselbe für jeden, aber wenn man das funktionierende indische Chaos einmal ins Herz geschlossen hat wird die funktionierende Struktur der ‚westlichen‘ Welt nur schwer wieder erträglich.