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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Indien 2009

Erfahrungsbericht Sara B. A.

FSL - Kerala, Indien

Yoga / Kids / Ayurveda

03-23 August 2009, 3 Wochen

 

In einer schlaflose Nacht habe ich im Internet die Webseite von IJGD gefunden. Nachdem ich mir alle Workcamps und ihre Daten angeschaut habe, war ich von dem Programm von FSL sehr angetan. Mein Projekt hieß “Special Workcamp”, da wir nicht nur arbeiten würden, sondern auch  Yoga und Ayurveda Unterricht bekommen würden. Ich wollte unbedingt nach Asien, ich wollte ein Sozialprojekt mit Kindern und die Idee auch etwas für meine Bildung machen zu können, fand ich sehr interessant. Kurz nach der Entscheidung und das Vorbereitungsseminar habe ich die Zusage bekommen. Ich war sehr glücklich und ich hatte das Gefühl, daß es ein sehr besonderer Sommer sein könnte.

 

Ich bin um 5:30 in der Ernakulam Junction Railway Station (in der Nähe von Cochin) angekommen. Eine Stunde suchte ich nach einem sicheren Abteil für mich und mein Gepäck, bis ich verstanden habe, dass in Indien alles anders läuft. Ich habe mir gedacht: “Sara, das ist eine andere Welt. Vergiss deine vorherigen Ideen darüber wie die Sachen laufen”. So bin ich zu einem Frauenabteil geführt worden, habe gesehen wie alle sich miteinander und übereinander zusammengesessen haben und habe versucht, auf meine europäischen Einstellungen nicht zu achten.

 

Tariparamba ist eine kleine Stadt, 20 km weit von Kannur, eine größere Stadt in Kerala, Südindien. Kerala hat den größten proportionellen Anteil an Frauen in Indien, die größte Zahl von gebildete Menschen, die einzige wo die Frauen eine sehr wichtige Rolle in der Familie haben. Es ist auch ein reicher Staat, wo wir kaum Bettler gesehen haben. Die Küste ist wie auf den Postkarten aus der Karibik und es riecht immer nach Kokosnuss, Holz und Mango.

 

Wir waren 18 Volunteers aus England, Frankreich, Italien, Spanien, Südkorea, Griechenland, Deutschland und Island und 2 Teamleader, alle zwischen 20 und 32 Jahre alt. Wir haben zu dritt in einem Guest House übernachtet, wo wir die drei Mahlzeiten bekommen haben. Das Guest Haus war einfach, nicht luxuriös, wir hatten aber Wasser und Ventilatoren. Um 6:15 gingen wir die Treppen runter zum Yoga Unterricht mit einem netten Lehrer, den wir ziemlich gut verstehen konnten, der ein Yoga der alten Schule mit uns gemacht hat. Eine Dusche und direkt zum Frühstück (Reis oder Weizencrêpes, Kichererbsen, Tomatensauce, Pickles und Black Tea, Black Coffee oder Chai). Die zwei Teamleader waren immer nett zu uns, aber die haben sich nicht so gut koordiniert. Dazu, haben wir 5 verschiedenen „Teamleader“ kennen gelernt, aber manche waren nach einer Zeit krank, oder sind zu einem anderen Workcamp gegangen.

 

Danach zu Fuss in die Stadt, um mit dem Bus zur Schule zu fahren. Es war die Ende der Monsumzeit, sehr schwül, heiss und wechselhaft, sodass eine kurze Strecke zu Fuß zu laufen schon anstrengend war. Danach, in der Schule, sollten wir uns in drei Gruppen organisieren: gardening, teaching and painting. Dort haben wir keine klaren Aufgaben bekommen, es gab Gruppen mit vielen Leuten und anderen mit nur zwei, erst nach einer Woche gab es Material. Ich habe jedes Mal 2 Stunden vor einer Klasse mit 30 3-4 jährige Schüler gestanden und habe versucht spontan, etwas zu machen. Sie konnten nur einige Buchstaben und wenig Englisch, ohne ein Programm war es nicht einfach.

 

Danach Lunch bei Zudar, unserem netten Gastgeber. Wir haben immer mit vielen Bauern aus dem Dorf von einem Bananenblatt mit den Händen vegetarisches Essen gegessen, sodass wir ein ganz normales Leben in Tariparamba führen konnten. Zähne mit Wasser aus der Flasche putzen und 20 Minuten laufen, bis wir das Ayurvedic Hospital und die Research Laboratories erreicht haben, wo wir über ayurvedische Medizin zwei Stunden Unterricht pro Tag hatten. Man sollte sich kein deutsches Krankenhaus vorstellen und all die mystischen Ideen, die man zu dem Wort “Ayurveda” verbindet, auch vergessen. Es war ein Gebäude mit vielen Schränken voll mit Fläschchen gefüllt mit verschiedener dunklen Flüssigkeiten, große Töpfe mit kochenden Ölen wie der von Obelix, und einige Blutegel, die noch als “Entgiftungsmittel” benutzt werden. Alles roch nach Samen, Körnern, Kokosnuss und etwas unbeschreiblich.

 

Der Unterricht war teilweise gut, teilweise aber auch sehr schwer zu folgen: viel auf Sanskrit (die Sprache in der die ayuverdische Bücher geschrieben sind) ,viel Anatomie auf Englisch mit Malayalam Akzent, viele medizinische Details von denen wir keine Ahnung und sehr oft kein Interesse hatten. Schweiß, Ventilatoren und wir klebten auf den Plastikstühlen.

 

Ab 16:30 / 17:00 Freizeit. Schnell mit einem Tuc-Tuc nach Tariparamba City, Internet, Bananen und Mangos kaufen, unsere Saris für eine Hochzeit anprobieren und beim Schneider lassen... Und schnell zurück, da wir um 19:00 h Meeting hatten. Da haben wir über unseren Tag, die Pläne für die Woche und das Wochenende geredet. Danch einfaches Abendessen, drei Mal Reis pro Tag.

 

Ein bisschen unterhalten und Wäsche in einem Eimer waschen und um 22:00 ins Bett, KO. Wenn ich denke, warum ich so müde war, ist weil ich den ganzen Tag sehr aufmerksam war. Auch wenn Englisch die dritte Sprache in Kerala war (erste Malayalam, zweite Hindi), konnten nicht alle Englisch reden (meistens die Jugendlichen, aber viele Erwachsene in Dorf konnten gar kein Wort), und der Akzent war auch sehr schwer zu verstehen. Dazu hatten wir einen Teamleader der nicht Malayalam sprechen konnte. Die Inder betonen alle Wörter anders, auch abhängig davon aus welchen Staat sie kommen. Im Gegenteil dazu konnten wir uns, die Volunteers, ziemlich gut unter einander verständigen, auch mit besseren oder schlechten Sprachniveaus.

 

In ähnlicher Weise vergingen drei Wochen. Zwischendurch viele Gespräche über die Plänen, Missverständnisse, verschiedene Ideen darüber wie man ein Workcamp führen sollte oder über wie wir uns über die Arbeit vorgestellt haben, ein paar neue Pärchen und vieles wie in Big Brother. Einige sind schon früher gegangen, nicht zufrieden mit dem Programm und der Organisation. Am ende waren wir zu 12. Das Zusammenleben war eigentlich das Wichtigste. Der Austausch mit den Indern aus Tariparamba und Kannur, die Gruppe von Jugendlichen aus einer High School, mit denen wir uns einen Abend getroffen haben, das leckere Abendessen bei Shanti, die Ärztin, die sich sehr um uns gekümmert hat, die Ananas mit den vielen Kerzen zu meinem Geburtstag, der Profifotograf, der alle Mädels mit den Saris fotografiert hat, die Reaktionen der Frauen mit Burkas auf dem Markt, die Reaktionen der Jungs in den vorbeifahrenden Bussen...

 

Am Wochenende, Ausflüge und Freizeit: Wildlife Sanctuaries - ohne wilde Tiere, aber mit Blutegeln -viele! ;-), Ausflug nach Goa am Independence Day, volle Züge, fliegenden Kakerlaken über uns, Regen, die Schwüle, körperliche Nähe Kontakt, viele Männer die uns angestarrt haben.

 

Im Taxi Richtung Cochin Flughafen habe ich mich für meine Glück bedankt. Ich hatte vieles erlebt, hatte viele nette Menschen kennen gelernt, habe mehr über meine Grenzen und meine Offenheit gegenüber anderen erfahren und habe mit meinen Augen gesehen, wie wenig Freiheit die Frauen in anderen Ländern der Welt haben. Ich habe auch gedacht, dass ich nicht genug schätze, was ich alles in Deutschland habe.

 

Seitdem ich in Deutschland bin (jetzt ist es zwei Wochen her), versuche ich jeden Tag einiges nicht zu vergessen: mehr lachen, anderen im Alltag helfen, wie sie es mit mir immer gemacht haben, offen mit anderen Religionen und Kulturen sein, alles ruhiger machen, nicht das Geld und den Erfolg in den Mittelpunkt stellen.

 

Ich weiss nicht ob ich es schaffe, noch an einem Workcamp teilzunehmen, aber ich will mich noch mehr sozial engagieren, in Deutschland oder im Ausland. Das Beste, was ich auf dieser Reise erfahren habe, ist, dass das Leben viel schöner ist, wenn man es mit jemand teilen kann.

 

Im Zug von Frankfurt nach Köln dachte ich an die Wörter von Rabindranah Tagore, geboren in Kalkutta und Literaturnobelpreisträger(1913), gedacht:

 

“Wir bekommen das Leben, aber wir verdienen es uns, indem wir es miteinander teilen”.