MTV in Indien 2010
Name: Penelope P.
Partnerorganisation: FSL
Projekt: Regular Teaching Poirada Hospet, Karnataka, Indien
Dauer: August- Oktober (2 Monate)
Ich wollte an einem MTV teilnehmen, da mich Indien als Land sehr interessiert. All die Gegensätze des Schwellenlandes, die große Bevölkerung und vor allem weil es so anders sein sollte als Europa.
Mein Hauptgrund für mein MTV war eigentlich, dass ich einen Gesamteindruck bekommen wollte, wie unsere Welt so aussieht, ich wollte raus aus Europa und begreifen wie vielseitig die Welt ist.
Also bewarb ich mich bei ijgd, nahm an dem Vorbereitungsseminar teil und von da an ging alles ganz schnell. Gerade fertig mit dem Abitur, saß ich auch schon allein im Flieger auf dem Weg nach Mumbai. Ich glaube, sobald ich in Indien aus dem Flugzeug ausgestiegen war, war mein Leben in Deutschland irrsinnig weit entfernt. Es schien so irreal, dass ich vor einem Tag noch in meinem Wohnzimmer meinen Rucksack gepackt hatte. Ich war ab der ersten Minute mit all meinen Sinnen und all meiner Aufmerksamkeit auf das Land fixiert.
Man ist immer und überall „eine Weiße“. Besonders als Frau fällt man auf, nichts läuft wie geplant, alles was man tut ist immer improvisiert und schnell stellt man sich darauf ein, dass es keinen Tag ohne Überraschungen gibt.
Das Vorbereitungsseminar von FSL war sehr gut. 7 Tage lang war ich mit vielen anderen Freiwilligen in einem Haus untergebracht und wir wurden gut auf unseren Freiwilligendienst vorbereitet. Am schönsten war es jedoch mit Leuten zu reden, die alle in der selben Situation steckten wie ich selbst.
Ich war ziemlich froh, dass ich nicht allein in meinem Projekt war, sondern zusammen mit Susanne (aus Deutschland) am letzen Abend des Seminars in einen klappernden Bus gesteckt wurde.
Jedenfalls nahmen wir einen Nachtbus, der uns durch alle Schlaglöcher die mitgenommen werden konnten, nach Hospet im Süden Indiens brachte.
Früh am morgen angekommen sprangen wir aus dem Bus und wurden umgeben von einer Menge Menschen, die sehr interessiert an uns waren. Wir wurden jedoch schnell abgeholt von einem Mann, der zu dem Projekt gehörte. Nach weiteren von Schlaglöchern geprägten 30 Minuten bogen wir von der Landstraße ab und parkten direkt vor der Schule, einem roten Gebäude.
Diese Schule sollte also für 2 Monate unser Zuhause sein. Vorher konnte uns niemand genau sagen, wie die Unterbringung genau aussehen würde. Es stellte sich heraus, dass wir einen der Klassenräume zur Verfügung gestellt bekamen. Es gab nur 2 Betten und ein paar Schulbänke, aber wie man auf den Fotos sehen kann, ließ es sich ganz gut einrichten.
In der Schule lebten aus unterschiedlichen Gründen noch einige Kinder. Entweder weil ihre Eltern zu weit weg wohnten, gestorben oder zum Aufziehen nicht in der Lage waren. Neben diesen Kindern lebte noch eine Familie dort, die Mutter kochte für alle (auch für uns) und der Vater arbeitete als Hausmeister und Lehrer. Der Sohn ging auch in die Schule.
Was und wie hier genau unsere Aufgaben waren, stellte sich im Laufe der 2 Monate heraus. Was wir hier zu tun hatten fanden wir raus, während wir es taten. Ich arbeitete in der High School (5.-10.Klasse /120 Schüler) und Susanne in der Grundschule. Wir unterrichten Englisch.
Ich hatte jeden Tag den gleichen Ablauf: alle 6 Klassen hintereinander. Zwischendurch 1 Stunde Mittagspause. Ich vermute die Köchin hat Anweisungen bekommen deutsch zu kochen, deswegen wurden uns täglich Bohnen serviert. 2 Monate lang. Weil wir angeblich in Deutschland keine Soßen haben; Aber wenn wir gefragt haben, konnten wir natürlich auch das Schulessen bekommen.
Mein Unterricht bestand im ersten Monat darin, herauszufinden, wo genau ich bei den Kindern zum Unterrichten ansetzten konnte. Und nachdem ich bemerkt hatte, dass sie eigentlich nur alte Englischbücher auswendig lernten ohne diese zu verstehen, habe ich mich den zweiten Monat darauf konzentriert, ihnen etwas sinnvolles beizubringen, das sie verstehen. Ganz konkret bedeutet das, dass die Schüler alle Past Tense Formen der Verben auswendig konnten, aber keine Sätze damit bilden. Oder von vielen Wörtern den Plural gelernt haben aber nicht wussten was das Wort bedeutet. Je nach Niveau habe ich in den Klassen 5-7 Vokabelgruppen unterrichtet, mit denen wir gearbeitet haben und in den Klassen 8-10 haben wir Grammatik gelernt. Am Ende der Woche habe ich einen Test durchgeführt um zu sehen, wie gut es alle verstanden hatten. Da es zuvor ausschließlich Frontalunterricht gab, schnitten viele Schüler schlecht ab. Nach zwei 2 Monaten war ich an dem Punkt, dass ich einen prima Lehrplan für alle Klassen aufstellen wollte, allerdings war meine Zeit vorüber und ich brach an dem Punkt ab, der eigentlich erst der Anfang eines Erfolgs bei den Kindern war. Allerdings glaube ich trotzdem viel erreicht zu haben. Am meisten haben den Schülern die Unterrichtsstunden gegeben, in denen wir rausgegangen sind und mit Hilfe von Spielen, Bewegung und Austoben zu Lernen. Meine 13 Schuljahre trage ich zum Glück doch sehr in mir, so dass ich automatisch mit meinem Auftreten viele neue Anregungen in die Köpfe der Kinder bringen konnte.
Zur Verständigung lässt sich sagen, dass die wenigsten der Leute vor Ort Englisch sprachen, von daher habe ich viel mit Händen und Füßen geredet. Und natürlich auch ein bisschen Kannada.
Trotz all der guten Vorbereitungen war ich am Ende doch etwas enttäuscht darüber, wie wenig ich in den 2 Monaten bewegen konnte oder was sich bewegen ließ. Wir sind immer und immer wieder an konservative Einstellungen geraten. Man hieß uns zwar sehr willkommen, es sollte aber trotzdem alles in seiner Ordnung bleiben. Oftmals wurden Kinder geschlagen wenn sie zu spät gekommen sind und ich sollte ihnen auch nicht erzählen, dass meine Eltern geschieden sind. Der interkulturelle Austausch, war nicht ganz das was ich mir darunter vorgestellt habe.
Aber genau diese Erfahrung hat mich weitergebracht. Zu sehen wie es wirklich aussieht. Die Welt ist nun mal nicht schwarz weiß, alles ist etwas komplizierter und kein Erfahrungsbericht kann das beschreiben, was ich erlebt habe.


