Workcamp in Indien 2011
Name: Friederike W.
Partnerorganisation: FSL India
Workcamp: FSL-WC- 498, Social/Kids
Ort: Bangalore
Dauer: Zwei Wochen
Da das Workcamp in Bangalore mein zweites Workcamp in Indien war, war ich bereits schon seit fünf Wochen in Indien und konnte zudem die Erfahrung aus meinem letzten Workcamp einbringen. Die Tatsache, dass ich zwei Camps gemacht habe, führt aber natürlich auch zu Vergleichen und mein erstes Workcamp war nahezu perfekt!
Nach meinem ersten Workcamp bin ich mit drei Freunden, die ich dort kennengelernt habe in Indien gereist, was eine ganz, ganz tolle Erfahrung war und mich dem Land noch viel näher gebracht hat. Als ich mit meinen Freunden in Bangalore ankam, um mein Workcamp anzutreten, habe ich feststellen müssen, dass ich noch keinerlei Information von der Organisation erhalten hatte. Das war dann aber schnell geklärt, führte allerdings dazu, dass ich einen Tag später eintraf – aber auch kein Problem!
Wir, die circa elf Workcamp-Teilnehmer (unter denen es übrigens nur einen Jungen gab), waren in einer relativ zentralen Jugendherberge untergebracht. Die Jugendherberge war die leider unangenehmste Unterkunft, die ich in meinen acht Wochen Indien erlebt habe. Wir waren mit ständig, wechselnden, fremden Frauen in einem 30-Bett-Zimmer untergebracht. Nach anderthalb Wochen wurden wir plötzlich in ein anderes Zimmer geschickt. Von nun an kamen jede Nacht, teilweise um drei Uhr früh, Leute in die Herberge, die uns leider den Schlaf raubten. Zudem waren die Leiter äußerst unfreundlich, es gab Bettwanzen in den Zimmern und die sanitären Einrichtungen waren unnötig unsauber.
Im Vergleich zu dem anderen Workcamp, was im Vorhinein sozusagen meine zweite Wahl gewesen ist, habe ich mich auf dieses WC sehr gefreut. Ich wollte unbedingt in Kontakt mit den Kindern treten, ihnen etwas beibringen. Der Tagesablauf des WCs sah es vor, dass wir jeden Tag eine Stunde Unterricht geben und am Nachmittag die Schule mit Bildern bemalen. Da wir jedoch keine Bücher oder andere Materialien hatten, geschweige denn ein Vorbereitungsgespräch mit dem Lehrer, mussten wir sehr improvisieren. Manche haben sich dann mehr, andere weniger bemüht. Meine Gruppe und ich, so hatte ich das Gefühl, haben wirklich etwas erreicht in der Klasse, obwohl es natürlich schwer ist zu unterrichten, wenn die Kinder kaum englisch sprechen. Aber es hat wirklich Spaß gemacht.
Problematisch an diesem Workcamp war auch, dass der Teamleiter, wie sich später herausstellte bereits seinen Job gekündigt hatte und dieses sein letztes Workcamp war. Dadurch war er extrem demotiviert, was sich auch schnell auf das Team übertrug. Zudem war er unfähig Kritik anzunehmen. Wir haben zwar ein paar der versprochenen Aktivitäten unternommen, aber es war immer sehr spontan und wir Teilnehmer wurden nicht vorbereitet, was oft zu peinlichen Situationen führt, da die Inder von uns oft erwarteten, dass wir etwas vorführten. Außerdem war der Tagesablauf sehr chaotisch. Zwar haben wir ihn immer am Vorabend besprochen, jedoch wurde über den Tag alles wieder umgeworfen.
Zwei Sachen sind mir im Vergleich mit meinem ersten Workcamp ganz besonders auf gefallen. Zum Einen der Sinn der ijgd-Vorbereitung. Ich war in diesem zweiten Camp fast die einzige, die ein solches Seminar hatte. Dadurch wusste ich bereits, was mich erwartet (Hocktoiletten, Eimer-Dusche, feste Camp-Regeln). Die meisten anderen haben sich v.a. die Unterbringung komplett anders vorgestellt, sie rechneten auch nicht damit, dass so ein Camp teilweise chaotisch verläuft, wenn auch in diesem Fall extrem. Ich denke, dass ein Vorbereitungsseminar den meisten in unserem Team weitergeholfen hätte. Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Qualität des Workcamps auch stark vom Teamleiter und dessen Motivation abhängt. Bei uns legte sich dessen mangelhafte Motivation über die gesamte Gruppe. Hätten wir einen anderen Teamleiter gehabt, wäre mein Bericht sehr viel begeisterter, da der Inhalt des Camps wirklich toll ist. Die Arbeit mit den Kindern und das Streichen der Schule haben viel Spaß gebracht.
Aus den acht Wochen Indien habe ich sehr viel mitgenommen und ich kann jedem die Teilnahme an einem Workcamp empfehlen. Man lernt sehr viel über sich selbst, v.a. das eigener Verhalten in Gruppen. Man bekommt einen tiefen Einblick in die indische Kultur und lernt mit komplett neuen Situationen umzugehen und sich an eine fremde Umgebung anzupassen. Ich habe die Zeit in jedem Fall sehr, sehr genossen.



