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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Indonesien 2008

Erfahrungsbericht Sarah S.

Name der Partnerorganisation: IIWC Indonesia

Name und Ort des Projektes: Waisenhaus, Salatiga, Indonesien

 

Zeitpunkt: November 2008 - Januar 2009, 3 Monate

In Salatiga gibt es drei Waisenhäuser der muslimischen Organisation Muhammadiya. Die Bezeichnung Waisenhaus ist etwas irreführend, da die meisten Kinder noch Eltern haben oder Halbwaisen sind. Die Kinder und Jugendlichen werden im Heim untergebracht, weil die Eltern den Lebensunterhalt ihres Kindes nicht finanzieren können, nach der Scheidung der Eltern der/ die neue Partner/in nicht für deren Unterhalt aufkommen will bzw. kann oder bei Überforderung mit der Erziehung. In der Kleinstadt gibt es auch noch weitere Heime von der Regierung oder von kirchlichen Organisationen. Diese sind allerdings nicht in das Projekt mit eingebunden. Die Infrastruktur des kleinen Städtchens besteht aus einem großen Markt, einigen Geschäfte für Lebensmittel, Kleidung und Elektrowaren, Restaurants, Hotels und auch öffentliche Schwimmbäder. Man kann Salatiga aber nicht mit einer deutschen Kleinstadt vergleichen, da es wenig Freizeitaktivitäten bietet. So gibt es beispielsweise kein Kino. Der Ort liegt „in der Nähe“ hoher Vulkane und es ist daher nicht so drückend heiß wie in den Küstenorten. In der Regenzeit muss man aber auch damit rechnen, dass es in indonesischer Auffassung kalt ist, was zwar für einen Europäer bedeutet, dass man abends einen leichten Pullover braucht und jeden Tag mehrere Stunden regnet.
Das Heim für Jungs im Alter von zwölf bis fünfzehn, die Einrichtung für Mädchen und auch die islamische Hochschule liegen sehr zentral. Ein weiteres Heim für Jungs ab sechzehn ist mit einem Minibus in ca. zehn Minuten vom Zentrum zu erreichen. In jedem Haus wohnen ca. zwanzig Kinder bzw. Jugendliche zusammen mit Heimeltern, die fast immer auch eigene Kinder haben. Während meines Aufenthalts absolvierte eine weitere Deutsche einen Freiwilligendienst in Salatiga. Sie hatte in einem Nebengebäude des Jungenheimes im Zentrum ihr eigenes Zimmer und teilte sich mit den Heimeltern das Bad und die Küche.
Da das Projekt ursprünglich nur für eine Freiwillige vorgesehen war, konnte ich spontan bei einem Dozenten der Hochschule unterkommen. Aufgrund dessen, dass sich sein Haus in der Nähe des Kinderheimes der älteren Jungs befindet, war es sehr praktisch für mich dort zu wohnen, auch wenn ich, um in die Stadt zu kommen, auf einen Minibus angewiesen war. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit einer Matratze, einem Schrank und einem Sessel. Morgens und abends kochte meine Gastmutter für die Familie, bestehend aus dem Ehepaar, einer Nichte und mir. Die streng gläubigen Gasteltern respektierten meine anderen Wertvorstellungen in jeder Hinsicht und waren auch verständnisvoll, dass ich mein deutsches Frühstück ihrer warmen Mahlzeit vorzog. Ich fühlte mich sehr wohl in meinem Zuhause und war sehr froh, dass ich nicht alleine wohnen musste. Im täglichen Zusammenleben lernte ich sehr viel über Religion und die javanische Lebensweise.
Es stellte sich als sehr vorteilhaft heraus, dass ich bereits im Vorfeld Indonesisch gelernt hatte. Denn abgesehen von den Studierenden und Dozierenden an der Hochschule versteht und spricht fast niemand Englisch. Die Arbeit mit den Kindern wäre kaum möglich gewesen ohne einen geringen Wortschatz. Daher würde ich jedem empfehlen schon in Deutschland vor allem einen Alltagswortschaft zu erwerben (die Grammatik ist nicht allzu umfangreich!) oder einen Sprachkurs in Indonesien zu machen. In Yogyakarta gibt es zum Beispiel einige gute Sprachschulen.
Laut meiner Projektbeschreibung war es vorgesehen, dass ich im Kinderheim Englisch unterrichte und weitere Aktivitäten mit den Kindern organisiere. Da den Kinder und Jugendliche durch Schule, die Gebetszeiten und ihre Haushaltsaufgaben nur noch zwei bis drei Stunden freie Zeit am Nachmittag bleiben, in denen ich mich mit ihnen beschäftigte, gab ich zusätzlich an der islamischen Hochschule STAIN in Salatiga den Studierenden des ersten Semesters Deutschunterricht. Die Studenten/innen waren sehr interessiert und konnten nach meinem Freiwilligendienst erste einfach Sätze und Fragen auf Deutsch formulieren. Es war sehr schade, dass nach mir niemand den Sprachkurs fortführen konnte, denn die Studierenden können sich nur dann für ein Stipendium bei einer deutschen Organisiation für ein Auslandsstudium bewerben, wenn sie erste Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen können. Falls sich jemand dafür interessiert, wäre es auch hilfreich Unterrichtsmaterialien mitzubringen, die speziell dafür entwickelt sind, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Besonders die Dozenten/innen im English Department der Hochschule haben einige Ideen für zusätzliche Freiwilligenarbeit, da aufgrund der wenigen Stunden Beschäftigung im Kinderheim Langeweile aufkommen kann. Neben dem Unterrichten an der Hochschule, kann man beispielsweise auch eine Lehrperson begleiten, um im Englischunterricht mitzuwirken. An einem Nachmittag in der Woche übernahm ich beispielsweise den Englischunterricht für Lehrer und Lehrerinnen einer weiterführenden Schule.
In allen verschiedenen Projekten war ich weitgehend auf mich alleine gestellt. Das gab mir einerseits eine große Freiheit, wie ich meinen Unterricht gestalten wollte, andererseits gab es aber auch niemanden, der mich darin unterstützte und bei Problemen weiterhalf. Während des monatlichen Meetings bei IIWC in Semarang sprach ich an, dass es oft sehr schwierig ist, die Jungen im Waisenhaus zu motivieren mit mir Englisch zu lernen oder an anderen Aktivitäten mitzumachen. Mein Problem wurde auch von anderen Freiwilligen bestätigt und von der Leiterin der Organisation verständnisvoll angehört, jedoch lag es weiterhin an mir, wie motiviert ich an den einzelnen Tagen war, den Jungen etwas beizubringen, auch wenn mir sehr oft nur ein einziger zuhörte. Deshalb habe ich häufig anstatt Englischunterricht zu halten, mich mit einzelnen möglichst auf Englisch unterhalten oder Spiel- bzw. Bastelmaterialien mitgebracht.
Ich bin sehr froh, dass ich den Freiwilligendienst gemacht habe, weil ich dadurch Indonesien von einer anderen Seite kennen gelernt habe, als wenn man als Tourist durchs Land reist. Neben vielen anderen Erfahrungen, die ich während dieser Zeit gemacht habe, hat mir das Projekt gezeigt, dass ich Lehrerin werden möchte.