MTV in Indonesien 2011
Name: Helene T.
Partnerorganisation: IIWC Indonesien
Einsatzstelle: FatimatuzZahro Orphanage Semarang
Bereich: Teaching
Zeitraum Juni-August 2011/ 3 Monate
Nach meinem bestandenen Abitur hatte ich 6 Monate Freizeit bis zum Start des Studiums und hatte schon länger den Wunsch, diese Zeit “sinnvoll” zu verbringen und nicht einfach nur als Touristin zu reisen. Da mich Südostasien schon immer fasziniert hat und ich mich für die muslimische Kultur interessiere, fiel mein Traumziel schnell auf Indonesien. Dort wollte ich einen Freiwilligendienst absolvieren, da ich es wichtig finde, auch mal aus unserer Welt rauszukommen und völlig andere Lebensumstände und Kulturen zu erfahren. Ich hoffte dadurch meinen Horizont, mehr als das als Tourist möglich ist, zu erweitern und gleichzeitig auch einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Situation vor Ort zu leisten.
Da das Vorbereitungsseminar im April war, sollte es ab Juni für 3 Monate losgehen, was meine Projektwahl etwas eingeschränkt hat, da die meisten Projekte im August wegen des Fastenmonats Ramadan gar nicht mehr stattfinden. So habe ich mich schnell für das Waisenhausprojekt in Semarang entschieden.
Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren und die Reise endlich begann, wurde ich als einzige Freiwillige in Semarang von IIWC empfangen und ein paar Tage mit einem „on-arrival-Training“ auf die Arbeit und kulturelle Unterschiede vorbereitet. Kurze Einführungen habe ich auch zur Orientierung in der Stadt und für Indonesisch bekommen. Diese ersten Tage habe ich bei meiner Kontaktperson, Noni, verbracht, die mir während der ganzen Zeit bei Problemen geholfen hat. Danach kam ich endlich in mein Projekt, das etwas außerhalb der Stadt liegt. Dort sollte ich morgens abwechselnd in 2 verschiedenen Junior High Schools (7.-9. Klasse) die Englischlehrer unterstützen und abends in dem Waisenhaus, in dem ich auch untergebracht war, Englischkurse geben.
Zunächst war ich etwas verloren und überfordert mit der Organisation meiner Stunden, aber mit Nonis Hilfe und schon bestehenden Listen zur Einteilung der Kinder stand der Stundenplan nach ein paar Tagen fest. Die Kinder, die zwischen 8 und 18 Jahren alt sind und meistens keine Waisenkinder, sondern aus Familien stammend, die sich die Verpflegung und das Schulgeld für die Kinder sonst nicht leisten könnten, bekommen in diesem Heim Stipendien für die Schulen und eine Unterkunft mit regelmäßigen Mahlzeiten. Schon nach einigen Tagen habe ich mich mit ihnen gut verstanden und die Nachmittage mit Sport, Spielen oder Gesprächen mit ihnen verbracht. Dabei war ich wirklich froh, dass ich mir schon vor meiner Abreise Grundkenntnisse in Indonesisch angeeignet habe. Da die Sprache sehr simpel aufgebaut ist und im Heim wie auch sonst in der Stadt (abgesehen natürlich von meinen Freunden von IIWC) kaum Englisch gesprochen wird, habe ich schnell gelernt, einfache Unterhaltungen zu führen. Ich empfehle deshalb jedem, der sich einen Aufenthalt in Indonesien überlegt, die Sprache zu lernen, ich wäre beim Einkauf oder einfachen Absprachen mit den Lehrern und dem Heimleiter und im Umgang mit den Kindern sonst oft aufgeschmissen gewesen.
Untergebracht war ich einem großen Zimmer (das einzige im gesamten Haus mit Bett!). Ansonsten sind die Unterbringung im Heim und die sanitären Anlagen dort natürlich nicht mit europäischen Standards vergleichbar, was aber absolut kein Problem war, da ich mich vorher schon darauf eingestellt hatte.
Leider waren in den ersten Wochen Schulferien, weshalb meine Vormittage in der Schule eher langweilig waren. Abends habe ich dann zunächst durch Gespräche versucht herauszufinden, wie gut die einzelnen Gruppen Englisch sprechen. Nach einiger Zeit habe ich mir dann einen Plan zurechtgelegt, was ich in den einzelnen Gruppen unterrichte.
Da ich (außer ein paar Weltwärts-Freiwilligen, die aber ein paar Wochen nach meiner Ankunft schon heimgefahren sind) die einzige Freiwillige in Semarang war, war ich am Anfang etwas enttäuscht, weil ich dachte ich würde keine Freunde für Wochenendausflüge oder Reisen in meiner letzten Woche in Indonesien finden. Das hat sich aber schnell gelegt, da ich, vor allem durch IIWC, sehr schnell viele indonesische Freunde gefunden habe. Im Nachhinein bin ich sogar froh, keinen regelmäßigen Kontakt zu anderen Europäern gehabt zu haben, da ich mich, ganz auf mich allein gestellt, viel schneller eingelebt und an alles gewöhnt habe, und so viel mehr von der Kultur und dem alltäglichen Leben miterlebt habe.
Nachdem die Ferien vorbei waren, fing der Alltag dann auch in den Schulen an: Vormittags habe ich in den Englischstunden die Lehrer begleitet und je nach Lehrer manchmal nur Sachen vorgelesen oder die Aussprache mit den Schülern geübt, manchmal aber auch Lieder gesungen, in Gruppenarbeiten geholfen oder „conversation“ geübt. Die Kinder im Waisenhaus waren leider sehr unmotiviert für die abendlichen Stunden, da ihr Alltag schon von Aktivitäten im Heim wie Kochen und Putzen, im Koranlesen und natürlich das regelmäßige Beten sehr voll war. So musste ich sie manchmal einzeln zum Unterricht auffordern, und die Stunden waren meistens nicht länger als eine halbe Stunde. Ein Problem war dabei sicher auch, dass ich mit ihnen gelebt und gespielt habe, und damit eher eine Freundin als eine Autoritätsperson war. Nachmittags habe ich mich ausgeruht und die Zeit mit ihnen verbracht, später habe ich auch kleinere Aktivitäten wie Zeichnen oder Musik machen organisiert. Für mich war, vor allem, da meine Zeit so kurz war, wichtig, dass ich eine Ansprechpartnerin und Vertrauensperson für die Kinder sein kann und so vielleicht ihr Selbstvertrauen etwas stärken, und dass ich ihren Alltag durch Spiele und gemeinsame Aktivitäten ein wenig verschönern kann. Im Unterricht habe ich mich dann vor allem auf grundlegende „conversation-skills“ konzentriert und manchmal auch einfach versucht, ein bisschen Allgemeinwissen zu vermitteln, z.B. Geographie, etwas über unsere Kultur oder unsere Jahreszeiten etc.
Im letzten Monat fand dann im Waisenhaus kein Englischunterricht mehr statt, da während des Ramadan der gesamte Tag durch Koranlesen, Islamunterricht und Beten bestimmt wird und die Kinder vor allem viel schlafen, da Fasten und vor allem das frühe Frühstück um 3 Uhr morgens sehr müde machen. Diese Zeit war für mich allerdings sehr spannend, weil ich viel über die muslimische Kultur gelernt habe und meistens auch selbst mitgefastet habe. 2 Wochen im August fand dann auch ein Ramadan-Study-Camp in meinem Heim statt, bei dem es darum ging, den Teilnehmern mehr über den indonesischen Islam zu vermitteln und die Atmosphäre während des Fastenmonats in einem muslimischen Land zu erleben. Im Voraus hatte ich den Campleadern mit meinen Erfahrungen und meinem Wissen über das Heim bei der Organisation geholfen.
Auch sonst habe ich während der 3 Monate an einigen anderen Aktivitäten von IIWC, z.B. mit anderen Schulen oder bei einem Workcamp, teilgenommen und so viele Leute und Arten von Freiwilligenarbeit kennengelernt.
Nachdem mein Projekt beendet war, bin ich noch mit Noni ein paar Tage durch Zentraljava gereist und habe die alten Tempelanlagen und Yogyakarta und Solo gesehen. Danach fiel der Abschied von den Kindern, mit denen ich 3 Monate verbracht habe und die mir alle durch ihre einzigartigen Persönlichkeiten ans Herz gewachsen sind, natürlich schwer.
Insgesamt bereue ich es nicht, diese 3 Monate in Indonesien verbracht zu haben. Auch wenn die Zeit sehr kurz war und die Unterrichtsarbeit deshalb nicht immer sehr sinnvoll war, denke ich doch durch den kulturellen Austausch und die Zeit, die ich mit den Kindern verbracht habe, einen Beitrag zum Alltagsleben im Heim gemacht zu haben. Sowohl von IJGD im Voraus wie auch von IIWC bei Probemen habe ich mich immer gut betreut und nie allein gelassen gefühlt. So war es für mich eine unglaublich tolle Erfahrung, die mir mehr Selbstständigkeit, mehr Gelassenheit und Toleranz, viele schöne Erinnerungen und Freunde am anderen Ende der Welt gebracht haben!



