Workcamp in Korea

- Mit einem Mönch in unsere Unterkunft

- Die Gruppenleiterinnen Mingu Seo und Jisuk Bae

- Unsere Gruppe am Meditationspfad

- Ich vor einer Buddha Statue

- Unsere Campgruppe vor einem internationalen Wegweiser

- Ich vor unserer Unterkunft
Freiwilligenarbeit im Samwhasa-Kloster von Donghae in Südkorea 2010
von Ulrich Müller
Nach 13-stündigem Flug von München kam ich übermüdet Samstags morgen im Flughafen von Seoul an. Die Busfahrt in das Stadtzentrum dauerte eine gute halbe Stunde, alle Hinweis-schilder an den Straßen waren in koreanischer Schrift und auch in Englisch. Seoul liegt an der Ostküste Koreas und ist seit dem Mittelalter dessen Hauptstadt - im engeren Stadtgebiet wohnen über 10 Millionen Einwohner. Das Wetter zu dieser Jahreszeit war subtropisch warm-feucht mit häufigem Regen.
Als Unterkunft hatte ich mir ein einfaches Gästehaus im Universitätsviertel organisiert, das auf Ausländer eingestellt war. Am Sonntag habe ich mir den Deoksugung Palast im Stadt-zentrum angeschaut, mit Wachablösung in Traditionsuniformen. Montags ging es weiter nach Donghae an der Westküste, wo sich alle Teilnehmer des Workcamps am Busbahnhof trafen. Ein Bus des Klosters beförderte uns weiter zum Samwhasa-Tempel, der außerhalb des Ortes an einer waldigen Hügelkette liegt.
Wir kamen in einem Gebäude mit großem Schlafsaal unter, auf dem flachen Holzboden haben wir alle jeden Abend unsere Matratzen neu ausgerollt. Daneben legten wir unsere Bekleidung ab, wie z.B. unsere Tempeluniform - hellblaues Hemd, graue Hose und Gummischuhe. Die Sanitäreinrichtungen waren auch gemeinsam, aber die acht Frauen und vier Männer unserer Gruppe haben sich gut arrangiert. Alle zehn Gebäude der Tempelanlage waren traditionell koreanisch, einstöckig mit geschwungenen Dächern.
Nach einem vegetarischen Essen im Kantinengebäude nahmen wir an der halbstündigen Abendandacht im großen Gebetshaus teil, danach wurde das Arbeitsprogramm besprochen, und die Teilnehmer stellten sich gegenseitig vor. Wir kamen aus Frankreich, Spanien, USA, Deutschaland und der Türkei, der Rest aus Südkorea. Vor dem Schlafen gehen – wochentags um neun Uhr - wurden immer Räucherspiralen angezündet, um die Insekten aus der Unterkunft herauszuhalten.
Ab Dienstag begann der Ernst des Lebens - um vier Uhr morgens hat uns die Außenglocke mit einem dumpfen Ton zum Morgengottesdienst geweckt. Vor dem großen Gebetshaus mussten wir unsere Tempelschuhe ausziehen, innen mussten wir Socken tragen. Jeder holte sich ein Gebetskissen und kniete sich auf den Boden hin. Ein Mönch schlug um halb fünf mit einem Holzhammer zunächst auf das Holzgestell der Innenglocke, dann auf die Glocke selbst, später auf eine Rassel und trug dazu verschiedene Gebete vor. Wir mussten uns nach jeder Strophe mit gefalteten Händen mehrfach verbeugen. Wir haben zwar die Gebetstexte auf Koreanisch und Englisch bekommen, aber meine wenigen Brocken Koreanisch halfen wenig.
In der ersten Woche war die Morgenmesse nach einer halben Stunde vorbei, in der zweiten Woche führten wir im Nebengebetshaus die Andacht mit einer Kindergruppe fort – mit zahl-losen weiteren Verbeugungen. Danach gingen die meisten von uns noch mal kurz schlafen.
Um sechs Uhr gab es Frühstück - Kohlsuppe, Klebereis, Kimchi (vergorene Kohlblätter mit Chili gewürzt), Rettich, schwarze Bohnen, Seetang, Tofuwürfelsuppe und Spinat; Nachtisch waren Apfel-, Nashi- oder Melonenstücke sowie Reiskuchen mit Backkruste. Mittag- und Abendessen waren ähnlich, zu trinken gab es Wasser aus einer klostereigenen Bergquelle;
Am ersten Tag hat ein Mönch in unserer Unterkunft die Teezeremonie vorgeführt (siehe Video von Alejandro Checa aus Spanien unter www.youtube.com/watch?v=jxLk7SuqBOk“), später haben wir im Gemeinschaftshaus Lotusblüten aus Papier gefaltet, anschließend stellten alle Teilnehmer des Workcamps ihr Herkunftsland in Wort und Bild vorgestellt.
An den Folgetagen leisteten wir unsere Hauptarbeit, wir bauten nämlich auf einer Flussinsel im Tal des Mureung einen ca. 300 m langen Meditationspfad. Dazu haben wir im hügeligen Laubwald Unterholz und Unkraut entfernt, Unebenheiten ausgeglichen und den Weg seitlich mit Steinen begrenzt.
Am ersten Wochenende besichtigten wir den Markt von Donghae, machten ein Picknick am <//span>Mangsang Beach und badeten im Japanischen Meer. Abends haben wir im „Kurhotel“ von Donghae gegessen, danach dort Whirlpool und Sauna besucht und auch übernachtet. Nach Rückkehr ins Kloster am Sonntag haben wir einen internationalen Wegweiser erstellt, ich habe die deutsche Flagge und als Ort „Munich“ auf ein Holzschild gemalt.
Am Beginn der zweiten Woche haben wir uns einer Gruppe von koreanischen Kindern vorgestellt, die sich ebenfalls im Kloster aufhielt und die wir teilweise zu betreuen hatten. Die folgenden Tage haben wir viel mit ihnen unternommen wie z.B.: gemeinsame Messen und Mahlzeiten, Unkrautjäten vor dem Tempel, Wasserballspielen im Mureungfluss (Video unter www.youtube.com/watch?v=CC6HLXeuaZM“), Wanderungen am Meditationspfad und zum Gwangkeum-Tempel sowie Anfertigen von Gebetsketten.
Bald mussten wir die Kinder verabschieden, und auch für uns war am Freitag ein Abschluss-gespräch beim Abt, der uns weitere Einblicke in das Religions- und Klosterleben bot. Danach unternahmen wir einen Ausflug zu Tempeln nahe Gangneung, eine Küstenstadt wie Donghae, wo wir auch den Ansitz eines Adeligen aus dem Mittelalter besichtigten (heute Museum). Zurück im Kloster gingen wir nachts zur Feier des Tages im Mureung-Fluss schwimmen.
Am letzten Tag haben wir Adressen ausgetauscht, aufgeräumt, den internationalen Wegweiser aufgestellt und uns vom Klosterpersonal verabschiedet sowie von unseren wirklich sehr netten Leiterinnen, Seo Mingu und Jisuk Bae. Zum guten Schluss fuhren wir alle zum Donghae Bus Terminal, von wo einige direkt nach Hause mussten. Ich aber machte vor meiner Rückkehr noch einen Abstecher in die Hafenstadt Busan im Süden (über 3 Millionen Einwohner) und in die alte Königsstadt Gyeongju, die im frühen Mittelalter für einige Jahrhunderte auch die Hauptstadt Koreas war.
Mit diesem Workcamp habe ich eine mir bislang fremde Kultur und Religion etwas näher kennenlernen können und sage daher: „Anneyong-hi gyeseyo“ – Auf Wiedersehen.