MTV mit KIOF (Kenya Institute of Organic Farming) in Thika
Drei Monate in Kenia im „Kenya Institute of Organic Farming“
„Echt, du gehst für drei Monate nach Kenia?! Und was machst du da genau?“
„Tja, wenn ich das wüsste. So genau steht das noch nicht fest.“
So oder ähnlich hörten sich wohl die Gespräche zwischen mir und meinen Freunden an. Als es feststand, dass ich ein MVT in Kenia machen würde. Ansonsten wusste ich aber nur herzlich wenig über die ganze Sache, da man im Internet zu den Projekten nicht viel erfahren konnte.
Nach den etwas aufwühlenden, teils anstrengenden aber sehr hilfreichen zwei Vorbereitungsseminaren war dann für mich die Entscheidung gefallen, die 3 Monate in einem Institut für biologische Landwirtschaft in der Nähe der Hauptstadt zu verbringen.
Und so fand ich mich nach ein paar aufregenden Monaten der Vorbereitung am 1.Juli schließlich in Nairobi und wenige Tage später, zusammen mit Kerstin aus Aachen in besagtem Institut wieder. Vorher hatten wir in Nairobi Kontakt zur Partnerorganisation KVDA (Kenya Voluntary Development Association) gehabt, mit dem Dirktor Isaac und anderen Mitarbeitern einige Gespräche geführt und waren dann von Benoit ins Projekt nach Thika gebrach worden. Durch KVDA lernten wir auch direkt zwei der wichtigsten kenianischen Lebensmottos kennen: „pole pole“ (langsam) und „hakuna matata“ (kein Problem). Dementsprechend ging alles stets etwas langsamer und nicht selten chaotisch zu aber am Ende klappte doch immer alles. Nach einer Woche im lauten, stinkenden und sehr anstrengenden Nairobi war ich jedenfalls froh, dass es endlich los ging.
K.I.O.F., das „Kenya Institute of Organic Farming”, eine NGO wurde 1986 gegründet und stellt gleichzeitig ein Internat für ca. 50 Schüler/-innen ab 19 Jahre dar. Die Institution hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen über biologische Landwirtschaft zu lehren und vor allem unter den kenianischen Bauern zu verbreiten. Zu diesem Zweck, finden regelmäßig so genannte „farmer trainings“ statt, die den Bauern innerhalb einer Woche wichtige Kenntnisse und Praktiken vermitteln sollen. Zum Einen können die Bauern dafür ins Institut kommen, zum anderen geht K.I.O.F. aber auch raus in die communities und bietet dort die „trainings“ an.
Neben dem Institut, das Felder und einen Garten, sowie Tiere besitzt, gehören außerdem acht „demonstration farms“ zu K.I.O.F., die in der näheren Umgebung angesiedelt sind. Diese Höfe sind zwar kleiner und haben kein angeschlossenes Internat, dienen jedoch ebenfalls dem Lehrzweck und bieten Raum für Unterricht.
Kerstins und meine Aufgabe bestand in den drei Monaten vor allem darin, auf den Feldern, im Garten aber auch oft in der Küche mitzuhelfen, sprich Reis, Bohnen oder „green grams“ (ähnlich wie Linsen) sortieren, Möhren raspeln für den Reis, Kohl klein schneiden, Kartoffeln schälen etc. Wie man sich vorstellen kann, saß man da immer stundenlang, denn für über 50 Menschen zu kochen, beansprucht schon einige Zeit…. Der Einfachheit halber wurde eigentlich auch immer dasselbe gekocht. Die Variation bestand nur in der unterschiedlichen Zusammenstellung; Ugali (fester Maisbrei) mit Kohl, Reis mit Kohl, Kartoffeln mit Kohl, Kartoffeln mit „green grams“ oder „getheri“ (Maiskörner mit Bohnen).
Bezüglich der Arbeit wurde uns allerdings nie gesagt, was und wann etwas zu tun sei, sodass wir uns selbst um unsere Arbeit kümmern und diese einteilen mussten. Einerseits habe ich dies als große Freiheit empfunden, andererseits haben wir uns manchmal gefragt, ob unsere Hilfe wirklich relevant ist oder ob es vielleicht noch nicht mal jemand stört, wenn wir nicht kommen. Aber da ich von diesem Ziel „Ich flieg nach Afrika, um möglichst viel zu helfen“ eh sehr schnell abgekommen war, waren mir vor allem die gemeinsame Arbeit mit der Bevölkerung und der kulturelle Austausch wichtig. Insbesondere zu den Gärtnern und den Küchenfrauen haben wir so schließlich ein sehr nettes und enges Verhältnis aufgebaut, was ich bei den Schüler/-innen wiederum etwas vermisst habe. Bei ihnen hatte man leider das Gefühl, dass sie viel mehr an unserem Geld, als an unserer Persönlichkeit interessiert waren – ein Problem, das uns leider sehr häufig begegnete!
Für zwei Wochen waren wir außerdem in „Small Earth“, einer „demonstration farm“, die nördlich von Thika liegt. Dort stand ausschließlich Arbeit im Freien an, sodass wir gewässert, Mais geerntet, Bananen geschnitten und „gediggt“ haben (Felder mit der Hacke umgraben). Vor allem aber waren die zwei Wochen eine tolle Zeit, da wir nur zu viert waren und so sehr viel Zeit mit Lucy, der Managerin von „Small Earth“ verbracht haben - nicht nur auf den Feldern, sondern auch abends beim gemeinsamen kochen und quatschen.
Da das Institut erfreulicherweise sehr offen für neue Ideen war, haben wir in den letzten Wochen auch noch unser anfängliches Vorhaben in die Tat umgesetzt und für zwei der drei Klassen eine Unterrichtsstunde über Deutschland gegeben. Unser Ziel war es, den Schüler/-innen ein zumindest ansatzweise realistisches Bild über Deutschland zu vermitteln, die Fragen zu beantworten, die uns in der Zeit so oft gestellt worden waren und in den Köpfen mit ein paar völlig falschen Vorstellungen aufzuräumen (wie z.B. Annahmen, dass Deutschland und Amerika dasselbe sind). Im Nachhinein muss ich sagen, dass dieser kleine Deutschlandunterricht für mich eine der wichtigsten Sachen war. Da wir nicht monologisierend vor der Klasse stehen wollten, haben wir unseren Vortrag als eine offene Runde gestaltet, in der wir über verschiedene Themen gesprochen und viel Zeit für Fragen und Anmerkungen gelassen haben. So hat sich ein guter Austausch entwickelt und ich hatte das Gefühl, dass die Schüler/-innen wirklich daran interessiert waren, mehr über unsere Heimat zu erfahren.
Von ihrer Heimat haben wir während und vor allem gegen Ende der drei Monate auch einiges gesehen, wenn auch aufs ganze Land bezogen nur kleine Teile.
Nach ca. zwei Wochen haben wir uns einer von KVDA organisierten Tour durch den „Masai Mara National Park“ angeschlossen, die sehr beeindruckend und erlebnisreich war.
Am Ende sind wir noch für ca. 2 ½ Wochen an die Küste Kenias (Mombasa bis Lamu) gereist und haben dort eine herrliche Zeit verbracht, in einer Gegend, die sich komplett vom Landesinneren unterscheidet und auf ihre Art bezaubernd ist – weiße Reisekatalogstrände, in bui-bui gehüllte muslimische Frauen, Palmen, Touristen, Kokosnussshakes und eine unglaublich entspannte Lebenseinstellung, vor allem auf der kleinen Insel Lamu, die ein „Muss“ jeder Kenia-Reise ist!
Insgesamt waren, die drei Monate in Kenia eine tolle und prägende Zeit. Jedem, der mit dem Gedanken spielt, eine solche etwas andere Reise zu unternehmen, kann ich nur ein ermutigendes „wag den Schritt“ mit auf den Weg geben. Es lohnt sich in jeder Hinsicht!!!
Larissa Hallermeier


