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Meine Tage in Kenia – ein etwas anderer Erfahrungsbericht

Dieser Erfahrungsbericht ist deswegen ein etwas anderer Erfahrungsbericht, da ich mein MTV in Kenia schon nach einer Woche Aufenthalt in Nairobi abgebrochen habe. Eigentlich hat mein Start in Kenia ganz gut begonnen. Wir sind zu vier Mädchen nach Nairobi geflogen und von da aus erstmal mit dem Taxi in unser Youth Hostel. Von den KVDA Leuten sind wir alle ganz lieb aufgenommen worden und mein Abbruch hatte nichts damit zu tun, dass ich nicht gut empfangen worden wäre. Dabei war eigentlich eher das Gegenteil der Fall: ich habe mich sogar ziemlich schnell mit ein paar freiwilligen Helfern aus Kenia angefreundet. Wir haben viel diskutiert über entwicklungspolitische Themen und ich habe viel von mir und meiner Heimat erzählt. Dabei habe ich ständig einen Gedanken gehabt, das weiß ich noch ganz genau. Ich habe mir oft gedacht: “Gut, dass diese Menschen nicht wissen wie mein zu Hause aussieht, sie würden mich für jemanden halten, der unendlich viel Geld hat…“. Das zu erklären, dazu kam ich schon in den ersten Tagen und das war nicht immer leicht, denn im Prinzip haben sie ja recht gehabt: wir haben es hier verdammt gut.

Direkt an den ersten Tagen sind wir mit unseren neu gewonnen Freunden in die Slums gefahren und haben uns vor Ort ein Bild davon gemacht, was man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Beim ersten Mal hatte ich auch das Gefühl, dass ich das wirklich ganz gut verkraftet hatte. Aber schon am Abend fing es an, dass es mir innerlich einfach ganz schlecht ging. Ich habe mich einfach nicht wohl gefühlt, habe oft an zu Hause gedacht und mich gefragt wie das alles bloß drei Monate schaffen soll, obwohl es ja noch nicht einmal richtig angefangen hatte.

Den folgenden Tag werde ich wohl nie vergessen. Wir sind wieder mit dem Matatu in einen Slum gefahren. In diesem Matatu habe ich solche Ängste ausgestanden, wie ich sie an mir eigentlich gar nicht kenne. Ich hatte wirklich Angst um mein Leben. Als ich dann vom Matatu in den Slum gegangen bin war es ganz um mich geschehen, ich konnte einfach meine Gefühle, meine Ängste und alles was ich in dem Moment gedacht habe nicht mehr in mir halten und habe einfach geweint. Vor allen Leuten. Sie müssen sich wirklich sonst was gedacht haben über die arme Weiße, die anscheindend gar nichts verkraftet.

In dem Moment habe ich eigentlich schon den Beschluß gefasst, dass ich das nicht schaffen werde. Ich wusste einfach, dass das der falsche Zeitpunkt für mich war in Kenia zu sein und dass es für mich besser ist wieder zurück zukehren. Eigentlich bin ich nicht so schnell in meinen Entscheidungen und warte erst ab, aber in dieser Situation wusste ich zum ersten Mal in meinem Leben, dass das das einzig Richtige ist was ich machen kann und muss, damit ich nicht kaputt gehe. Ich habe mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht die Frage gestellt warum ich so extrem reagiert habe. Aber im  Nachhinein und nach Rücksprache mit einem Arzt wurde ziemlich schnell klar, dass meine Malariaprophylaxe Lariam wohl nicht ganz unschuldig an meiner inneren Verfassung war. Schon etwa eine Woche vor meinem Abflug hatte ich starke Zweifel und die Angst hat die Vorfreude überwogen, obwohl das eigentlich genau das war, was ich seit einem Jahr geplant hatte und worauf ich mich so intensiv vorbereitet hatte und das mit voller Freude. Ich habe mich selbst nicht wieder erkannt und auch als ich wieder zurück in Deutschland war ging es mir noch einige Zeit schlecht.

Es ist sehr schwer mit Worten zu beschreiben wie ich mich gefühlt habe und wie ich mich auch immer noch fühle. Zu Anfang hatte ich Angst, dass es vielleicht keiner verstehen könnte warum ich so schnell gehandelt habe, aber alle meine Freunde, Verwandten… hatten Verständnis und sogar die Mädels, mit denen ich nach Kenia geflogen bin haben hinter mir gestanden.

Natürlich denke ich noch oft an meine Zeit in Nairobi und bin der festen Überzeugung, dass es mir unendlich viel gebracht hat, auch wenn es nur so kurz war. Diese Erfahrung war sehr wichtig für mich und auch für mein weiteres Leben. Ich weiß jetzt was ich kann und was ich nicht kann und bereue meine Entscheidung nach wie vor nicht und das ist für mich das Wichtigste.

Auch wenn man auf das, was einen dort erwartet nicht wirklich vorbereitet sein kann, war ich der Meinung, dass ich durch die Seminare und die Gespräche mit so vielen Leute gut vorbereitet war, aber gegen sein Innerliches kommt man manchmal einfach nicht an und ich denke, dass es vielleicht wirklich gut war, dass ich zurück gekommen bin. Wer weiß was mit mir passiert wäre, wenn ich einfach dort geblieben wäre und nicht auf meine innere Stimme gehört hätte. Natürlich habe ich auch manchmal gedacht: Mensch, Frauke, wie kann man nur so schwach sein, aber so sollte man das nicht sehen. Für mich war es die richtige Entscheidung, auch wenn es mir unendlich leid tut, dass ich vielleicht den ein oder anderen dadurch enttäuscht habe.

Frauke Schunk