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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV mit KEEP (Kakamega Environmental Education Program)

Gepäck- und Heimweh beladen kam ich am 10.September 2006 in Nairobi, Kenia, mit zwei Stunden Verspätung an. Glücklicherweise hatten die zwei Mitarbeiter der Organisation CIVS, die den Auftrag hatten, mich abzuholen, geduldig gewartet und in einem supi- vertrauenserweckenden Taxi mit halbgesprungener Windschutzscheibe ging es zum CIVS-Büro. Dort wurden einige Formalitäten abgewickelt und mir schließlich kundgetan, dass ich zunächst noch nicht in mein eigentliches Wahlprojekt im Kakamega Rainforest, sondern in ein WorkCamp bei Kisumu gehen würde. Verwirrt und mit der Situation überfordert sagte ich natürlich zu allem Ja und Amen, was nicht sehr verwunderlich ist, wenn man sich klein und hilflos fühlt. Nicken fällt da eben noch am leichtesten....

Zwei Tage später durfte ich dann den fleischgewordenen Abgashaufen Nairobi verlassen und rumsdibumsdi machte ich busfahrender Weise Bekanntschaft mit den kenianischen Straßenverhältnissen. Das WorkCamp dann war weniger ein WorkCamp als ein SitzCamp, aber alles in allem waren bereits diese ersten drei Wochen reichlich erfahrungsbeladen. Leider stimmte die Gruppendynamik nicht so ganz, es kam zu mehreren kleineren und größeren Konflikten und wenn ich heute zurückblicke, habe ich nun wirkliche nicht geringste emotionale Verbindung zum Auftakt meines Keniaaufenthalts. Nach weiteren 5 Tagen in Nairobi, in denen ich dann die Stadt etwas besser kennen lernte und sie insgesamt nicht mehr ganz so schrecklich, laut, hektisch, dreckig und furchtbar fand, brach ich endlich auf in das Projekt meiner Wahl bei KEEP, dem Kakamega Environmental Education Programm.

Von Kakamega Town aus muss man zunächst ein Matatu nehmen, um auf der wohl schlechtesten Straße Kenias zum Örtchen Shinyalu zu gelangen. Wie durch ein Wunder blieb ich in allen 5 Monaten von Steckenbleib-, „Von-der-Straße-Abkomm“- und „Auto-im-Schlamm-schieben“- Aktionen verschont, was außer mir keiner der anderen Volontäre behaupten kann. Ab Shinyalu müssen dann die restlichen 8 km bis Isecheno mit dem Fahrradtaxi (Bodaboda) zurückgelegt werden.  Dort angekommen machte ich Bekanntschaft mit unserer sehr sympathischen Gastfamilie und drei anderen Volontären, mit denen ich mir ab nun ein Zimmer teilte. Wir wohnten nicht im gleichen Haus wie unsere Familie, aber wir kochten und aßen zusammen; sämtliche kenianischen Küchentricks und –kniffe sind mir also bekannt. Die Ernährung war im Großen und Ganzen recht einseitig (zweimal täglich Ugali und Sukuma Wiki), aber ich war ja nun auch nicht nach Afrika gekommen, um mich kulinarisch verwöhnen zu lassen.

Nach einem Rundgang und einer Introduktion auf dem KEEP-Gelände, trat ich am nächsten Tag meine Arbeit an. Zunächst verbrachte ich viele Stunden in der Tree Nursery mit Unkrautzupfen, Setzlinge pflanzen und Bäumchen bewässern. Ab und an beschlich mich der Verdacht, dass die Menschen um mich herum zwar arg über mich lachten („Haha, eine Musungufrau (=Weiße) mit einem Spaten in der Hand!“....), aber diese Momente der Unsicherheit verflogen rasch, wenn ich das Grün um mich herum genoss und die Affen im nächsten Baum beobachtete. Natur pur- und das in vollen Zügen, denn obwohl ich durchaus eine Beschäftigung hatte (nachmittags malte ich neue Plakate für den Klassenraum, wo KEEP Saturday Classes abhalten), blieb mir SEHR viel freie Zeit, die ich im Wald verlas und verspazierte.

Die anderen Volontäre waren größtenteils anderweitig beschäftigt und nur an einer Sache arbeiteten ein Franzose und ich gemeinsam, nämlich an der Erstellung eines Registriersystems für den sogenannten Botanischen Garten, in dem Touristen und andere Besucher einen Baum pflanzen können. So pinselten wir mit Q-Tip und Zahnstocher Zahlen und Buchstaben, bzw. schrieben die Namen der Baumpaten  auf Holzschilder. Manchmal war es schwierig, seine Motivation aufrecht zu erhalten, da man mit Bitten um Pfosten, Nägel o.ä. im KEEP-Büro oft auf taube Ohren stieß, was das Arbeitstempo stark verringerte.

Insgesamt jedoch habe ich das Gefühl, etwas beigetragen  und bewirkt zu haben. Neben der Arbeit war natürlich das Zusammenleben mit den Kenianern und den anderen Volontären eine sehr wichtige, interessante Erfahrung. Es kam zwischen uns und der Gastfamilie nie zu Konflikten und auch sprachlich gab es keine Hindernisse, da problemlos Englisch gesprochen werden konnte. Da wir mit im Compound wohnten, bekamen wir das kenianische Alltagsleben hautnah mit, was oftmals schwierig war, vor allem, wenn es um die Erziehung/ Behandlung der Kinder ging. Da entsprach so einiges nicht der europäischen Sichtweise und schnell findet man sich in dem Dilemma wieder, in wie weit man das Recht hat, zu intervenieren und bis wohin man die fremde Kultur respektieren kann und muss.

Ebenfalls als anstrengend empfindet man das permanente „Musungu“- und „Jambo“-Geschreie, was oftmals mit Forderungen nach Geld, einer Cola oder gleich einfach mal nach seiner Kamera begleitet wird. In die Stadt zu fahren entpuppte sich als stressige Geduldsprobe und ich habe bis zum Ende keine konsequente Linie finden können, was das Geld Geben und Sachen Verschenken anging. Auch das Lächeln und Winken, wenn man auf dem Bodaboda and rufenden Kindern vorbeifährt, hing stets von meiner Tagesform ab und alle Volontäre hatten mit der Daueraufmerksamkeit, die einem als „weißer Geldbeutel“ zukommt, zu kämpfen.

Dennoch fühlte ich mich in Isecheno bei unserer Familie, wo ein reges Volontäre-Kommen-und-Gehen herrschte, sehr wohl und egal, ob ich nun aus Kakamega Town vom Einkaufen kam, von einem Wochenendtrip oder einer zweiwöchigen Küstenreise, es fühlte sich an wie „Nach-Hause-Kommen“. Sämtliche Ausflüge und Trips organisierten wir vor Ort unter uns, will heißen von CIVS habe ich während meines Projekts nur wenig gehört, was ja aber auch nicht nötig war, weil es mir gut ging und ich mich über nichts zu beschweren hatte. Aber so großartig mein Aufenthalt auch war, ohne andere Musungus, mit denen man sich über das Gesehene, Erlebte und den Clash der Kulturen austauschen konnte und ohne den Wald der einen beruhigenden Fluchtpunkt darstellte, wann immer man genug hatte von „Give me, give me...!“ wären die 5 Monate sicherlich nicht so herrlich geworden.

Und auch wenn natürlich vieles, wenn nicht sogar alles, ganz anders kam als man sich auf dem deutschen Sofa so ausgemalt hatte: Bäume pflanzen, mit Kindern spielen, ein Loch als Klo, Regen als Wasserversorgung, ein mit Eindrücken überladenes Gehirn, Sonnenauf- und -untergänge, bescheideneres Essen, Kulturschock, Heimweh, super viel Spaß, Affen und Schlangen gehörten durchaus zu meinem Erwartungsspektrum.Nur dass ich von meiner kenianischen Gastmama Häkeln lernen würde....damit hatte ich nicht gerechnet.... Und auch, wenn Wikipedia euch sagt Kakamega hieße Ort des Todes, DAS IST NICHT WAHR! Erstens lebe ich noch und zweitens bedeutet es ein großes Stück Ugali!  Und das wiederum wird euch garantiert begegnen, en masse; zweimal täglich, zu Mittag und zu Abend. Denn neben Coca Cola ist Ugali die eigentliche Herrschermacht in Kenia. Und nach 5 Monaten möchte ich konstatieren: Es ist verdammt lecker!