MTV mit KIOF (Kenya Institute of Organic Farming)
Mein Erfahrungsbericht über mein MTV in Kenia bei Kenya Institute of Organic Farming, Oktober bis Dezember 2006.
„And how come there is no famine if you can’t grow anything in winter?" – In Kenia laufen so manche Dinge anders. Zum Beispiel gibt es nur zwei Jahreszeiten, die es möglich machen, fast das ganze Jahr über etwas auf dem Feld anzubauen. Drei Monate lang habe ich bei KIOF, Kenya Institute of Organic Farming, mein MTV gemacht, und in dieser Zeit viel über Landwirtschaft unter anderen Bedingungen (verglichen zu Europa) kennengelernt. Aber nicht nur das...
Dazu entschlossen hatte ich mich, weil ich einmal praktischen Einblick bekommen wollte über Landwirtschaft in den Tropen, da ich schon mehrere Erfahrungen in dieser Richtung in Europa hatte.
Die zwei Vorbereitungsseminare von IJGD waren zwar für eine grobe Orientierung ganz hilfreich, aber letztendlich kam es mir doch wie ins kalte Wasser springen vor. Offen sein und vor neuen Erfahrungen keine Angst haben war für mich das A und O. Anfangs war ich als einzige „Mzungu" (Weiße) in meinem Projekt, später dann kam noch eine andere aus Frankreich. KIOF, Kenya Institute of Organic Farming, ist ein Institut, in dem junge Leute in biologischer Landwirtschaft unterrichtet werden, in dem aber auch Kleinbäuerinnen und –bauern die bestimmten Methoden vermittelt werden. Für letztere sind die speziellen Techniken des biologischen Anbaus eine gute Methode und Möglichkeit, die Ernährungssicherheit zu erhöhen.
Im Projekt war es total wichtig, sich Arbeit selber suchen zu können, aber meist war das für mich kein Problem. Die Tätigkeiten gingen dann von Setzlingen umpflanzen über Unkraut jäten zu Kompost machen und vielen anderen Dingen, die in einem Garten anfallen. Aber auch war ich ab und zu im Unterricht dabei oder habe hier und da mal geholfen – aus meinem Studium hatte ich ja schon die theoretischen Grundlagen. Oft aber sind wir rumgesessen und haben uns unterhalten, also nicht nach europäischem Verständnis „effektiv" gearbeitet, was ich als total angenehm empfand. Außerdem arbeitet es sich auch besser wenn eine gute Atmosphäre zwischen den Arbeitenden besteht.
Mit den Studierenden bin ich gut ausgekommen und ich habe es sehr geschätzt, einige Gleichaltrige in einem anderen Lebenszusammenhang und –umfeld als Freundinnen und Freunde zu haben. Auch mit einigen Lehrern hatte ich ein freundschaftliches Verhältnis.
Wichtig war, sich um vieles selbst zu kümmern, und wenn mensch darin gut war, lockten viele Abwechslungen, wie z.B. Exkursionen. Zum Beispiel einmal nach Embu, was eine typische Busfahrt war. Als schon alle in dem uralten Gefährt saßen, musste der Motor aber wegen eines gemeinsamen Gebets zu Beginn des Ausfluges wieder ausgeschaltet werden. Danach ging er aber nicht mehr an, erst nach einigem Kabelzusammenstecken und Bus hin- und herschieben ging es weiter. Allerdings, was ich gelernt habe, nicht aus der Ruhe kommen, es gibt für alles eine Lösung, meistens hilft warten.
Für das Essen gab es aber keine Lösung. Und warten führt nur zu Hunger. Wenn du Hunger hast, kannst du nicht mehr arbeiten, ist dir auch bei heißen Temperaturen kalt, kannst du nur noch schlafen. Es gab immer nur das gleiche zu essen. Oder zur Abwechslung mit eingekochten Käfern oder kleinen Kieselsteinchen. Zum Glück gab es in der Nähe ein paar Möglichkeiten, Obst und Mandazi (Gebäck) zu kaufen, so dass es wenigstens daran nicht mangelte.
Auf bestimmte Vorstellungen über mich und Menschen aus Europa bin ich natürlich auch gestoßen. Zum Beispiel: Mzungus sind steinreich. Ja, ich hatte Mückenspray, gute Schuhe und eine Krankenversicherung. Und ja, ich kenne mich mit Computern gut aus. Und ich kann Autofahren, Fahrradfahren und Schwimmen. Aber nein, ich habe kein eigenes Auto oder Fernseher. Und nein, ich trinke nicht jeden Tag Cola und Co. Und einmal, als wir gemeinsam abends tanzen gingen, wurde mir gesagt: „Ich hätte garnicht gedacht dass Mzungus tanzen können!"
Wenn ich mein Projekt mit anderen vergleiche, dann kann ich es als „Kenia light" einschätzen: Meist gab es Strom (nur in der Regenzeit Ende des Jahres unregelmäßig) und fließend Wasser (wenn der Tank nicht gerade leer war) sowie Unterbringung in eigenen oder geteilten Zimmern, nicht in einer Gastfamilie. Dort war ich allerdings auch des öfteren, weil mich Studierende nach sich zu Hause eingeladen haben und ich dort einige Tage verbrachte.
Was mir und anderen Freiwilligen dort aufgefallen ist, war das Verhältnis der dort Arbeitenden zum Direktor. Es kam mehrmals vor, dass Personen von heute auf morgen aufgrund einer Meinungsverschiedenheit entlassen wurden. Einmal sollten sich alle Leute, die im Garten arbeiten, treffen, um Ziele zu besprechen und die Arbeiten auf einander abzustimmen. Das war sehr schwierig, weil die meisten Leute sich aus Angst, ihre Arbeit zu verlieren, garnicht trauten, etwas zu sagen.
Mir wurde dadurch noch einmal bewusst, wie wichtig gute Kommunikation für die Arbeitsatmosphäre sein kann und dass Hierarchieabbau und Mitbestimmung die Motivation aller enorm steigert.
Letztendlich war es doch eine unvergessliche Erfahrung, die sich nicht so einfach zusammenfassen lässt, aber ich hoffe, ihr habt einen ersten guten Eindruck bekommen!
Andrea

