MTV in Isecheno, Kakamega
Anna Grüterich
CIVS – Kenia
KEEP (Kakamega Environmental Education Program), Isecheno – Kakamega
Ökologie + Unterrichten
Juli-Oktober 2007
3 Monate
Erstens kommt alles anders, zweitens als man denkt!
So oder so ähnlich könnte ich meine Zeit zusammenfassen.
Meine Idee war zu allererst in einer kenianischen Schule zu unterrichten, da ich auf Lehramt studiere. Als ich aber die Projekte sah, entschloss ich mich an einem ökologischen Projekt –dem Schutz des letzten Stücks kenianischen Regenwaldes – teilzunehmen. Meine Einstellung war von vornherein, dass ich eine andere Kultur kennen lernen möchte und vielleicht einen unterstützenden Beitrag im ausgewählten Projekt leisten kann. Zum Glück habe ich diese Meinung auch die gesamte Zeit nicht geändert! ....
Sehr gut von den ehemaligen ijgdlern vorbereitet und mit den niedrigsten Erwartungen an die kenianischen Lebensumstände gerüstet, stieg ich mit gemischten Gefühlen in den Flieger. Auf der einen Seite voller Vorfreude auf das Neue, auf der anderen Seite wieder der Gedanke:„Anna, warum suchst du immer das Extreme?“. Denn 3 Monate ohne Strom, fließend Wasser, Ugali als Hauptspeise und in einer Lehmhütte wohnend standen mir bevor, 1 Stunde Fahrt von der nächsten Stadt.
Aber nach wenigen Tagen genoss man das „Eimern“ in der morgendlichen Sonne, lernte den Reisbrei (Ugali) zu lieben, sehnte sich nach gemütlichen Stunden bei Petroleumlampenlicht am Abend und konnte beruhigt mit der Geräuschkulisse der Tierwelt in seinem Bett in der Lehmhütte einschlafen. Ich lebte mit zum Teil 1-2 anderen Freiwilligen zusammen auf einem „Compound“, direkt am Regenwald, mit anderen Kenianern und jede Menge Kindern. Zum Teil war es schwer nach der Arbeit Ruhe zu finden, da immer irgendwer vor meiner kleinen Lehmhütte stand und spielen, toben und/oder malen wollte.
Bei meinem Projekt KEEP (Kakamega Environmental Education Program), gab es leider nicht wirklich das zu tun, was ich wollte. Also entweder IM Regenwald arbeiten, oder mit KEEP in die Schulen gehen und etwas über den Sinn und Zweck der Erhaltung des Regenwaldes erzählen. Man fragte mich, auf Grund meiner Studienrichtung und -fächer, ob ich in einer nahe gelegenen Primary School Mathe und Social Studies unterrichten wollte. Ich sagte sofort zu und muss sagen, das war eine super Entscheidung!
Also ging ich 6 Wochen lang jeden Morgen frohen Mutes in die Schule um die 7. und 8. Klasse zu unterrichten. Zwar war es zu Anfang für die Schüler schwer mein Englisch zu verstehen und für mich 37-55 Kinder zu bändigen, aber mit und mit gewöhnten wir uns an einander und hatten eine wunderbare Zeit. Es war eine richtige Herausforderung nur mit Kreide, Tafel und zum Teil 4 Schulbüchern eine Klasse zu unterrichten, in denen sich 3-4 Schüler auf eine kleine Bank quetschen. Außerdem ist Mitarbeit und vor der Klasse stehen etwas ganz Unbekanntes für die kenianischen Kinder. Aber durch das große Interesse der Schüler an meinem anderen Lehrstil fanden wir schnell zu einander und es hat riesen Spass gemacht zu unterrichten. Ich werde so viel für mein späteres Berufsleben mitnehmen!
Leider gab es auch Momente in denen ich der Schule gerne den Rücken zugewendet hätte, da die kenianische Unterrichtsweise sehr verschieden und streng ist. Ich habe nie Diskussionen an mich gerissen. Lehrer kamen eher zu mir an und fragten, warum ich den Unterricht so anders halte und nie für sie sichtlich bestrafe. Ich habe mich immer als lebendes Beispiel gesehen für ein „es geht auch anders“. Man kann und soll nichts ändern! Man kann nur andere Verhaltensweisen zeigen und hoffen, dass diese auf Gefallen stoßen. Ich muss sagen, dass ich mit den Lehrern viele interessante Gespräche über die Kultur, Erziehungs- und Lebensweise geführt habe und ihr Verhalten zum Teil verstehe, was aber für mich nichts legitimiert!
Ich muss auch anmerken, dass ich nicht damit zu frieden war, dass auf Grund meiner Anwesenheit manche Lehrer nicht unterrichtet haben. Das Aufteilen der Klassen auf 2 Lehrer war angeblich nicht möglich. Ich habe dies für 6 Wochen hingenommen auf Grund der Tatsache, dass ich zeigen wollte, wie anders unterrichten sein kann.
Der Schulalltag begann um 8 Uhr morgens und endete um 4 nach der „games time“, wo die Kinder selber spielen konnten. Wenn es hoch kam, habe ich 3 Zeitstunden am Tag gearbeitet. Sonst habe ich viele lange und äußerst interessante Gespräche geführt und gelesen. Die Umgangssprache war eigentlich immer englisch, weswegen die Verständigung sehr gut funktionierte! Ich habe auch gemeinsam mit den Lehrern in der Schule gegessen und am Ende fühlte ich mich gar nicht mehr wie die „Weiße-Außerirdische“!
An den Wochenenden habe ich mit den anderen Freiwilligen, die bei KEEP waren (zum Teil bis zu 4) Ausflüge gemacht oder wir haben einfach in dem wunderschönen Regenwald Spaziergänge gemacht oder relaxt. Es war sehr gut, andere für intensive Gespräche und Reflektion vor Ort zu haben, denn zum Teil erlebt man so krasse Sachen, dass man sie nur durch eine Diskussion verarbeiten kann.
Von meiner Organisation CIVS habe ich so gut wie nichts gehört in der ganzen Zeit. Was aber auch nicht notwendig war, da ich keine Probleme hatte. Ich wusste aber, dass ich sie immer erreichen konnte und ich denke, dass sie ein offenes Ohr für mich gehabt hätten.
Ich könnte noch so viel mehr erzählen, denn man erlebt so viel und sammelt so viele Eindrücke. Die Menschen sind so gastfreundlich und herzlich auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber doch nervig, wenn sie mal wieder denken, dass es was umsonst gibt…
Ich will diese 3 Monate auf jeden Fall nicht missen, in denen ich soviel gelacht, geredet, gespielt, geflucht, geweint, gelesen, geschrieben und nachgedacht habe! Kenia ist unbeschreiblich und irgendwie anders … - anders als man denkt.
….und falls doch noch mal jemand in KEEP landen oder sogar in der Isecheno Primary School stranden sollte….dann grüßt bitte alle ganz ganz lieb von mir!!!
Anna Grüterich





